Stuttgarts Städtepartnerschaften Bezirke werden internationaler

Jürgen Brand, 14.01.2010 07:07 Uhr
Stuttgart - Die Landeshauptstadt Stuttgart gehört - nach eigener Einschätzung - zu den Pionieren beim Thema Städtepartnerschaften. Schon im Jahr 1948 wurde die Partnerschaft mit St. Helens (Großbritannien) geschlossen, ganz im Sinne des Gedankens der Völkerverständigung nach dem Zweiten Weltkrieg. Heute werden Partnerschaften zu zehn Städten auf vier Kontinenten gepflegt, neben St. Helens zu Cardiff (Wales/Großbritannien, seit 1955), St. Louis (Missouri/USA 1960), Straßburg (Frankreich, 1962), Mumbai (Indien, 1968), Menzel Bourguiba (Tunesien, 1971), Kairo (Ägypten, 1979), Lodz (Polen, 1988), Brünn (Tschechische Republik, 1989) und Samara (Russische Föderation, 1992).

Neben diesen mehr oder weniger intensiv geführten Partnerschaften der Landeshauptstadt bemühen sich auch immer mehr Stadtbezirke um eigene Stadtteilpartnerschaften. Zuffenhausen ist schon seit 1977 mit der französischen Stadt La Ferté-sous-Jouarre verbunden, Vaihingen seit 1985 mit Melun. Während Auslöser der Partnerschaften in diesen beiden Fällen die deutsch-französische Freundschaft war und ehemalige Kriegsteilnehmer in den jeweiligen Städten und Stadtbezirken den Anstoß gaben, hat die Stadtteilpartnerschaft von Bad Cannstatt einen ganz anderen Hintergrund.

Es war das ungarische Kulturinstitut, das 1995 die Initiative für eine Partnerschaft zwischen Bad Cannstatt und dem XI. Bezirk von Budapest ergriff. Der Budapester und der Stuttgarter Stadtbezirk haben die größten Mineralwasservorkommen in Europa, Grund genug also für eine dauerhafte Freundschaft, die 1996 beurkundet wurde.

Alle drei Stuttgarter Stadtbezirke profitieren in vielerlei Hinsicht von den Stadtteilpartnerschaften. Es gibt meist einen regelmäßigen Schüleraustausch, Sportvereine arbeiten zusammen und besuchen sich gegenseitig, auch Ausstellungen werden ausgetauscht, wie zum Beispiel die über das Mineralwasser in Budapest vor einiger Zeit. Die Bürgermeisterin von La Ferté-sous-Jouarre, Marie Richard, ist sogar die Patin des nach ihr benannten neuen Stadtbahntunnels - dem Marie-Tunnel - in Zuffenhausen.

Der Wunsch nach Partnerschaften ist groß


Auch in anderen Stadtbezirken regt sich immer öfter der Wunsch nach eigenen Stadtteilpartnerschaften, zumal es in vielen Bezirken ohnehin auf Schul- oder Vereinsebene zum Teil enge Kontakte ins europäische Ausland gibt. Feuerbach zum Beispiel strebt eine Stadtteilpartnerschaft mit dem Stadtbezirk Lísen oder Lösch der Stuttgarter Partnerstadt Brünn an. Die Initiative dazu ging von der dortigen Bezirksverwaltung aus, die bereits einen entsprechenden Beschluss gefasst hat. Bezirksvorsteherin Andrea Klöber war im vergangenen Jahr mit einer Stuttgarter Delegation anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Partnerschaft zwischen Stuttgart und Brünn dort, sie hat auch schon Besuchern aus Lísen Feuerbach gezeigt.

"Die Stadtbezirke passen offenbar gut zusammen", sagt sie, betont aber auch: "Jetzt müssen wir sehen, was wir auf kultureller und sportlicher Ebene hinbekommen. Wir müssen das erst mit Leben erfüllen, bevor wir einen Vertrag machen." Aus Lísen wurde ihr eine Einladung für kommenden September angekündigt. Dann wird sie den Brünner Stadtbezirk genauer kennenlernen können.

In Degerloch sind die Überlegungen für eine feste Partnerschaft noch ganz am Anfang. Nachdem sich Bemühungen um einen Ort in Österreich zerschlagen haben, gibt es nun erste Kontakte zu einer Ortschaft in den Abruzzen in Italien. Auch dort gebe es Interesse, sagt Bezirksvorsteherin Brigitte Kunath-Scheffold. Mehr ist aber noch nicht geschehen.

Gemeinsamkeiten erkennen und Gedanken austauschen


In Plieningen und Birkach dagegen nimmt eine Partnerschaft mit Gaziemir, einem Stadtbezirk der türkischen Stadt Izmir, konkretere Formen an. Vor wenigen Wochen war eine sechsköpfige Delegation aus Gaziemir angereist und informierte sich unter anderem über die Messe und den Flughafen. Das sind auch die Gemeinsamkeiten - Gaziemir liegt in der Nähe des Flughafens von Izmir, und die Messe soll in den Stadtbezirk verlegt werden.

Ansprechpartner im Rathaus für die Stadtbezirke bei allen Fragen zu Stadtteilpartnerschaften ist Alexander Kreher, der Leiter der Stabsabteilung für europäische und internationale Angelegenheiten. Er sagt: "Wir unterstützen solche Bemühungen natürlich. Das bringt Internationalität in die Bezirke und die Bezirke in die Welt." Allerdings - eine Stadtteilpartnerschaft kann erst offiziell begründet werden, wenn der Gemeinderat zustimmt. Und erst dann gibt es auch sozusagen einen städtischen Partnerschaftszuschuss für den jeweiligen Stadtbezirk - rund 5000 Euro pro Jahr.
"Wir müssen das erst mit Leben füllen, bevor wir einen Vertrag machen." Andrea Klöber, Bezirksvorsteherin Feuerbach