Umbau im Unternehmen Siemens gliedert Medizintechnik aus

Von Thomas Magenheim 

Siemens gliedert die Medizintechnik aus - eine Ertragsperle. Die Branche steht vor einem fundamentalen Wandel. Und diesmal wollen die Münchner nicht zu spät kommen.

Bislang hat Siemens Geräte – wie hier auf dem Bild eine Röntgenröhre – montiert und gewartet. Nun will das Unternehmen  zudem zum Berater von Kliniken werden. Foto: Siemens
Bislang hat Siemens Geräte – wie hier auf dem Bild eine Röntgenröhre – montiert und gewartet. Nun will das Unternehmen zudem zum Berater von Kliniken werden.Foto: Siemens

München - Wenn Siemens Geschäfte ausgliedert, ist das für das Personal oft nicht gut gegangen. Bei der jetzigen Abspaltung der Medizintechnik sollte sich ein Schicksal wie bei BenQ (Handy-Geschäft), NSN (Telefonnetzwerke) oder Osram (Licht) besser nicht wiederholen. Der Bereich ist mit zwölf Milliarden Euro Umsatz und 44 000 Beschäftigten, davon 13 000 Mitarbeitern hierzulande, ein großer Brocken. Viel steht auf dem Spiel, was Konzernchef Joe Kaeser bewusst ist. Er hat das Debakel mit der Telekommunikation hautnah miterlebt, die einmal das Herz von Siemens war und heute unter anderen Eignern nur noch in kümmerlichen Resten weiterexistiert.

Nun steht Med, wie der Teilkonzern intern heißt, vor großen Umwälzungen. „Es darf uns nie wieder passieren, dass wir einen Paradigmenwechsel dieser Tragweite so falsch einschätzen“, sagt Kaeser. Der Wandel bei Med kommt aus drei Richtungen. Geschäftsmodelle ändern sich, revolutionäre Technologie stehen am Horizont und neue Wettbewerber machen sich breit. Die Grundzüge einer darauf zugeschnittenen Strategie hat Bernd Montag soeben umrissen und drei Wachstumsfelder identifiziert. Für den neuen Chef der im Mai gegründeten und ab Oktober selbstständigen Healthcare GmbH sind das molekulare Diagnostik, Therapie und neue Dienstleistungen. Nimmt man alle drei Stoßrichtungen, verändert Med damit sein Geschäftsmodell des Gerätelieferanten.

Man will rasch an die Börse und Gelder einsammeln

Stichwort Molekulardiagnostik: Die revolutionäre Technologie hat das Ziel, eine Klinik und die ganze Medizin vom Reparatur- zu einem Wartungs- und Vorsorgebetrieb zu machen. Blicke in das Erbgut sollen künftig vorwarnen, wenn ein gesunder Mensch eine Krankheit zu entwickeln droht. Gelingt das bei Geißeln wie Alzheimer, wären Vorteile für Betroffene und Kostenersparnis enorm. „Es geht immer weniger um die Behandlung kranker Patienten, sondern um Vermeidung von Krankheiten bei Risikogruppen sowie rasche Rehabilitation“, betont Montag.

Siemens forscht intensiv zum Beispiel an Erkennung von Lungenkrebs per Analyse von Atemluft. Aktiv sind aber auch viele Start-ups. Wer das Rennen macht und zum Beispiel herausfindet, welche genetische Veranlagung Herzinfarkte begünstigt, ist offen. Eventuell muss Med einmal teuer zukaufen, um sich Technologie zu sichern. Die Sparte wird auch ausgegliedert, um notfalls rasch an die Börse gehen und Geld einsammeln zu können.

Stichwort Kostendruck: Weil vor Hightech-Medizin strotzenden Gesundheitssystemen das Geld ausgeht und viele Klinken vor der Pleite stehen, schließen sie sich zu Ketten zusammen, um billiger zu wirtschaften. Das klinisch Notwendige muss künftig reichen, weil das technisch Mögliche unbezahlbar wird. Am größten ist der Druck in den USA, wo der Gesundheitssektor 17 Prozent des Bruttosozialprodukts verschlingt. Elf Prozent sind es in Deutschland. Zugleich wollen aufstrebende Nationen wie China ihre Gesundheitsleistungen verbessern, können sich das mit heutiger Medizintechnik aber nicht leisten.

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