InterviewTerroranschlag in Paris „Unsere Familie kann der Terror nicht spalten“

Von Jürgen Löhle 

Der Filderstädter Michael Blume lebt mit seiner Ehefrau Zehra eine christlich-islamische Ehe. Gläubige jeglicher Religion und Nichtgläubige dürften sich vom Terrorismus nicht gegeneinander aufhetzen lassen, sagt er.

Michael Blume wünscht sich Begegnungen zwischen den Religionen. Foto: Claudia Barner
Michael Blume wünscht sich Begegnungen zwischen den Religionen.Foto: Claudia Barner

Stuttgart - Michael Blume (38) und seine Frau Zehra leben in Filderstadt eine christlich-islamische Ehe, ihre Kinder sind in beiden Religionen gesegnet. Als die beiden Mitte der 1990er Jahre heirateten, war das noch eher selten. Mittlerweile gibt es gemischtreligiöse Ehen sehr viel häufiger – diese Entwicklung soll kein Terror der Welt aufhalten, sagt Blume.

Herr Blume, ein Anschlag wie der in Paris beeinflusst auch das Verhältnis von Christen und Muslimen. Wie reagiert man als christlich-islamische Familie?
Zuallererst rückt man natürlich näher zusammen und steht sich gegenseitig bei. Das ist nicht anders als in jeder anderen Familie auch. Aber das Ziel des Terrors ist es ja, Menschen gegeneinander aufzubringen, Gesellschaften und Gruppen zu spalten. Das ist mir als Religionswissenschaftler bewusst. Anschläge gegen Freiheitsrechte und möglichst spektakuläre Ziele betreffen uns alle. Aber unsere Familie kann so ein Ereignis jedenfalls nicht spalten.
Wie haben Sie als Familie das Attentat ­erlebt?
Zunächst einmal hat uns das alles sehr betroffen und traurig gemacht. Ich habe seit Jugendtagen ein enges Verhältnis zu Frankreich, war dort schon im Schüleraustausch. Unsere Flitterwochen haben wir in Paris verbracht. Ganz konkret ist das auch für Muslime in Deutschland jetzt natürlich eine schwere Bürde. Viele schämen sich, andere schieben das schreckliche Ereignis weit von sich und sagen, das hat mit uns überhaupt nichts zu tun. Das stimmt natürlich, aber umso wichtiger ist es, jetzt gemeinsam gegen den Terror zu stehen.
Können Sie als Familie, die in zwei Glaubenswelten lebt, ein Zeichen gegen ein ­drohendes Auseinanderdriften der Religionen setzen?
Das haben wir in jüngster Zeit schon getan, indem wir zum Beispiel vor Weihnachten in einer Zeitung erklärt haben, wie wir zu Hause feiern. Ich denke, wir sind eine ganz normale Familie und konnten zeigen, dass Religionen in Frieden unter einem Dach zusammenleben können. Gemeinsam haben wir schließlich fast doppelt so viele Feiertage. Katholisch-evangelische Ehen sind doch heute auch kein Problem mehr.
Denken Sie, dass der Anschlag von Paris das Verhältnis von Christen und Muslimen nachhaltig belasten wird?
Genau das wollen die Terroristen ja: einen Keil zwischen die Menschen treiben, uns gegeneinander aufbringen. Und vor allem bei Menschen, die gar keine Muslime wirklich kennen, wird das die Angst weiter anheizen. Aber wenn wir besonnen bleiben und gerade jetzt Begegnung und Dialog suchen, dann können Christen, Muslime, Juden, Anders- und Nichtglaubende dem Terrorismus gemeinsam die Stirn bieten.
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