StZ Kinder- und Jugendfestival Die Stadt als Hüpfburg

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Beim Stuttgarter Zeitung Kinder- und Jugendfestival, das am 24. und 25. Juni in der Innenstadt stattfindet, kommen alle Altersklassen auf ihre Kosten. Einer der Veranstalter des Events ist der Sportkreis Stuttgart. Der leistet auch beim Thema Inklusion einen ganz wichtigen Beitrag.

Immer auf dem Sprung: die Verantwortlichen des Projekts Gemeinschaftserlebnis Sport, Uwe Jaeger, Fabian Schönleber, Thomas Krombacher und Dominik Hermet (v.li.) Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Immer auf dem Sprung: die Verantwortlichen des Projekts Gemeinschaftserlebnis Sport, Uwe Jaeger, Fabian Schönleber, Thomas Krombacher und Dominik Hermet (v.li.) Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Wenn der Schlossplatz die Visitenkarte dieser Stadt ist, ist der Eckensee in Ermangelung anderer zentraler Feuchtgebiete die Wasser-Seele Stuttgarts. Einmal im Jahr werden beide Orte spielerisch erobert, und zwar beim Stuttgarter Zeitung Kinder- und Jugendfestival, das in diesem Jahr am Samstag und Sonntag, 24. und 25. Juni, stattfindet. Dann wird die City wieder wie eine einzige Hüpfburg interpretiert. Veranstaltet wird das Spektakel unter dem Motto „Unsere bunte Stadt“ von der City-Initiative Stuttgart (CIS) und dem Sportkreis.

Der Sportkreis Stuttgart ist für viele ein unbeschriebenes Blatt. Dabei nimmt der Dachverband von über 300 Sportvereinen wichtige gesellschaftliche Aufgaben wahr. Zum einen ist er der Ansprechpartner, wenn es um die „Olympiade des kleinen Mannes“ geht: das Sportabzeichen. In Zeiten von Fitnesstrackern, den digitalen Selbstoptimierungstools der eigenen Sportlichkeit, wirkt das Sportabzeichen herrlich antiquiert – im positiven Sinne. Die Auszeichnung des Deutschen Olympischen Sportbundes wird für überdurchschnittliche und vielseitige körperliche Leistungsfähigkeit verliehen.Fernab jeglicher Leistungsgedanken ermöglicht der Sportkreis aber noch etwas viel Wichtigeres als die Belobigung sportlicher Leistung. Als Träger des Projektes Gemeinschaftserlebnis Sport (GES) ermöglicht der Sportkreis Inklusion ohne viel Tamtam: „Wir arbeiten an der Schnittstelle zwischen Sport, Schule und Sozialarbeit“, sagt Fabian Schönleber vom Gemeinschaftserlebnis Sport. „Viele Kinder haben keinen Zugang zu Bildung oder Sport. Das hat mit ihrer Herkunft, ihrem Sozialverhalten oder ihren körperlichen Voraussetzungen zu tun“, so Schönleber weiter. Das GES ermögliche aber genau diesen Zugang zu Sport und Bildung.

Der Sportkreis leistet Inklusions-Arbeit ohne viel Tamtam

Der Startschuss für das Projekt erfolgte 1995, damals noch auf drei Stadtbezirke beschränkt. Heute ist GES in der ganzen Stadt aktiv. „Die meisten Projekte setzen wir an Schulen um, an denen Bedarf herrscht. Die Angebote laufen am besten, wenn die Kinder während der Schulzeit angesprochen werden“, so Schönleber. Der Sportkreis investiert in GES unheimlich viel Zeit: Derzeit sind es 120 Angebote pro Woche, erarbeitet von elf Angestellten. Neben den Schulen sind Sportvereine ein wichtiger Partner der GES-Kurse. Die Zielgruppe von Gemeinschaftserlebnis Sport hat sich in der jüngeren Vergangenheit deutlich gewandelt und erweitert. „Das Flüchtlingsthema hat uns vor große Herausforderungen gestellt“, erklärt Sportkreis-Geschäftsführer Dominik Hermet. In den Vorbereitungsklassen der Geflüchteten gehe es nur ums Deutschlernen, in dem Unterricht spiele Sport keine Rolle.

„Da springen wir in die Bresche als ­Ergänzung zum Sprachunterricht“, sagt Schönleber. „In anderen Kulturen ist das Sozialverhalten oft ganz anders. Beim Gemeinschaftserlebnis Sport haben wir die Möglichkeit, den Teamgedanken zu fördern – auch weil wir einen eher spielerischen Ansatz verfolgen, der sich vom klassischen Sport deutlich unterscheidet.“

Die Sportvereine spielen auch in der Flüchtlingsarbeit eine wichtige Rolle

Als Dachverband von 300 Vereinen liefert der Sportkreis seinen Mitgliedern über das Projekt Gemeinschaftserlebnis Sport ganz praktische Hilfe: „Oft werden die Vereine als in sich geschlossene Zirkel wahrgenommen. Dabei übernehmen sie als Bestandteil der Stadtgesellschaft ganz wichtige Aufgaben“, sagt Dominik Hermet. „Im Sportverein treffen ganz unterschiedliche Kulturen aufeinander. Beim gemeinsamen Trainieren und Üben können sich Haltungen grundlegend zum Positiven verändern.“

Beim Thema Inklusion benötigten die Vereine einen Partner mit Expertise im Bereich Sonderpädagogik. Hier kommt das GES ins Spiel, das nicht nur zahlreiche Projekte umsetzt, sondern auch im Bereich Weiterbildung aktiv ist.

Der Erfolg von GES ist nicht hoch genug einzuschätzen. Das Schöne an dem Projekt: Inklusion funktioniert hier in alle Richtungen, alle teilnehmenden Schüler profitieren von ihrem Gemeinschaftserlebnis. Das wird mittlerweile über die Stadtgrenzen Stuttgarts hinaus anerkannt: Beim Integrationspreis – Deutschlands höchstdotiertem Sozialpreis – landete die Initiative GES im Jahr 2015 auf dem ersten Platz.