Theaterstück in Stuttgart-Rot Auf Zeitreise mit Martin Luther

Von Petra Mostbacher-Dix 

In der Auferstehungskirche haben sich die Schauspieler Lukas Ullrich und Till Florian Beyerbach mit dem Stück „Play Luther“ auf die Spur des Reformators begeben. Seit 2014 touren die beiden mit dem Programm durch Kirchen, Schulen und die Hallen der Republik.

Seit 2014 touren Lukas Ullrich und Till Florian Beyerbach mit „Play Luther“ durch die Republik. Am Freitag gastierten sie in der Auferstehungskirche Rot. Foto: Mostbacher-Dix
Seit 2014 touren Lukas Ullrich und Till Florian Beyerbach mit „Play Luther“ durch die Republik. Am Freitag gastierten sie in der Auferstehungskirche Rot. Foto: Mostbacher-Dix

Rot - Wir sind Bettler, das ist wahr“, soll Martin Luther am 16. Februar 1546 geschrieben haben. Zwei Tage danach verstarb er in Eisleben. Worte, die von der Gleichheit aller Menschen zeugen. Und die am Ende von „Play Luther“ standen, einem musikalischen Theaterstück über Leben und Werk des Reformators. Seit 2014 touren damit die Schauspieler Lukas Ullrich und Till Florian Beyerbach alias „Eure Formation“ erfolgreich durch Kirchen, Schulen und Theater der Republik, zudem auf Englisch im Ausland.

Duo gastierte in der evangelischen Auferstehungskirche

Kurz vor dem 500. Reformationstag gastierte das Duo in der evangelischen Auferstehungskirche in Stuttgart-Rot und bot 90 Minuten brillante Denkanstöße zur Institution Kirche, zu Religion, Moral und Geschichte in Mittelalter, Renaissance und Gegenwart – umgesetzt mit Spielszenen, Versuchsanordnungen, Gesprächen und der Musik Luthers. Die Vorlage dazu lieferten der Autor Uwe Hoppe und der Komponist Andrew Zbik. Der verordnete Kirchenliedern wie „Eine feste Burg ist unser Gott“ oder „Vom Himmel hoch da komm ich her“ ein Klang-Update zwischen hartem Elektro-Pop und Volkslied, gewürzt mit klassischen und jazzigen Noten, von den Künstlern dem Beat mal stoisch, mal sinnlich, stets mitreißend auf Keyboard und Schlagzeug interpretiert.

Ist doch nach den Protagonisten von Luther – neben den Fragen zu Gott, Glauben, 95 Thesen, Bibelübersetzungen aus dem Griechischen und Aramäischen sowie zentralen Schriften wie „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ – die leidenschaftliche, zärtlich-bildliche Sprache geblieben. „Das deutsche Gedicht als solches, von Luther erfunden“, betonte Ullrich, bevor er sich mit Beyerbach allerlei Redewendungen und Wörter zurief, die auf den Reformator und seine Übersetzungen zurückgehen: „mit Feuereifer und Herzenslust“, „Alles Gute kommt von oben“ oder „Perlen vor die Säue werfen“.

Dabei war der Titel „Play Luther“ mehrfach Programm. Ob dessen Ringen um den Glauben, Ängste, das Gewitter bei Stotternheim, die Wandlung vom Mönch zum Reformator, der legendäre Reichstag von Worms oder seine Zeit als Junker Jörg auf der Wartburg, wo er sich auf Kurfürsten-Befehl versteckte: Ullrich und Beyerbach sprangen rasant in verschiedene Rollen, waren Luther, Kaiser, Ehefrau Katharina von Bora oder Revolutionär Thomas Müntzer. Sie gaben außerdem die Moderatoren, um die Zeichen der Zeit und deren Folgen für heute zu diskutieren.

Unter den Jacketts steckten die Leuchtstäbe

Raffiniert kamen Kostüm und Kulisse daher: Unter den Jacketts steckten Kapuzen mit Leuchtstäben, die in Kombination mit wechselndem Bühnenlicht fluoreszierende Effekte zauberten, auf der Bühne diente eine halbe Kugel aus hölzernen Dreiecken – Dreifaltigkeitssymbol –, mal als sakraler Raum, mal Metapher für die Christenheit, mal als sich ändernde Gesellschaft.

Dabei sparten die gebürtigen Filder-städter nicht die Widersprüche des Mannes aus, der 1483 als Luder geboren wurde, sich in Luther umbenannte, zeitweise als Eleutherios, also der Freie, unterwegs war. Denn er hatte nie im Sinn, die Kirche zu spalten. Er kritisierte wohl das Verhalten der Fürsten, gab den Bauern eine Rechtfertigung für ihren Aufstand, distanzierte sich aber von diesen. Er bezeichnete die Juden erst als Brüder, später lieferte er judenfeindliche Stereotype, die von den Nazis genutzt wurden. Er war gegen das Zölibat, forderte Bildung für Mädchen, schrieb indes, Frauen seien zum Gebären da. Gleichzeitig schätzte er den Rat seiner Gattin, ließ sie seine Manuskripte lesen, bevor er sie mit dem damaligen „Social Media“, dem Buchdruck, verbreitete. Was bleibt also nach 500 Jahren? Für Ullrich und Beyerbach war das Fazit klar: „Gelebte Ökumene, Nächstenliebe, wie Jesus es schon tat – keine Angst zu haben, das ist das Ziel!“

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