Tennis Alexander, der Große

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Der 18-jährige Alexander Zverev ist das größte deutsche Talent. An diesem Freitag feiert er wohl sein Debüt im Daviscup.

  Foto: Getty Images Europe
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Stuttgart - Der Beiname „Alexander, der Große“, der in Berichten über Alexander Zverev so gerne auftaucht, ist zumindest in visueller Hinsicht alles andere als eine Übertreibung. Schließlich ist Zverev, ein schlaksiger Hamburger mit weichen Gesichtszügen, bereits jetzt schon 1,98 Meter groß. Dabei soll das Wachstum des 18-Jährigen, so ist es aus seinem Umfeld zu hören, noch gar nicht beendet sein. Sehr gut möglich also, dass Deutschlands größtes Tennistalent bei den Männern noch die Zweimetermarke knackt.

Geht es um sein Tennisspiel, dann möchte sich der Sohn des ehemaligen russischen Daviscup-Spielers Alexander Zverev Senior ebenfalls schnellstmöglich zu den ganz Großen der Branche zählen. Wenn das deutsche Daviscup-Team von Freitag (13 Uhr/live bei Sat-1 Gold) bis Sonntag im Erstrundenspiel in Hannover auf Tschechien trifft, dann ist der Youngster, der vor seinem Debüt im deutschen Team steht, aber schon jetzt der begehrteste Gesprächspartner. Quasi als Nachfolger von nationalen Größen wie Boris Becker, Michael Stich, Nicolas Kiefer oder Tommy Haas wieder einen Spieler in den Top Ten zu haben – das ist die Vision, die der Deutsche Tennis-Bund (DTB), die viele Fans, Trainer, Funktionäre und Mitspieler mit dem Namen Zverev verbinden.

Gleich zum Auftaktmatch könnte ein großer Name warten

Immerhin hat sich der Gewinner des „Star of Tomorrow Award 2015“ des Dachverbandes ATP kontinuierlich gesteigert, seit er sich als 16-Jähriger aufmachte, in der Männer-Konkurrenz mitzumischen. Noch vor zwei Jahren jenseits der Top 250 geführt, gelang Zverev im Herbst erstmals der Sprung in die Top 70, während er aktuell nach einem tollen Saisonstart 2016 mit der Halbfinalteilnahme beim ATP-Turnier in Montpellier, dem Viertelfinale in Rotterdam sowie dem Achtelfinale in Marseille auf Position 58 notiert ist.

„Ich werde rausgehen und denken, dass ich gewinnen kann – und nicht, dass ich mein Debüt feiere“, sagt Zverev, der es in seinem Auftaktmatch am Freitag gleich mit einem großen Namen zu tun bekommen könnte. Denn der Gegner um Lukas Rosol (50. der Weltrangliste), Jiri Vesely (56.) und Radek Stepanek (164.) wird von seiner klaren Nummer eins, Tomas Berdych, angeführt. Unter der Regie des Weltranglistensiebten gewannen die Tschechen 2012 und 2013 den Daviscup. „Ich bin schon jetzt heiß auf dieses Match, sollte ich aufgestellt werden“, sagt Zeverev, der erstmals im nationalen Auftrag um Punkte kämpft. Bereits für die Relegationspartie im Vorjahr in der Dominikanischen Republik war der 18-Jährige nominiert, musste aber die aus deutscher Sicht letztlich mit 4:1 erfolgreiche Partie in Santo Domingo wegen einer Viruserkrankung absagen.

„Wir haben Außenseiterchancen“, glaubt Niki Pilic

Nun wurde Zverev, der abseits des Courts gerne mal forsch auftritt, von Teamchef Michael Kohlmann gemeinsam mit Philipp Kohlschreiber, Dustin Brown und dem Doppelspezialisten Philipp Petzschner berufen. Weil Brown und Petzschner vermutlich das wichtige Doppel bilden, dürfte der Teenager in der mit 10 000 Fans annähernd ausverkauften Tui-Arena sein Debüt im Einzel geben.

„Wir haben definitiv den Anspruch, hier gewinnen zu wollen – und so werden wir auch auftreten. Aber auf dem Papier sind die Tschechen nach wie vor die Favoriten“, sagt der Daviscup-Kapitän Michael Kohlmann. „ Wir haben Außenseiterchancen“, ergänzt Niki Pilic, der Kohlmann berät.

Das deutsche Männertennis stagniert seit Jahren

Neue Impulse durch Zverev können dem Team keinesfalls schaden. Schließlich stagniert das deutsche Männertennis seit Jahren auf bedenklichem Niveau – was auch der 0:3-Rückstand bei der Erstrundenniederlage im Vorjahr gegen Frankreich (Endstand 2:3) zeigte. Von den Erfolgen der Frauen, die 2014 in Prag im Finale des Fedcups standen und mit Angelique Kerber eine Grand-Slam-Siegerin zu bieten haben, sind die Männer meilenweit entfernt. Ihr langjähriger Bester, Tommy Haas, befindet sich mit 37 Jahren und chronischen Schulterschmerzen seit langem auf der Zielgerade seiner Karriere.

„Von den Ergebnissen her haben wir sicherlich Luft nach oben. Unser Ziel ist es, nicht immer gegen den Abstieg zu spielen – sondern auch mal in Richtung eines Halbfinale zu denken“, sagt Michael Kohlmann. Als Nummer 30 der Tenniswelt ist Philipp Kohlschreiber seine unumstrittene Nummer eins. „Ich spreche viel mit ihm und wir haben gute Gespräche. Ich denke, dass er ein gutes Umfeld besitzt und viel richtig macht“, sagt Kohlschreiber, Deutschlands bester Tennisspieler, über den jungen Zverev, der ihn nach aktuellem Stand der Dinge in nicht allzu ferner Zukunft als Daviscup-Frontmann beerben wird.

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