Vatikan: Hans-Peter Fischer, Rektor im Campo Santo Der Hirte

Von  

Der Freiburger Hans-Peter Fischer ist der Rektor des Campo Santo, einer deutschen Insel mitten im Vatikan. Die Geschichte des katholischen Priesterkollegs reicht zurück bis ins 8. Jahrhundert.

Fischer im Aufenthaltsraum mit Blick auf den Petersdom. Vor fünf Jahren wurde  der Freiburger Priester  nach Rom gerufen. Foto: Andreas Reiner
Fischer im Aufenthaltsraum mit Blick auf den Petersdom. Vor fünf Jahren wurde der Freiburger Priester nach Rom gerufen.Foto: Andreas Reiner

Rom - Man muss sich einfach vorstellen, dass es nicht die Klimaanlage der riesigen Audienzhalle ist, die da draußen so unaufhörlich rauscht, sondern die Südsee vor Panama. Dann findet man in den Schlaf. Nach Sonnenaufgang gellt das Geschrei von Möwen über den Vatikan, und man glaubt bald wirklich, in der Kajüte eines Hochseeschoners zu liegen. Die Vögel kommen vom Tiber herauf, umkreisen den Petersplatz und setzen sich auf die Schultern der Heiligenstatuen wie Papageien von Piratenkäpt’ns.

Die Schweizer Garde postiert sich. Die Glocke des Petersdoms läutet heißer, seine Kuppel hüllt er noch in Morgennebel. Hinter den Fensterläden des Palazzo del Sant Uffizio gehen die ersten Lichter an. Hier sitzt das älteste und mächtigste vatikanische Ministerium: die Glaubenskongregation – auch „La Suprema“, die Höchste, genannt. Früher hieß sie Heiliges Offizium, noch früher Römische Inquisition.

Auf der Via della Conciliazione vor den Toren bauen die Händler ihre Stände für die Touristenströme auf. Auch im Vatikan beginnt allmählich das Gewusel: Kirchenmänner in ihren taillierten Soutanen, Anzugträger, Gendarmen. Ein Vatikantankwart lässt steuerfreies Benzin in eine Diplo­matenkarosse. Restauratoren, Köche, Drucker, Vatikanbanker, Gärtner, Bauarbeiter passieren die Pforten zum kleinsten und geheimnisvollsten Staat der Welt.

Eine deutsche Insel

Mittendrin eine deutsche Insel. Auf den Fluren des Priesterkollegs Campo Santo Teutonico ist noch alles still. In der Küche machen slowakische Nonnen das Frühstück. Der Weg zur Frühmesse führt über den hauseigenen Friedhof. Umschlossen von tonfarbenen Mauern grünt und sprießt es wie im botanischen Garten: Palmen, Zypressen, Feigen. „Wir stehen hier auf einem Teil des Heiligen Feldes“, sagt Hans-Peter Fischer, der Hausherr.

An dieser Stelle war einst der Circus des Nero. „Sie müssen sich ein Holzgerüst um eine 200 Meter lange und 30 Meter breite Arena vorstellen.“ Im Jahr 67 ließ der Kaiser hier den Apostel Petrus kopfüber kreuzigen. Hier nähte man die ersten Christen in Tierfelle und ließ sie zur Unterhaltung der Massen von wilden Hunden und Raubkatzen zerfleischen. Oder sie wurden – als Nachtevent – mit Pech eingeschmiert, angezündet, dann als rennende Fackeln bejubelt. Ein geheiligtes Schlachtfeld.

Fischer feiert im Kreis von zwölf Hausbewohnern den Morgengottesdienst. Auf Deutsch. Wenn in der kleinen Renaissancekirche die Orgel erklingt, dazu Männerstimmen „Bis in den Himmel reicht deine Liebe“ singen, hat das etwas Berührendes.