Umwelt Feinstaubalarm hat Bürger sensibilisiert

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

In der Region Stuttgart waren 92 Prozent der Bürger über den Stuttgarter Feinstaubalarm im Januar informiert. In Stuttgart lag der Anteil mit 94 Prozent etwas höher als in den umliegenden Landkreisen (91 Prozent).

Auch am Arnulf-Klett-Platz werden die Feinstaubwerte gemessen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Auch am Arnulf-Klett-Platz werden die Feinstaubwerte gemessen.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Die vom Feinstaub ausgehende Gesundheitsgefahr ist den Bürgern in der Region bekannt. Rund 70 Prozent sind davon überzeugt, dass das Thema Luftreinhaltung und Gesundheit für die Bevölkerung in der Landeshauptstadt eine hohe Bedeutung hat. In der Region waren auch 92 Prozent der Bürger über den Feinstaubalarm informiert. Unter den Stuttgartern lag der Anteil mit 94 Prozent etwas höher als in den umliegenden Landkreisen (91 Prozent). Jüngere Befragte offenbarten mit 84 Prozent ein etwas höheres Wissensdefizit. Diese Daten gehen aus einer repräsentativen Umfrage des Verkehrministeriums hervor, die der StZ vorliegt.

Während des 18. bis 22. Januar andauernden Feinstaubalarms waren 483 volljährige Bürger aus Stuttgart und 525 aus den umliegenden Landkreisen telefonisch befragt worden. Dabei ging es vor allem um die Frage, ob der Appell, das Auto freiwillig stehen zu lassen, bekannt war und ob dieser durch Verhaltensänderungen befolgt wurde. Während der Alarmwoche im Januar wurde das Feinstaublimit von 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft – wie berichtet – dennoch weit übertroffen (dazu der Infokasten unten).

Klassische Medien als wichtigste Informationsquelle

„Es besteht weiterhin Handlungsbedarf“, betont denn auch Verkehrsminister Winfried Hermann. Der Feinstaubalarm sei vielen Bürgern bekannt gewesen, es hätten aber noch zu wenige mitgemacht. Es müssten nicht einige Tausend, sondern mehrere Zehntausend ihr Verhalten ändern. „Unser Hauptziel, das Feinstaubproblem zu verdeutlichen, haben wir aber erreicht“, erklärt der Minister.

Als weitaus wichtigste Informationsquelle für die Bürger weist die Umfrage die klassischen Medien aus. An erster Stelle rangieren Radio und Fernsehen (77 Prozent), an zweiter Stelle die Tageszeitungen (44 Prozent). Mit einem Informationspotenzial von lediglich fünf Prozent rangieren die Social-Media-Kanäle im Internet noch hinter den Hinweistafeln an den Hauptverkehrstraßen, die einen Informationsanteil von neun Punkten erreichten. „Das gute Ergebnis der traditionellen Medien hat mich sehr positiv überrascht“, bekannte Winfried Hermann.

Von den gut 1000 Befragten wollen rund 27 Prozent ihr Mobilitätsverhalten aufgrund des Appells freiwillig umweltgerecht geändert haben. Unter den Stuttgartern betrug der Anteil 40, im Umland lag er bei 23 Prozent. Ein Drittel der täglichen Autopendler und zwei Drittel der an drei bis vier Tagen in der Woche fahrenden Befragten gaben an, weniger Auto gefahren zu sein.

Land will Zuschuss für Feinstaubtickets geben

Im Verkehrsministerium sieht man in diesen Zahlen allerdings eine gewisse Diskrepanz. „Der Autoverkehr ist während des Feinstaubalarms nur um fünf Prozent zurückgegangen“, erklärt Hermann. Allerdings habe man dabei vor allem die Hauptverkehrstraßen im Fokus gehabt. Innerhalb der Stadt könnten durchaus auch weniger Einkäufe als früher mit dem Privatauto erledigt worden sein.

Auch in der Erläuterung der Umfrageergebnisse wird auf mögliche Widersprüche hingewiesen: Bei den von den Interviewten angegebenen Werten „ist zu betonen, dass es sich um Selbsteinschätzungen der Befragten handelt, die durch ein sozial erwünschtes Antwortverhalten positiv verzerrt sein könnten“, heißt es dort. Als Grund fürs Weiterfahren mit dem Auto hätten recht viele auch den unzureichenden oder zu teuren Nahverkehr genannt, so der Minister. „Das Land ist bereit, einen Anteil an den Kosten eines Feinstaubtickets zu tragen“, betont Hermann. An dessen Finanzierung müssten sich aber auch die Landeshauptstadt und das Umland beteiligen.