StZ-Interview zur Brandkatastrophe „Am Ende hilft nur die schnelle Flucht“

Von

Der stellvertretende Chef der Stuttgarter Feuerwehr Stefan Eppinger hält eine Überprüfung der Sicherheitskonzepte in Behindertenwerkstätten für sinnvoll.

Der stellvertretende Feuerwehrchef Eppinger gibt Tipps. Foto: dapd 91 Bilder
Der stellvertretende Feuerwehrchef Eppinger gibt Tipps.Foto: dapd

Stuttgart -


Herr Eppinger, fast alle Brandopfer sterben an einer Rauchvergiftung und nicht an Verbrennungen. Was macht Rauch so gefährlich?
Das Kohlenmonoxid im Rauch verursacht sehr rasch Bewusstlosigkeit. Gerade nachts im Schlaf bemerken die Opfer die tödliche Gefahr dann nicht. Sie ersticken in kurzer Zeit.

Wie können Menschen sich schützen?
Rauchmelder können wichtigere Lebensretter sein als Feuerlöscher. Mit ihrer Hilfe können sich die Betroffenen in Sicherheit bringen, bevor es gefährlich wird. Die Feuerwehr setzt sich deshalb dafür ein, dass es auch in Privatwohnungen ein solches Alarminstrument gibt.

Wie können sich Menschen aber in bereits verqualmten Gebäuden schützen?
Ganz einfach, sie müssen so schnell wie möglich ins Freie. Auf dem Weg durch verrauchte Räume hilft ein gebückter Gang, da die giftigen Gase nach oben strömen und sich dort sammeln. Auch ein Tuch vor dem Mund kann nützlich sein. Dennoch hilft am Ende nur die rasche Flucht.

Nach der Katastrophe von Titisee-Neustadt wird auch über neue Brandschutzvorkehrungen für Behindertenwerkstätten spekuliert. Sollten diese jetzt überdacht werden?
Auch wenn die Experten die Brandursache geklärt haben, ist in einem weiteren Schritt zu klären, ob die Sicherheitsvorkehrungen ausreichend waren. Wenn aber tatsächlich alle heute vorgeschriebenen Vorkehrungen getroffen worden sind, sollten die Verantwortlichen in der Politik jetzt darüber nachdenken, ob noch mehr möglich ist. Denn es sind 14 Menschen bei dem Brand ums Leben gekommen.

Denken Sie an etwas Konkretes? Die Deutsche Hospizhilfe fordert beispielsweise Sprinkleranlagen für Einrichtungen wie Behindertenwerkstätten oder Hospize.
Da wäre ich vorsichtig. Sprinkleranlagen löschen erst ab einer gewissen Temperatur. Bis die erreicht sind, können die Räume schon ordentlich verqualmt sein. Ich halte es für sinnvoll, Konzepte daraufhin zu prüfen, ob sie etwa in Behinderten­werkstätten auch für Rollstuhlfahrer eine rasche Flucht vor dem Rauch ins Freie ermöglichen. Ich denke zum Beispiel an Evakuierungsaufzüge. Sie können auch im Brandfall verwendet werden. Je schneller die Menschen das brennende Gebäude verlassen, desto besser.
  Artikel teilen
4 KommentareKommentar schreiben

Kross: „Am Ende hilft nur die schnelle Flucht“: Na, das sagen Sie dann mal den 16.000 im engen Tiefbahnhöfle eingesperrten Passagieren!

@ Tom: das ist das gleiche wie es sich jetzt bei S21 abzeichnet -da wird auch gefeilscht um jedes Pünktchen Rechtstatus und Sicherheit ----Als wenn es beim Thema Brandschutz etwas zu diskutieren gaebe ?! --Traurig mehr als traurig das erst immer wo etwas passieren muss ------Eine solche Treppe ein solcher Fluchtgang für Menschen die sich nicht alleine fortbewegen können ----und niemand dachte da vorher drann?

Mir unbegreiflich: Sorry aber warum gewaehrt man diesen und alten Menschen nicht den allerbesten Brandschutz ? Ebenerdige Unterbringung -Grosse Notfalltüren und Rampen -----------Ich verstehe nicht wie man das hier als Konzept übersehen konnte

Fluchtwege: Hrmpf ... Also wirklich. Wieso wurde in solch einer 'erst kürzlich renovierten' Anlage die Fluchtwege als Treppen ausgelegt. Wie sollten dann die Rollstuhlfahrer flüchten? Aufzüge als Fluchtwege ? Dass dauert doch einige Zeit, bis diese eine entsprechende Anzahl von Personen transportieren. Wie sieht es mit Rettungsmasken aus (sogenannten Selbstrettern) aus ? Wie sieht es mit der Sicherheit aus, wenn Gas, Chemikalien und Holzabfälle aufeinandertreffen. Und vor allem, was war dass für eine Gasheizung ?

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.