Umbau Villa Reitzenstein Die Villa Reitzenstein wird saniert

Von Ralf Recklies 

Der Ministerpräsident muss ausziehen, Bauarbeiter übernehmen im Regierungssitz das Zepter: In den nächsten zwei Jahren soll der Amtssitz von Winfried Kretschmann energetisch saniert und technisch aufpoliert werden.

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Stuttgart - Ab Mitte des kommenden Jahres regiert nicht mehr der Ministerpräsident Winfried Kretschmann in der Villa Reitzenstein. Dann haben die Bauarbeiter in dem 1913 erstmals bezogenen Gebäude das Sagen. Innerhalb von zwei Jahren soll der Amtssitz des Landesvaters energetisch saniert und technisch auf den neusten Stand gebracht werden.

Ministerpräsident Kretschmann wird in dieser Zeit im nahe gelegenen Clay-Haus residieren und von dort aus, gemeinsam mit einem Teil seines Stabes, den Amtsgeschäften nachgehen. Die Mitarbeiter werden derweil im ehemaligen Diakoniegebäude in der Stafflenbergstraße untergebracht.

27,8 Millionen Euro soll die Sanierung der Villa Reitzenstein und der auf dem Grundstück vom Staatsministerium genutzten weiteren zehn Bestandsgebäude kosten – inklusive eines Neubaus, der den in den 70er Jahren errichteten Erweiterungsbau ersetzen wird. Dieser ist mit Asbest belastet und wird abgerissen. Für den Abriss den Bau des neuen Gebäudes sind Kosten in Höhe von 12 Millionen Euro veranschlagt. „Stand 4. Dezember 2012“, so Ilse Lange-Tiedje vom Staatsministerium. Am Dienstag bei der Vorstellung des Gesamtprojektes mochte sie sich noch nicht festlegen, ob es gelingt, diesen Kostenrahmen auch einzuhalten. Bis zum Frühjahr würden die Kosten konkretisiert.

Die Villa soll technisch aufpoliert werden

„Ziel der Maßnahme ist es, die Gebäude, und dabei insbesondere die Villa Reitzen­stein, auf den neusten Stand der Technik zu bringen und dabei den historischen Charakter zu erhalten“, sagte der Staatssekretär Klaus-Peter Murawski. Ein besonderes Augenmerk werde dabei auf die energetische Sanierung gelegt. Am Ende des Sanierungsprojektes, davon sind die Planer überzeugt, wird das Ensemble zwischen Sandberger-, Gröber- und Schönlein- sowie Richard-Wagner-Straße so optimal saniert sein, „dass wir am Ende mehr Energie erzeugen als wir verbrauchen“, sagte Murawski. Dafür werden im Untergeschoss des Neubaus, der auf der sogenannten Neubauwiese entstehe, zwei Blockheizkraftwerke installiert. Zudem sollen Photovoltaikanalgen in Teilen auf den Gebäuden zum Einsatz kommen.

Der Neubau wurde vom Berliner Büro Sting Architekten entworfen. Dieses hatte nach einer internationalen Ausschreibung, an der sich 28 Büros beteiligt hatten, die überzeugendste Planung beim nachgelagerten Wettbewerb unter fünf ausgesuchten Büros abgeliefert. Dabei wurde sowohl die Vorgabe erfüllt, die Villa Reitzenstein künftig freizustellen, als auch die Vorgabe, helle Räume im Neubau zu schaffen. Dass dies gelungen sei, obwohl das Gebäude laut dem Planer Martin Sting „zu zwei Dritteln unterhalb der Erde verschwindet“, sei der Topographie zu verdanken.

Ein Umzug in die Innenstadt ist aus Kostengründen gescheitert

Das Gebäudedach, das sich teilweise auf dem Niveau des ehemaligen Lustgartens befindet, soll zu einem Rhododendrongarten werden. Im Neubau sollen Büros und Funktionsräume, aber auch das neue Besucherzentrum ihren Platz finden. Über den Neubau werden künftig die wichtigsten Gebäude über Gänge miteinander verbunden.

Mit der Modernisierung der Villa Reitzenstein, die laut Murawski in den 70er-Jahren wenig liebevoll auf den damals technische Stand gebracht worden ist, soll auch dem historischen Bestand Rechnung getragen „und der modernisierende Faustschlag der 70er-Jahre wieder ausgeglichen werden“. Ein Umzug des Ministerpräsidenten in die Innenstadt sei nicht zuletzt aus Sicherheits- und Kostengründen gescheitert. Die Bauarbeiten sollen bis zum Sommer 2015 abgeschlossen sein.

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3 KommentareKommentar schreiben

Fürstlich: Ist doch klar, der Herr Kretschmann will fürstlich residieren. Da spielt Geld keine Rolle. Sparen sollen die anderen. Grüne mögen es eben prächtig und hochherrschaftlich wie Kaisers. Dafür spricht auch ihr Regierungsstil. Es lebe die Obrigkeit !

Dafür habe ich nicht wirklich Verständnis: Stiftung Geisstraße und die Waldschule - zwei Beiträge, die hier heute veröffentlicht werden. Organisationen, die sich auf dem Bettelkurs befinden. Nun dieser Artikel. Was wäre, wenn diese mal für fünf Jahre mit den Plänen Ruhe finden würde und vertagt wird? Ich dachte, laut der Merklischen Politk und der Schäuble Arie 'von reichen Deutschland und den sprudelnden Steuerquellen', es ginge uns super? Ja was jetzt? Soll doch Berlin am Wochenende nach Stuttgart kommen und Hand anlegen!

Sanierung: das ist natürlich dringlich, da kann man die Schulen, Strassen, Anlagen, sonstige öffentl. Gebäude weiter verrotten lassen

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