Stuttgart und der Verkehr Feinschaum vor dem Mund

Von  

Warum nicht 30 Jahre warten und legal nach Stuttgart dieseln? Unser Kolumnist sieht für die Dieselbesitzer Licht am Ende des Cannstatter Tunnels.

Mit etwas Kreativität und einem Schweißbrenner lässt sich das Stuttgarter Feinstaubproblem schnell und zuverlässig lösen. Foto: Ulrich Stolte
Mit etwas Kreativität und einem Schweißbrenner lässt sich das Stuttgarter Feinstaubproblem schnell und zuverlässig lösen. Foto: Ulrich Stolte

Esslingen - Dass die Feinstaubalarme in Stuttgart die Innovationskraft der ganzen Region schwächen, haben Wirtschaftsvertreter wiederholt heftig beklagt – gewissermaßen mit Feinschaum vor dem Mund. Sie haben natürlich recht, denn wenn es tatsächlich zu Fahrverboten kommt, bleibt in der Region Stuttgart den Bürgern nichts anderes übrig, als ihre alten Dieselautos in die Garage zu stellen.

Wie aber jedermann weiß, werden weltumspannende Unternehmen nach den ehernen Gesetzen der Marktwirtschaft von einer Gruppe burgerkauender Computer-Kinder zwischen zwei Spiel-Leveln Warhammer gegründet. Und dafür braucht es Garagen. Denn egal, ob iPhone, Marsrakete oder Flugzeugträger, wenn die Dinger nicht im Autoschuppen zusammengenietet werden, können sie als Start-ups später nicht die Milliarden-Umsatz-Grenze knacken.

Aber wie soll das noch gehen, wenn in der Garage wegen der Stuttgarter Fahrverbote Papas Diesel-Volvo vor sich hinrostet? Dann spielen die Jungs lieber Warhammer Level 3. Die Feinstaub-Alarme haben für die Einpendler aus der Region den großen Vorteil, dass die Stadt Stuttgart in Zeiten des Feinstaubs die S-Bahn-Preise halbiert. Will ich einen Familienausflug machen, dann ruße ich montags mit meinem dreißig Jahre alten Oldtimer-VW-Bus den Feinstaub-Fühler am Neckartor zu und fahre am Wochenende mit den Kindern für die Hälfte von Esslingen in die Wilhelma. Ist ja auch besser, als wenn sie immer nur am Bildschirm sitzen.

Deswegen sehe ich auch für die Dieselbesitzer Licht am Ende des Cannstatter Tunnels. Sie müssen nur warten, bis ihr Fahrzeug dreißig Jahre alt geworden ist, dann können sie ihn legal als Oldtimer anmelden. Und schwupps darf der Volvo wieder aus der Garage und man kann nach Herzensluft, äh –lust, herumdieseln. Außerdem kommen dann die lieben, wenn auch in der Zwischenzeit wohl etwas gealterten Computer-Kinder, endlich von Warhammer Spiel-Level 35 485 weg. Und erfinden die Marsrakete.