Stuttgarter Tanz- und Theaterpreis Es geht auch um viel Geld

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Nach einer dreijährigen Pause startet das Stuttgarter Tanz- und Theaterpreis in diesem Jahr neu durch – und präsentiert sich von Montag an im Theaterhaus mit einem frischen Konzept. Bis zum Samstag präsentiert sich die Crème de la Crème der freien Gruppen im Land.

„Brenne und sei dankbar“ nennt sich eine Ausstellung von Gesche Piening und Ralph Drechsel, die auf die wirtschaftliche Situation der freien Theaterleute hinweist. Foto: Testset
„Brenne und sei dankbar“ nennt sich eine Ausstellung von Gesche Piening und Ralph Drechsel, die auf die wirtschaftliche Situation der freien Theaterleute hinweist. Foto: Testset

Stuttgart - Freie Theatermacher sollten vielfältig sein. Sie müssen nicht nur Anträge schreiben können, sondern möglichst auch kellnern können oder tüchtig im Putzen sein. Denn ein Großteil der freien Schauspieler und Regisseure kann nicht von der Kunst allein leben – wie der „Report Darstellende Künste“ deutlich gemacht hat. „Brenne und sei dankbar“ nennt sich nun zynisch eine Ausstellung, die die Ergebnisse des Buches in griffige Plakatmotive umgesetzt hat. Die Schau wandert derzeit durch die deutsche Theaterlandschaft – und macht nun Station beim Stuttgarter Tanz- und Theaterpreis.

Nach einer dreijährigen Pause startet das Festival in diesem Jahr neu durch – und präsentiert sich von Montag an im Theaterhaus mit einem frischen Konzept. Die Austragung findet künftig alle zwei Jahre statt und trennt die Sparten Tanz und Theater nicht mehr. In der kommenden Woche treten stattdessen insgesamt zehn Tanz- und Theaterensembles aus Baden-Württemberg an. Es ist die Crème de la Crème der freien Szene, die hier ihre neuen Produktionen zeigt. Mehr als sechzig freie Gruppen aus dem Land hatten sich für das Festival beworben, bei dem sie nicht nur ihre neuen Stücke in der Landeshauptstadt zeigen können – denn es gibt auch Preise in Höhe von insgesamt 21 000 Euro zu gewinnen. Darunter ist auch ein Publikumspreis, den die Zuschauer vergeben dürfen.

Von Montag bis Samstag zeigen die Nominierten im Theaterhaus ihre Produktionen, nach der Preisverleihung am Samstag gehen sie außerdem auf Gastspielreise. Auch das ist eine Neuerung, mit der die freie Bühnenkunst noch stärker gefördert werden soll. Die soziokulturellen Zentren im Land hätten sowohl die Tanz- als auch die Theaterstücke gerne gebucht, sagt Alexander Opitz vom Landesverband Freier Theater. „Und sie wollen auch nicht nur die Dinge, von denen man annimmt, sie seien gefällig“, sagt er.

Je 64.000 Euro von Stadt und Land für das Festival

Das Publikum erwarten in der nächsten Woche vielfältige künstlerische Ansätze und spannende Produktionen, die Theaterschaffenden selber aber sollen beim runderneuerten Tanz- und Theaterpreis auch miteinander ins Gespräch kommen und sich weiterbilden. So wurden Stipendien ausgeschrieben für einen Dramaturgieworkshop. „Das ist ein Gebiet, auf dem es in der freien Szene immer noch ein bisschen hapert“, meint Alexander Opitz. Die freie Theaterformation Rimini-Protokoll wird mit den Stipendiaten arbeiten, und der Stuttgarter Dramaturg Christian Holtzhauer wird mit ihnen über die Gastspiele im Theaterhaus diskutieren.

64 000 Euro lassen sich Stadt und Land das Festival jeweils kosten, organisiert wird der Theaterpreis vom Landesverband Freie Theater gemeinsam mit der Stadt Stuttgart. Und damit die Besucher einen Vergleich haben, wie das freie Theater außerhalb des Landes aussieht, wird am Samstagabend vor der Preisverleihung Ben J.Riepe aus Düsseldorf mit seiner Kompanie auftreten. Das Tanztheaterstück „Don’t ask Don’t tell“ haben sie gemeinsam mit Kollegen aus Indien erarbeitet.