Landtagswahl 2016: Thomas Reusch-Frey (SPD) aus Bietigheim Der Satz „Das geht nicht anders“ gilt für ihn nicht

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Der Sozialdemokrat Thomas Reisch-Frey ist ein Atomkraftgegner der ersten Stunde. Den Fortgang der Energiewende beobachtet der einzige Pfarrer unter den Landtagsabgeordneten ganz genau.

Thomas Reusch-Frey beim  Zivildienst und heute Foto: privat, factum/Weise
Thomas Reusch-Frey beim Zivildienst und heuteFoto: privat, factum/Weise

Bietigheim-Bissingen - Das SPD-Parteibuch hat Thomas Reusch-Frey griffbereit im Schreibtisch liegen. „Gleich neben dem Impfbuch“, witzelt er. Und es trägt, das ist ihm wichtig, ein besonderes und bewusst gewähltes Datum. Seit dem 1. September 1989 ist er Mitglied bei den Sozialdemokraten. „Zum Antikriegstag bin ich eingetreten“, sagt er. 30 Jahre war er da alt und Pfarrvikar in Heubach im Ostalbkreis. Ein politischer Kopf war er zu diesem Zeitpunkt längst. Und weil er findet, dass ein Pfarrer kein politisches Neutrum sein müsse, sagte er nicht Nein, als ihn ein Kollege aus der sozialpolitischen Bildung ansprach, ob er nicht Parteimitglied werden wolle.

Die lange Geschichte der SPD und deren Thema Arbeit überzeugten ihn. Denn es gab durchaus eine Phase, da hätte auch viel für einen Eintritt bei den Grünen gesprochen. Seine erste Demonstration war eher ernüchternd, aber es ging um ein urgrünes Thema. Gegen das Atomkraftwerk (AKW) Neckarwestheim wollte Reusch-Frey 1978 auf der Heilbronner Theresienwiese demonstrieren. Es sei diese Demo gewesen, die ihn politisiert habe. Den Satz „Das geht nicht anders“ wollte er nicht länger gelten lassen. Bis zum Start der Energiewende brauchte es schließlich aber die Atomkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011. Es war das Jahr, in dem Reusch-Frey in den Landtag gewählt wurde und sein Pfarramt aufgeben musste.

Immer die AKW-Dampfwolke im Blick

Die Dampfwolke des Neckarwestheimer AKW behält er auch heute noch im Blick. Sie halte ihn sensibel für das Thema End­lager und den Fortgang der Energiewende. Den Satz „Das geht nicht anders“ hat er schon während seines Zivildienstes in einem landwirtschaftlichen Betrieb der Gustaf-Werner-Stiftung von seinem Meister gehört. Er hatte es bei der Arbeit dort mit einer Legehennenbatterie mit rund 3500 Tieren zu tun. Diese Form der Tierhaltung ging ihm gegen den Strich. Vielleicht ist das auch der Grund, dass er bis vor Kurzem der Sprecher für Tierschutzfragen der SPD-Fraktion war.

Damals konnte er nichts gegen die Verhältnisse ausrichten. Wenn er auf die letzten fünf Jahre im Landtag zurückschaut, ist manches aus seiner Sicht schon etwas anders. Die Realisierung der Benninger Ortsumfahrung schreibt er sich auf die Fahnen. Zur Änderung des Bestattungsgesetzes, das nun unter anderem auch Beisetzungen nach muslimischem Ritus vorsieht, habe er beigetragen – und von den Gegnern erlebt, was ein Shitstorm ist. Auf die Ausweisung des Nationalparks Schwarzwald ist er stolz. Die Rede für den arbeitsfreien Reformationstag 2017 hat der Pfarrer gehalten – und sich dafür als Prediger verspotten lassen müssen. Und weil er in seiner Schulzeit einer war, der immer in der letzten Reihe saß, steht er hinter der Einführung der Gemeinschaftsschule, „die einfach gut läuft“. Diese Schulform hätte ihm selbst gutgetan, sagt er. Zudem sei sie gut für Kommunen, in denen ein Schulstandort gehalten werden solle. Die Stärkung der Ortskerne und die Erhaltung einer intakten Infrastruktur mit Einkaufsmöglichkeiten sind ihm Anliegen.

Das Flüchtlingsthema raubt den Schlaf

Was ihn aber Tag und Nacht umtreibe, ist das Flüchtlingsthema. Das raube ihm den Schlaf, sagt Reusch-Frey. Als Pfarrer, so denke er manchmal, habe man in der Zusammenarbeit mit den vielen Ehrenamtlichen hierbei vielleicht eher Erfolgserlebnisse, als man sie als Politiker habe.

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