Stuttgarter Autobauer dämpft die Erwartungen Porsche erwartet härtere Zeiten

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Nach fünf Rekordjahren hintereinander wagt der Autobauer Porsche nur eine vorsichtige Prognose für das laufende Jahr. Der Umsatz soll lediglich leicht zulegen.

In Zuffenhausen werden die  Sportwagen von Porsche produziert. In einigen Jahren soll ein Elektro-Modell hinzukommen. Foto: dpa
In Zuffenhausen werden die Sportwagen von Porsche produziert. In einigen Jahren soll ein Elektro-Modell hinzukommen.Foto: dpa

Stuttgart - Nachdem Porsche im vergangenen Jahr einen gewaltigen Umsatz- und Gewinnschub geschafft hat, dämpft der neue Porsche-Chef Oliver Blume ebenso wie Finanzvorstand Lutz Meschke beim Blick auf die kommenden Monate die Erwartungen. „Wir gehen heute davon aus, im Geschäftsjahr 2016 den Umsatz leicht zu steigern und ein Ergebnis auf Vorjahresniveau zu erzielen,“ sagte Meschke bei der Vorlage der Bilanz für das vergangene Jahr. „Das Jahr wird nicht einfach und wird uns unternehmerisch herausfordern“, sagte Vorstandschef Blume. Gleichwohl soll nach Angaben des Finanzchefs das strategische Renditeziel von 15 Prozent erneut erreicht werden, womit die Stuttgarter ihre Position als profitabelster Autobauer der Welt verteidigen dürften. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres hat der Absatz um 14 Prozent auf 35 000 Autos zugelegt.

Im vergangenen Jahr ist der Umsatz des Autobauers um 25 Prozent auf 21,5 Milliarden gestiegen, das operative Ergebnis verbesserte sich im Gleichschritt auf 3,4 Milliarden Euro. Es war das fünfte Rekordjahr hintereinander. Ein großer Teil dieses Schubs kam vom kompakten Geländewagen Macan, der letztes Jahr erstmals voll verfügbar war und mit mehr als 80 000 Auslieferungen auf Anhieb zum meistverkauften Porsche wurde.

Bei den Chinesen sitzt das Geld nicht mehr so locker

Die eher zurückhaltende Prognose für das laufende Jahr ist zum einen darauf zurückzuführen, dass dieser Sondereffekt durch ein zusätzliches Modell in diesem Jahr fehlt und auch bei den Chinesen das Geld nicht mehr so locker sitzt. Das rote Riesenreich ist im vergangenen Jahr zwar erstmals zum wichtigsten Markt der Stuttgarter aufgestiegen, doch immer öfter wird dort lieber eine Nummer kleiner gekauft. „Chinesen fahren sehr gerne Porsche, wollen dafür aber weniger ausgeben als noch vor einigen Jahren“, sagte Finanzvorstand Meschke.

Der Finanzvorstand wies zudem darauf hin, dass in den kommenden Jahren enorme Investitionen den Gewinn belasten. Allein eine Milliarde Euro kostet das Elektroauto-Projekt Mission E, hinzu kämen hohe Aufwendungen, um die schärferen CO2-Grenzwerte zu erreichen, die Modernisierung der IT und Investitionen rund um die Digitalisierung des gesamten Unternehmens sowie die Entwicklung neuer Angebote rund um das vernetzte Auto. Darüber hinaus wird das Leipziger Werk für eine halbe Milliarde Euro erweitert. Die zweite Generation der Limousine Panamera soll von diesem Jahr an komplett in Sachsen gefertigt werden. Bisher kam die lackierte Karosserie aus dem VW-Werk Hannover.

Rückstellungen für den Abgas-Skandal

Auch die „Diesel-Thematik“, wie Meschke die Auseinandersetzung mit der US-Umweltbehörde EPA über eine umstrittene Software in Cayenne-Dieselmotoren nannte, belastet die Ertragsrechnung. Porsche habe dafür Rückstellungen in Höhe eines „niedrigen dreistelligen Millionenbetrags“ gebildet, sagte Meschke und fügte hinzu. „Wir haben alles berücksichtigt, was am Ende bei Porsche hängenbleibt.“ Denn einen Großteil der finanziellen Belastungen soll Audi schultern, weil die Ingolstädter die umstrittene Software entwickelt haben.

Im wesentlichen ist das Geld bei Porsche für „Entärgerungsmaßnahmen“ eingeplant, wie der Finanzvorstand spezielle Angebote zur Pflege der Kundenbeziehungen in Amerika bezeichnete. Als Beispiel nannte Meschke unter anderem eine Verlängerung der Garantiezeit. Insgesamt sind 13 000 Cayenne davon betroffen. Seit die US-Umweltbehörde die Vorwürfe im vergangenen November erhoben hat, werden keine Cayenne mit Dieselmotor auf dem US-Markt verkauft. Allerdings wählt der Großteil der US-Kunden ohnehin lieber Wagen mit Benzinmotor.

Blume und Meschke widersprachen Befürchtungen, wonach die Konzernmutter VW nun tiefer in die Porsche-Kasse greifen könnte, um die finanziellen Belastungen durch den Abgas-Skandal bewältigen zu können. Porsche hat einen Gewinnabführungsvertrag mit VW. Für das vergangene Jahr stehen dafür 1,9 Milliarden Euro in der Bilanz. In der Regel fließe die Hälfte der Gewinnabführung jedoch wieder in Form einer Kapitalerhöhung zu Porsche zurück, so der Finanzvorstand.

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