Tübinger Straße in Stuttgart Wenige Flaneure, aber viele Parksünder

Wolfgang Schulz-Braunschmidt, 19.12.2012 07:16 Uhr

Stuttgart - Die neue Mischverkehrsfläche, der sogenannte Shared Space, zwischen Sophienstraße und der Querspange in der Tübinger Straße macht seit der Eröffnung nicht als Flaniermeile, sondern vor allem als wilder Parkplatz von sich reden. Der für 1,2 Millionen Euro neu geschaffene Freiraum, in dem alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind und in dem Tempo 20 und ein Parkverbot gelten, wird von vielen Autofahrern als willkommener Abstellplatz missbraucht.

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Somit ist das hehre Ziel der Gleichberechtigung noch lange nicht erreicht. Seit dieser verkehrsberuhigte Abschnitt Anfang November offiziell eröffnet wurde, haben die städtischen Verkehrskontrolleure alle Hände voll zu tun. „Von Anfang November bis Mitte Dezember haben wird schon weit mehr als 800 Verwarnungen ausgestellt“, sagt Joachim Elser, Leiter der Bußgeldstelle im Ordnungsamt. „Das ist für diesen nur wenige hundert Meter langen Abschnitt eine sehr große Menge.“ Seit Wochen sind im Bereich zwischen Sophienstraße und Querspange bis zu neunmal am Tag Kontrolleure unterwegs. „Vor allem am späten Nachmittag sind die Freiflächen oft zugeparkt“, weiß Elser. Das Parkverbot sei notwendig, damit der neue Stadtraum für alle Nutzer überschaubar bleibe. „Nur gewerbliche Lieferanten dürfen kurz halten, etwa um Waren auszuladen.“ Elser glaubt nicht, dass die Autofahrer aus Unkenntnis falsch in diesem Bereich parken: „Nur vier Betroffene haben Einwände gegen ihren Strafzettel erhoben und erklärt, sie hätten die Schilder nicht erkannt.“ Die geringe Zahl von Beschwerden zeige auf, dass die meisten Parksünder vorsätzlich handelten.

Faltblätter zur Information

Auch der städtische Vollzugsdienst – früher Feldschutz genannt – hat sich inzwischen der vielen Parksünder angenommen. „Allein am vergangenen Samstag- und Sonntagabend wurden in diesem Bereich innerhalb weniger Stunden 76 Falschparkern Strafzettel hinter die Windschutzscheiben geklemmt“, erklärt Hermann Karpf, der Referent von Ordnungsbürgermeister Martin Schairer. Die oft von auswärts kommenden Parksünder seien im Gespräch und mit Faltblättern über das innerhalb der neuen Mischverkehrsfläche geltende Parkverbot aufgeklärt worden.

Diese Informationen finden allerdings nicht immer Verständnis. „Unsere Leute mussten sich viele nicht druckreife Unverschämtheiten anhören“, erklärt Karpf. Seit alle Bauarbeiten an der Tübinger Straße beendet seien, habe sich die Situation aber leicht gebessert. „Aber die Verhältnisse sind noch lange nicht gut.“ Dabei gebe es in  der Umgebung genügend Stellplätze in Tiefgaragen und Parkhäusern.