Themenwoche Krebs Was bringt die Krebs-Früherkennung?

Von Regine Warth 

Krebs aufzuspüren, solange er heilbar ist – das ist ein Traum der Medizin. Heutzutage gibt es sieben kassenfinanzierte Untersuchungen für die Krebsvorsorge. Welche Chancen und Risiken sie bergen, erklären Experten des Stuttgart Cancer Center (SCC) – Tumorzentrum Eva Mayr-Stihl.

Muttermale oder Leberflecke hat jeder Mensch. Doch  aus diesen  Pigmentmalen   kann sich ein bösartiger Hauttumor entwickeln. Mit 195 000 Neuerkrankungen in Deutschland gehört Hautkrebs zu den häufigsten Krebsarten Foto: Fotolia/©
Muttermale oder Leberflecke hat jeder Mensch. Doch aus diesen Pigmentmalen kann sich ein bösartiger Hauttumor entwickeln. Mit 195 000 Neuerkrankungen in Deutschland gehört Hautkrebs zu den häufigsten Krebsarten Foto: Fotolia/©

Brust

Was, wenn in der Brust ein Vorbote von Krebs lauert? Statistisch gesehen erkrankt jede zehnte Frau in Deutschland im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. In Zahlen sind das 60 000 Neuerkrankungen pro Jahr. „Meist trifft die Diagnose Frauen ab dem 50. Lebensjahr“, sagt Ulrich Karck, Ärztlicher Direktor der Frauenklinik am Klinikum Stuttgart. Doch schon 30-Jährige werden zur Vorsorgeuntersuchung aufgefordert: Je früher eine bösartige Wucherung entdeckt wird, umso besser sind auch die Heilungschancen. Das gilt besonders für Frauen, die aufgrund einer erblichen Belastung ein höheres Risiko haben, Brustkrebs zu entwickeln. Diese liegt bei einer von 500 bis 1000 Frauen vor.

Vorsorge

Tastuntersuchung der Brust: Frauen können ab dem 30. Lebensjahr ihre Brust von einem Frauenarzt abtasten lassen. Vorteil: Die Untersuchung ist schmerzfrei und befördert, dass Frauen die Brust selbst abtasten.Nachteil: Die Tastuntersuchung ist zu ungenau, Tumore bleiben unentdeckt. Fazit: Als alleinige Maßnahme ungeeignet, sagt Ulrich Karck.

Mammografie-Screening: Bei dieser Untersuchung – zu der Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre eingeladen werden – wird die Brust geröntgt. Bei unklarem Befund wird eine Gewebeprobe entnommen.Vorteil: Einige international Studien konnten belegen, dass die Sterblichkeit gesenkt werden kann: Die Karzinome werden früher entdeckt, die Heilungschancen sind dadurch besser. Die Strahlenbelastung ist dabei sehr gering.Nachteil: Vor allem bei Frauen mit hoher Brustdichte werden Tumore übersehen. Andererseits erweist sich die Gewebeprobe, die bei unklarem Befund entnommen wird, bei 50 bis 60 Prozent der Frauen als harmlos. Bei den Frauen, die aufgrund des Screenings eine Brustkrebs-Diagnose erhalten haben, wäre bei jeder achten der Krebs gar nicht bedeutsam geworden. Hinzu kommen die sogenannten In-situ-Karzinome, bestimmte Krebsvorstufen, aus denen sich zu zwei Dritteln Brustkrebs entwickelt. Da man dies nicht vorhersagen kann, müssen alle In-situ-Karzinome behandelt werden. Fazit: Empfehlenswert. „Frauen sollten aber genau das Für und Wider für sich abwägen“, sagt Ulrich Karck.

Ultraschall: Bislang ist die Brustuntersuchung per Ultraschall eine individuelle Gesundheitsleistung. Vorteil: Bei Frauen mit dichtem Brustgewebe werden teilweise Tumore gefunden, die man beim Tasten und bei der Mammografie nicht entdeckt hatte.Nachteil: Fehldiagnosen aufgrund falschen Umgangs mit dem Ultraschallgerät Fazit: Als zusätzliche Maßnahme zur Mammografie geeignet – „wenn der Frauenarzt über ein gutes Gerät und viel Erfahrung verfügt“, sagt Karck.

Vorsorge

HPV-Impfung: Zur Krebsvorbeugung, empfiehlt das Robert-Koch-Institut die Impfung aller Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren.Vorteil: Laut Studien kann die HPV-Impfung die Häufigkeit von Krebsvorstufen um bis zu 70 Prozent und Gebärmutterhalskrebs um 70 Prozent verringern. Nachteil: Bislang wirkt die Impfung nur gegen zwei Subtypen der Papillomviren – krebserregend sind aber mindestens zwölf. „In den USA wurde aber ein neuer Impfstoff zugelassen, der gegen sieben Subtypen wirkt – und auch gegen Genitalwarzen“, so der Ärztliche Direktor der Frauenklinik, Klinikum Stuttgart, Ulrich Karck. Fazit: Zu empfehlen. „Wenn die Impfung flächendeckend vorgenommen wird, braucht es künftig keine weiteren Tests mehr“, sagt Karck.

Zellabstrich (Pap-Test): Der Arzt entnimmt Zellmaterial von Muttermund und Gebärmutterhalskanal. Dieser Abstrich wird in einem Labor untersucht. Bei der Dünnschicht-Testung wird der Abstrich aufbereitet, um fehlerhafte Proben zu vermeiden. Das Vorgehen kostet aber extra. Vorteil: Bisher kam es zu wenigen Überdiagnosen. Nachteil: Beim herkömmlichen Pap-Test wird nur jeder zweite Krebs wird entdeckt. „Oft wird der Test nicht optimal durchgeführt“, sagt Karck. Mit einer Dünnschicht-Testung sollten diese Fehler vermieden werden, „aber das ist von der Erfahrung des Untersuchers abhängig.“ Fazit: „Ist der Frauenarzt erfahren, reicht ein normaler Pap-Test als Vorsorgemaßnahme aus“, sagt Karck.

HPV-Test: Der Test weist HP-Viren in Zellen des Gebärmutterhalses nach. Kam es zur Infektion, ist das Krebsrisiko erhöht. Der Test kostet extra.Vorteil: Bei einem negativen HPV-Test ist eine bösartige Vorstufe oder Krebs unwahrscheinlich. Nachteil: Überdiagnosen sind möglich. Mehr als 90 Prozent aller HPV-Infektionen führen nicht zum Gebärmutterhalskrebs. Fazit: Als Standardverfahren eher ungeeignet, warnt Ulrich Karck. „Der HPV-Test ist sinnvoll, wenn es um einen gezielten Einsatz geht.“

Gebärmutterhalskrebs