Digital Desk: Jan Georg Plavec (jgp)

Nachwuchsförderung machen die Libelle-Künstler nun eben alleine – für sich selbst. Es ist auch eine Art Selbstermächtigung, die sie mit ihrem Quasi-Label vollziehen. Ein Modell für die Zukunft? Zumindest eines, das musikalisch funktioniert – vor allem, weil Libelle dank Internet viel leichter an seine Zielgruppen herankommt. Die große Bühne, den Mainstream, das Formatradio suchen sie nicht. Er ist mit dem Libelle-Konzept vielleicht auch gar nicht erreichbar. Doch in den Clubs, auf den entsprechenden Seiten im Netz und fürs Live-Geschäft findet Libelle auch ohne Organigramm, ohne Professionalisierung seinen Weg.

 

Bis jetzt, geben die Libellen zu, decken die Einkünfte nur die Unkosten; leben könnten sie von ihrer Musik nicht und die Gemeinschaft finanziert auch nicht die Herstellung der CDs. Die beteiligten Bands und Künstler machen aber auch nicht Musik zum Geldverdienen. Das tun sie mit anderen Aktivitäten. Doch was sie für ihre regulären Berufe können, bringen die Libelle-Beteiligten eben auch in die Gemeinschaft ein.

Ist das die Zukunft des Pop?

Auf eine gewisse Weise sind die Libellen also echt schwäbische Kreativrebellen: sie suchen die Freiheit für ihre Kunst, haben aber gleichzeitig solide Schwarzbrotjobs. Sie spielen im Geschäft mit, ohne sich dessen Regeln gänzlich fügen zu müssen. Sie nutzen die Möglichkeiten, die das Internet bietet und verkörpern zudem den Typus Künstler, der von seiner Kunst nicht leben muss, den Semiprofi, der sich lieber selbst verwirklicht als reich zu werden.

Ist das die Zukunft des Pop? Chris Dorfmueller antwortet mit einer der Grundüberzeugungen der Netzgesellschaft: „Was gut ist, wird sich durchsetzen.“ Damit meint er die Musik der Libelle-Acts. Und was die Organisationsform angeht, das Paradoxon vom „unkommerziellen Label“? „Sagen wir es so: Wenn du Kohle verdienen willst, gehst du zur Bank und leihst dir 100 000 Euro für ein Investment“, sagt Dorfmueller. „Klar verdient man mit einem Gig in der Alternative-Szene nicht so viel wie mit einem Auftritt am Wasen“, ergänzt Paul Malcharek, „aber will man das überhaupt?“

Der eine, berichten die Libellen, hat eben besonders gute Kontakte zu Konzertveranstaltern, der andere kann Plattencover designen; ein Mitglied kann Alben klangtechnisch veredeln, ein anderes dreht das passende Video dazu. Und so ist Libelle vor allem ein Kollektiv von einem Dutzend befreundeter Musiker und Kreativer, die auf einer Wellenlänge sind und deshalb gemeinsame Sache machen.

Der Kumpel spricht einem nicht so sehr rein wie ein Label

Den Hauptvorteil sehen die Libellen darin, dass die Kreativität nicht so auf der Strecke bleibt wie bei einem herkömmlichen Label. Denn der Kumpel aus der Band, mit der man schon öfters zusammengespielt hat, spricht einem beim Konzept für die neueste CD im Zweifel nicht so stark rein wie ein Labelmitarbeiter, der eben auch kommerzielle Interessen seines Arbeitgebers berücksichtigen muss.

Dass es bei Libelle weniger ums Geldverdienen als vielmehr um die künstlerische Selbstverwirklichung geht, ist der Preis dieser ungewöhnlichen Zusammenarbeit. Doch die Libelle-Mitglieder zahlen ihn nach eigener Aussage gern. Denn sie pushen sich gegenseitig: wenn, so wie derzeit, einmal im Vierteljahr ein neues Werk erscheint, „konzentrieren sich alle Anstrengungen des Kollektivs darauf“, erzählt die Sängerin Verena Basler von Vega. Daneben gibt es gemeinsame Auftritte und eben das gemeinsame Label. Weiße Libelle auf rotem Grund, das kann man sich merken.

„Sind das coole Leute?“

Wenn jemand neu dazukommen will, entscheiden die Libellen gemeinsam. Nicht nur die Musik muss stimmen. „Man schaut ja auch: was kann der Interessent einbringen? Sind das coole Leute?“, sagt Chris Dorfmueller, der Technik-Experte. Die persönliche Basis ist also wichtig. Zum Glück, sagen die Libellen: „Alles passiert nur, weil wir es wollen“, berichtet Dorfmueller.

Das, findet Johannes Pfitzenmaier, ist im Musikbusiness eher die Ausnahme. Der Musiker und Tontechniker stand unter anderem mit Submarien auf der Bühne und ist derzeit Gitarrist bei der Trip-Hop-Band Swim Bird Fly. „Wenn bei einem Label der erste Release nicht durch die Decke knallt, bist du als Nachwuchsband oft genug durch“, hat Pfitzenmaier beobachtet. Das Geld für groß angelegte Promoaktionen bleibe den Stars vorbehalten. „Wie aber sollen dann neue Künstler aufgebaut werden?“, fragt Pfitzenmaier.

Echt schwäbische Kreativrebellen

Nachwuchsförderung machen die Libelle-Künstler nun eben alleine – für sich selbst. Es ist auch eine Art Selbstermächtigung, die sie mit ihrem Quasi-Label vollziehen. Ein Modell für die Zukunft? Zumindest eines, das musikalisch funktioniert – vor allem, weil Libelle dank Internet viel leichter an seine Zielgruppen herankommt. Die große Bühne, den Mainstream, das Formatradio suchen sie nicht. Er ist mit dem Libelle-Konzept vielleicht auch gar nicht erreichbar. Doch in den Clubs, auf den entsprechenden Seiten im Netz und fürs Live-Geschäft findet Libelle auch ohne Organigramm, ohne Professionalisierung seinen Weg.

Bis jetzt, geben die Libellen zu, decken die Einkünfte nur die Unkosten; leben könnten sie von ihrer Musik nicht und die Gemeinschaft finanziert auch nicht die Herstellung der CDs. Die beteiligten Bands und Künstler machen aber auch nicht Musik zum Geldverdienen. Das tun sie mit anderen Aktivitäten. Doch was sie für ihre regulären Berufe können, bringen die Libelle-Beteiligten eben auch in die Gemeinschaft ein.

Ist das die Zukunft des Pop?

Auf eine gewisse Weise sind die Libellen also echt schwäbische Kreativrebellen: sie suchen die Freiheit für ihre Kunst, haben aber gleichzeitig solide Schwarzbrotjobs. Sie spielen im Geschäft mit, ohne sich dessen Regeln gänzlich fügen zu müssen. Sie nutzen die Möglichkeiten, die das Internet bietet und verkörpern zudem den Typus Künstler, der von seiner Kunst nicht leben muss, den Semiprofi, der sich lieber selbst verwirklicht als reich zu werden.

Ist das die Zukunft des Pop? Chris Dorfmueller antwortet mit einer der Grundüberzeugungen der Netzgesellschaft: „Was gut ist, wird sich durchsetzen.“ Damit meint er die Musik der Libelle-Acts. Und was die Organisationsform angeht, das Paradoxon vom „unkommerziellen Label“? „Sagen wir es so: Wenn du Kohle verdienen willst, gehst du zur Bank und leihst dir 100 000 Euro für ein Investment“, sagt Dorfmueller. „Klar verdient man mit einem Gig in der Alternative-Szene nicht so viel wie mit einem Auftritt am Wasen“, ergänzt Paul Malcharek, „aber will man das überhaupt?“