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Verkehrsproblem Starenkästen bleiben bei Stadträten umstritten

Otto-H. Häusser, 09.10.2012 08:00 Uhr

Plattenhardt - Liegt es am schlechten Wetter oder hat die solarbetriebene Anlage ihren Geist inzwischen ganz aufgegeben? Auf der Messtafel, die an der Waldenbucher Straße in Plattenhardt an einem Masten hängt, ist jedenfalls gar nichts mehr zu sehen. Und vorher sorgte sie für reichlich Verwirrung: Obwohl am Ortseingang 50 Kilometer pro Stunde erlaubt sind, durfte nur derjenige auf ein strahlendes Digitalgesicht hoffen, der mit weniger als Tempo 30 unterwegs war.

„Offenbar ist dort eine neue 30er-Zone eingerichtet worden“, spottet deshalb der FW-Fraktionschef Rolf Kurfess, der das wirre Wirken der Tafel aus eigener Anschauung kennt. Kurfess hält von solchen Tafeln und auch von stationären Blitzgeräten sowieso nicht viel. weil ihr Standort den Verkehrsteilnehmern bald bekannt ist und sie die Autos nur punktuell bremsen.

Noch keine Mehrheit

Deshalb will er auch keine neuen Starenkästen. Ob es seine Fraktionskollegen genauso sehen, weiß er noch nicht. So bleibt zumindest vorläufig offen, ob sich eine Mehrheit im Technischen Ausschuss für weitere stationäre Blitzer ausspricht. Am 5. November werden sich die Stadträte auf Antrag der SPD mit der Frage beschäftigen, ob neue Starenkästen an der Waldenbucher und an der Degerlocher Straße (Harthausen) aufgestellt werden.

Bisher sprechen sich nur die Sozialdemokraten und Grüne/FFL für solche neuen Blitzer aus. Sie stellen jedoch nur fünf von zwölf Stadträten im Ausschuss. Hinzu kommt, dass Grüne/FFL eigentlich nur in der Waldenbucher Straße die Notwendigkeit für ein stationäres Messgerät sehen. An der Degerlocher Straße sollte man zunächst die geplanten Umbauten abwarten, sagt Fraktionschef Matthias Gastel. Dort ist eine Verkehrsinsel als Bremse für den Verkehr am Ortseingang geplant.

An der Waldenbucher Straße seien noch mehr Fußgänger unterwegs. „Bei schönem Wetter gehen dort am Wochenende viele Leute, darunter viele Kinder, zum Uhlbergturm“, sagt er. Deshalb müsse der Verkehr dort deutlich gebremst werden. Er könne sich jedoch auch vorstellen, dass dies mithilfe einer Verschwenkung der Fahrbahn geschieht.

Jene hatte Johannes Jauch (FDP) ins Spiel gebracht. Gastel will nun wissen, wo diese Verschwenkung hin soll. Dort, wo es zum Uhlbergturm geht, sei die Fahrbahn zu schmal. Jauch lässt noch untersuchen, wo der geeignetste Standort wäre. Die Verwaltung soll sich dazu Gedanken machen und dann auch erklären, was das Ganze kosten würde. Jauch hofft, dass dies bis zum 5. November gelingt. Andernfalls werde er einen Antrag auf Vertagung der Blitzer-Entscheidung stellen. „Da bin ich eigen“, sagt er.

Ordnungsamt setzt auf mobile Blitzer

Wie Kurfess und Jauch spricht sich auch CDU-Fraktionschef Christoph Traub gegen die Starenkästen aus. Die Häufigkeit der festgestellten Verstöße erfordere keinen Bau von stationären Blitzern, sagt er und kann sich mit dieser Meinung auch auf die Einschätzung des Ordnungsamts stützen. Dieses setzt bisher immer auf den Einsatz mobiler Blitzer. Deshalb drängte es auch auf den Kauf eines neuen Radargerätes (Preis 163 000 Euro), das seit einigen Wochen im Einsatz ist.

Stadtrat Kurfess würde sich wünschen, dass die beiden mobilen Blitzer, die dem Ordnungsamt jetzt zur Verfügung stehen, öfter eingesetzt werden. „Am besten wäre ein Zwei-Schicht-Betrieb von 4 bis 22 Uhr“, sagt er. Dagegen setzt SPD-Fraktionschef Walter Bauer auf Starenkästen. Derjenige an der Waldenbucher Straße habe Vorrang sagt er und setzt auf eine Mehrheit bei der Abstimmung im Ausschuss. Die Investition von rund 30 000 Euro lohne sich auf jeden Fall. „Ein Starenkasten refinanziert sich selbst“, sagt er.