Stuttgarter Sterneköche Gut essen und dabei Gutes tun

Leona Stolterfoht, 18.04.2014 13:25 Uhr

Stuttgart - Es gibt Menschen, die die Neckarvorstadt in Bad Cannstatt als Bronx von Stuttgart bezeichnen, und tatsächlich ist es dort trostlos: Casinos, Dönerbuden, Kneipen. Es gibt nicht mal einen Lebensmittelladen in dem Viertel. Was ausgerechnet diese Ecke mit neun Sternerestaurants aus der Region zu tun hat?

Die Menschen, die in dem kleinen Cannstatter Stadtteil leben, und ganz besonders die Kinder, sollen gutes und gesundes Essen bekommen und lernen, wie man es selbst zubereitet. Das findet zumindest Evangelos Pattas, der Inhaber des Restaurants Délice, der die Aktion „kulinarisches Sommermärchen“ initiiert hat. Vom 4. Mai bis zum 11. Oktober bieten neun Sternerestaurants – seines eingeschlossen – spezielle Menüs zu Sonderkonditionen an. Jeder Gast spendet automatisch zehn Euro an das Projekt „kostenloser Mittagstisch im Kindertreff Kifu“ – womit sich der Kreis zur Neckarvorstadt schließt.

Dort gibt es seit 30 Jahren den Kifu-Treff (Kinderfreundliche Umwelt), eine Einrichtung der Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft. Ein Anliegen der Sozialarbeiter ist es, mit den 20 bis 40 Kindern zwischen sechs bis zwölf Jahren fünfmal in der Woche ein warmes Mittagessen zuzubereiten. „Viele Kinder sind erstaunt, dass Erbsen nicht in der Dose wachsen, und haben noch nie frische Kartoffeln gesehen“, sagt Angelika Schröder vom Kifu-Treff. Am Mittwoch ist auch sie nach Esslingen in die Sektkellerei Keßler gekommen, wo Evangelos Pattas das „kulinarische Sommermärchen 2014“ vorgestellt hat: „Dass die besten Köche so gut zusammenarbeiten, gibt es in keiner anderen Stadt.“ Tatsächlich sind bis auf Niko Burkhardt vom Olivo , der kurzfristig absagen musste, alle anderen Sterneköche gekommen: Frank Oehler (Speisemeisterei), Armin Karrer (Avui), Marco Akuzun (Top Air), Russell Pirrit („5“), Benjamin Schuster (Délice), Klaus Jäschke (Yosh), Vincent Klink (Wielandshöhe) und Sebastian Prüßmann (Schlossgarten Gourmetrestaurant).

Gemeinsam an einem Tisch essen

Bei den Menüs zu Sonderkonditionen gibt es entweder einen zusätzlichen Gang, spezielle Mittagsangebote oder extra für die Aktion kreierte Speisefolgen. „Die ­Sternegastronomen kochen nicht auf, um Gäste zu gewinnen, sondern sie übernehmen gesellschaftliche Verantwortung“, fasst Evangelos Pattas die Motivation zusammen. Sebastian Prüßmann vom Schlossgarten liegt besonders am Herzen, „dass Kinder gemeinsam an einem Tisch essen“. In seiner Kindheit sei das zu Hause selbstverständlich gewesen, „aber heute ist es das bei vielen nicht mehr“. Deshalb unterstütze er gerne den Kifu-Treff.

Bei der Vorstellung des „kulinarischen Sommermärchens“ war auch der Münchener Verein Deutsche Lebensbrücke vertreten, der seit vielen Jahren das Mittagessen im Kifu-Treff finanziell unterstützt.

Information Eine Broschüre, in der das „kulinarisches Sommermärchen“ mit dem Gewinnspiel erklärt werden, liegt unter anderem in der Touristeninformation i-Punkt aus.