Stuttgarter Friedrichsbau-Varieté L-Bank beendet Sponsoring für das Varieté

Von Jörg Nauke 

Die landeseigene L-Bank mit Sitz am Börsenplatz in Stuttgart steigt als Hauptsponsor des Friedrichsbau-Varietés aus. Damit steht diese traditionsreiche Kultureinrichtung vor dem Aus.

  Foto: Stollberg
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Stuttgart - Die landeseigene L-Bank mit Sitz am Börsenplatz in Stuttgart steigt als Hauptsponsor des Friedrichsbau-Varietés aus. Damit steht diese traditionsreiche Kultureinrichtung vor dem Aus. Entsprechende Informationen der Stuttgarter Zeitung bestätigte das Institut auf Nachfrage.

„Es ist für jeden Förderer wichtig, die Förderschwerpunkte in sinnvollen Abständen anzupassen“, teilte die Bank schriftlich mit. Das Varieté sei das mit Abstand größte Sponsoringengagement der L-Bank. „Es war nie auf unbefristete Zeit angelegt und soll nun wegen seiner Größe und Dauer beendet werden“, heißt es offiziell. Aktuell liege dem Varieté ein Vertragsangebot für 2013 vor, das offenbar aber noch nicht angenommen worden ist. Ferner habe sich die ­L-Bank entschlossen, „das Engagement ab dem Jahr 2014 nicht mehr weiterzuführen“. Die Bank widersprach Vermutungen, die Beendigung des Sponsoring könnte vom Landesrechnungshof veranlasst worden sein, der auch die L-Bank beaufsichtigt. Die Kontrollbehörde sah sich am Donnerstag außerstande, eine Stellungnahme abzugeben.

Das Varieté hat seit 1994 seine Spielstätte im Neubau der Förderbank, und zwar in der Rotunde. Das Theater war in die Planung des Gebäudes einbezogen worden. Es befindet sich an historischer Stelle – dort stand auch das alte Varieté, in dem weltberühmte Künstler und Artisten aufgetreten waren. Bis 2010 hatten 1,5 Millionen Besucher das Varieté besucht.

Von der Stadt ist offenbar kein Geld zu erwarten

Die Geschäftsführerin der Betriebs- und Verwaltungsgesellschaft des Varieté, Gabriele Frenzel, hat sich am Donnerstag zurückhaltend geäußert und mit Hinweis auf die Vertraulichkeitsvereinbarung lediglich das nahende Ende der finanziellen Unterstützung eingeräumt. Sie selbst habe davon erst kürzlich erfahren, sagte sie. „Aber ich bin total geschockt.“ Die Unruhe sei verständlicherweise groß, viele Mitarbeiter wüssten noch gar nichts von der neuen Situation. Sie sollten eigentlich am kommenden Dienstag, dem nächsten spielfreien Tag, mit dem Sachverhalt konfrontiert werden.

Weder Frenzel noch die L-Bank nannten konkrete Zahlen. Nach StZ-Informationen umfasste das Sponsoringpaket aber rund eine dreiviertel Million Euro. Es beinhaltet die mietfreie Überlassung der Spielstätte sowie einen direkten Zuschuss von rund 350 000 bis 400 000 Euro. Frenzel räumte lediglich ein, dass es ohne dieses Geld wohl schwer würde, das Unternehmen weiter zu führen.

Für Förderung müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein

Die Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU) bestätigte am Donnerstag auf Anfrage, von der L-Bank über das nahe Ende der Unterstützung informiert worden zu sein. Sie habe, wie auch der ehemalige Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU), Ende Dezember eine Mitteilung erhalten. Sie bedaure die Entscheidung der L-Bank. Das Institut verdiene aber ihre Hochachtung, da es fast 20 Jahre lang das traditionsreiche Theater unterstützt habe, mit dem die Landeshauptstadt national und international werbe. Die Frage, ob die Stadt das Varieté retten könne, stelle sich derzeit nicht, hieß es im Rathaus. Wenn, dann sei das Land am Zuge – und der Unternehmer Peter Schwenkow, der mit seiner Deutschen Entertainment AG Millionen umsetzt und zu dessen Imperium das Varieté gehört. Schwenkow war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Für den Gemeinderat ist klar, dass Kultureinrichtungen nur gefördert werden, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen. So müsse Kultur für alle erschwinglich sein. Varieté-Tickets seien doppelt so hoch wie von Einrichtungen, die weniger Zuschuss von der Stadt bekommen als das Varieté von der L-Bank. Es gehe auch um die Förderung des künstlerischen Nachwuchses. Man werde sich aber für die Rettung einsetzen, hieß es. Dafür brauche man aber Informationen über die Auslastung, die Kalkulation und die Kosten, die bisher gar nicht vorliegen können, weil das Varieté noch nie um städtische Hilfe nachgesucht hat.

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5 KommentareKommentar schreiben

traurig: Ich hoffe dass Stadt und Land hier ihre volle Unterstützung geben, damit das traditionsreiche Variete weiter bestehen kann. Wenn man die Beträge vergleicht, die für andere Dinge zur Verfügung stehen ist es schon traurig..

skandalös: durch aberwitzige fehlplanungen werden millionen in das verpfuschte schauspielhaus gesteckt und ein kleines juwel wie das variete werden nicht von öffentlicher hand gefördert.ein skandal.das alte variete am killesberg war doch auch eine städtische institution.

Aus für das Varieté ...: Hinzu kommt 2013: Aus für die Waiblinger Falschparker in der Shared-Spaced-Zone, Aus für Stuttgart 21 ... Ich glaube, wenn ich entscheiden müsste, was ich behalten möchte, würde ich mich für das Varieté entscheiden. Hier gilt der alte Seiltänzerspruch: Oben bleiben!

Welch ein Verlust....: ... für Stuttgart, sollte das Varieté tatsächlich seine Pforten schließen. In all der subventionierten Upper-Class-Kultur ist es, trotz etwas höherer Eintrittspreise, ein zauberhaftes Kleinod in unserer Stadt. Das Varieté verfügt über eine besondere Magie. Wenn der Steuerzahler etliche MIllionen in das fehlgeplante Schauspiel pumpen kann, dann sollte hier das nötige Kleingeld auch verfügbar sein.

:(: das wäre sehr sehr schade......

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