Tübinger Straße in Stuttgart Wenige Flaneure, aber viele Parksünder

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Statt als Freiraum ohne Schilderwald präsentiert sich die Tübinger Straße als illegaler Stellplatz. Trotz des auf der gesamten Mischverkehrsfläche geltenden Parkverbots hat die Stadt in wenigen Wochen fast 1000 Knöllchen ausgestellt.

Innerhalb weniger Wochen   haben die städtischen Kontrolleure in der Tübinger Straße fast  1000 Strafzettel ausgestellt. Foto: Achim Zweygarth 56 Bilder
Innerhalb weniger Wochen haben die städtischen Kontrolleure in der Tübinger Straße fast 1000 Strafzettel ausgestellt.Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Die neue Mischverkehrsfläche, der sogenannte Shared Space, zwischen Sophienstraße und der Querspange in der Tübinger Straße macht seit der Eröffnung nicht als Flaniermeile, sondern vor allem als wilder Parkplatz von sich reden. Der für 1,2 Millionen Euro neu geschaffene Freiraum, in dem alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind und in dem Tempo 20 und ein Parkverbot gelten, wird von vielen Autofahrern als willkommener Abstellplatz missbraucht.

Haben Sie eine Idee, durch welchen Begriff man „Shared Space“ ersetzen könnte? Wir sammeln Ihre Vorschläge in den Kommentaren.

Somit ist das hehre Ziel der Gleichberechtigung noch lange nicht erreicht. Seit dieser verkehrsberuhigte Abschnitt Anfang November offiziell eröffnet wurde, haben die städtischen Verkehrskontrolleure alle Hände voll zu tun. „Von Anfang November bis Mitte Dezember haben wird schon weit mehr als 800 Verwarnungen ausgestellt“, sagt Joachim Elser, Leiter der Bußgeldstelle im Ordnungsamt. „Das ist für diesen nur wenige hundert Meter langen Abschnitt eine sehr große Menge.“ Seit Wochen sind im Bereich zwischen Sophienstraße und Querspange bis zu neunmal am Tag Kontrolleure unterwegs. „Vor allem am späten Nachmittag sind die Freiflächen oft zugeparkt“, weiß Elser. Das Parkverbot sei notwendig, damit der neue Stadtraum für alle Nutzer überschaubar bleibe. „Nur gewerbliche Lieferanten dürfen kurz halten, etwa um Waren auszuladen.“ Elser glaubt nicht, dass die Autofahrer aus Unkenntnis falsch in diesem Bereich parken: „Nur vier Betroffene haben Einwände gegen ihren Strafzettel erhoben und erklärt, sie hätten die Schilder nicht erkannt.“ Die geringe Zahl von Beschwerden zeige auf, dass die meisten Parksünder vorsätzlich handelten.

Faltblätter zur Information

Auch der städtische Vollzugsdienst – früher Feldschutz genannt – hat sich inzwischen der vielen Parksünder angenommen. „Allein am vergangenen Samstag- und Sonntagabend wurden in diesem Bereich innerhalb weniger Stunden 76 Falschparkern Strafzettel hinter die Windschutzscheiben geklemmt“, erklärt Hermann Karpf, der Referent von Ordnungsbürgermeister Martin Schairer. Die oft von auswärts kommenden Parksünder seien im Gespräch und mit Faltblättern über das innerhalb der neuen Mischverkehrsfläche geltende Parkverbot aufgeklärt worden.

Diese Informationen finden allerdings nicht immer Verständnis. „Unsere Leute mussten sich viele nicht druckreife Unverschämtheiten anhören“, erklärt Karpf. Seit alle Bauarbeiten an der Tübinger Straße beendet seien, habe sich die Situation aber leicht gebessert. „Aber die Verhältnisse sind noch lange nicht gut.“ Dabei gebe es in  der Umgebung genügend Stellplätze in Tiefgaragen und Parkhäusern.

  Artikel teilen
15 KommentareKommentar schreiben

Shared Space: Eigentlich ist ja alles beim alten geblieben, eine Fahrbahn für Autos und Radler, daneben freie Fläche, die natürlich zum Parken einlädt, entlang der Häuser Fußweg, nur der Bordstein fehlt. Echter 'Shared Space' müsste anders aussehen, nämlich eine! gleichaussende Fläche für alle! Deswegen meiner Meinung nach kein neuer Name nötig.

Kampfautofahrer...: ... sind es, entsprechend der Logik unseres derzeitigen Bundesverkehrsministiers Ramsauer, die hier agieren. Und sich dafür die haarsträubendsten Ausreden gegenseitig zuwerfen! Gruss

Ja man ahnte es ja nicht!: Furchtbar! Die arme Stadt Stuttgart! Was machen die jetzt nur mit dem vielen Geld? Und zur Sammlung von Vorschlägen: Shared Space klingt ungefähr genauso dämlich wie ein Fahrgeschäft auf dem Jahrmarkt. In ihrem Bestreben modern und angepasst zu erscheinen, verzetteln sich die Rathauszwerge gnadenlos im Dschungel der Sprache... Konkret nennt man es dann so was es auch darstellen soll: eine MISCHFLÄCHE, denn eine Feuerwehrstellfläche wird ja auch nicht RESCUEAREA genannt.

inkonsequent: es müssten noch viel mehr strafzettel sein, vor allem abends ist ständig alles zugeparkt. und wenn das nicht hilft: abschleppen, konsequent.

Ohne Auto gibt es kein Innenstadleben: wann endlich begreifen, das die städtischen Behörden? Wer das Auto aus Stuttgart systematisch verbannen will, tötet die Innenstadt. Übrigens, 70% aller Konsumenten in Stuttgart, leben direkt oder indirekt vom Produkt Auto - wie krank muß man sein, um dies nicht in seiner ganzen Tragweite zu erkennen?

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.