Verkehrsprobleme im Ludwigsburger Stadtteil Eglosheim H4B4: Stadt bringt Initiativen gegen sich auf

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Die Stadt hatte für Mittwoch zu einer Podiumsdiskussion über eine geplante Südwestumfahrung von Eglosheim eingeladen. Nun muss sie zurückrudern: Die Betroffenen erteilten der Stadt eine Absage – aus Protest gegen OB Spec als Moderator.

Ludwigsburg - Die Gegner der Südwestumfahrung von Eglosheim sind ohnehin nicht gut auf die Ludwigsburger Stadtverwaltung zu sprechen. Nun fühlen sie sich einmal mehr vor den Kopf gestoßen. Denn statt der versprochenen, klassischen Bürgerbeteiligung wollte die Stadt am Mittwoch eine Podiumsdiskussion veranstalten. Pikant für die Trassengegner: Der als H4B4-Befürworter bekannte Oberbürgermeister Werner Spec sollte die Debatte moderieren. Zudem wurden nur Vertreter von zwei der neun Gegeninitiativen aufs Podium eingeladen – diese sagten aus Ärger über die Ungleichbehandlung ab.

Kurt Walter, den Sprecher der Bürgerinitiative H4B4, stören gleich mehrere Dinge. Die Stadt hatte ihn – ebenso wie Sieglinde Schrader-Ehmer vom Bürgerverein Eglosheim – gefragt, ob er auf dem Podium mitdiskutieren wolle. „Ich verstehe nicht, warum nicht alle aus dem Bündnis gefragt wurden, sondern nur wir“, sagt er. Das Hauptmanko aber sei, dass der OB Spec selbst die Diskussion moderieren sollte: „Das geht gar nicht, das muss doch eine neutrale Person sein“, findet Walter. Im Übrigen habe ihn die Kurzfristigkeit der Einladung geärgert: Mitte vergangener Woche sei die Anfrage gekommen – für Walter zu spät, um sich gut auf eine Podiumsdiskussion vorzubereiten.

Protestbündnis fühlt sich übergangen

Denn das Thema ist komplex. H4B4 steht für den Plan, die B 27 an den Rand von Eglosheim zu verlegen. Die Kritiker fürchten eine massive Lärmbelastung und befürworten stattdessen den Bau eines Tunnels an anderer Stelle. Auch Christine Knoß ist sauer. Sie ist die Sprecherin des Bündnisses „Gemeinsam gegen H4B4“ und die Vorsitzende des Vereins Naturpark West, der auch Mitglied in dem Bündnis ist. „Aber ich wurde überhaupt nicht angesprochen“, sagt Knoß, die auch für die Grünen im Gemeinderat sitzt. Dabei hätte sie als zentrale Ansprechpartnerin für alle Protestinitiativen fungieren können, man hätte sich schließlich auch intern auf ein, zwei Vertreter einigen können, die aufs Podium steigen, sagt sie. So aber seien einfach zwei Organisationen herausgegriffen worden – und die Weststadt sei wieder einmal gar nicht vertreten. „Dabei fühlen wir uns massiv betroffen“, betont Knoß. Unabhängig davon halte sie eine Podiumsdiskussion nicht für die richtige Form für dieses Thema. Viel spannender als der Austausch altbekannter Argumente sei doch die Frage, ob es neue Erkenntnisse gebe.

Bei der Stadt zeigt man sich überrascht über die Reaktion. Spec will sich offenbar nicht selbst äußern, stattdessen meldet sich der Baubürgermeister Michael Ilk. Man habe die Veranstaltung mit einer Podiumsdiskussion nur etwas lebendiger gestalten wollen, sagt er. Man habe einen „richtigen Schlagabtausch“ von Befürwortern und Gegnern auf dem Podium erwartet. „Aber wenn das nicht gewünscht ist, ist das für uns auch in Ordnung.“ Und man habe nicht mit böser Absicht nur Vertreter von zwei Initiativen angesprochen, sondern das Podium nicht überladen wollen.

Stadt plant nun klassische Bürgerbeteiligung

Nun soll am Mittwoch doch eine klassische Bürgerbeteiligung stattfinden. Zu Beginn werden die verschiedenen Varianten zur Verkehrsentlastung vorgestellt. Dann soll es die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen. Neue Zahlen für die Konzepte, die aus dem Jahr 2008 stammen, gebe es aber nicht, sagt Ilk. Die Neukalkulation wäre zu teuer gewesen – vor allem angesichts der Tatsache, dass noch völlig unklar sei, ob überhaupt einer der Pläne umgesetzt wird.