VfB Stuttgart Die Serie reißt, der Aufschwung geht weiter

Nach zuletzt fünf Siegen kommt der VfB Stuttgart auf Schalke zu einem Punkt. Die Stuttgarter hatten sich im Verlauf des Sonntagspiels zunehmend gesteigert.

Martin Harnik erzielt das Ausgleichstor zum 1:1 (1:0). Foto: dpa 12 Bilder
Martin Harnik erzielt das Ausgleichstor zum 1:1 (1:0).Foto: dpa

Gelsenkirchen - Am Spielfeldrand stand Jürgen Kramny und streckte in der Nachspielzeit beschwichtigend beide Arme von sich. Ruhe bewahren, nicht den Kopf verlieren, das sollte die Geste des VfB-Trainers bedeuten, dessen Mannschaft noch immer munter nach vorne spielte. Lieber auch mal mit einem Unentschieden zufrieden sein, als noch in einen Konter laufen – so sah es der Stuttgarter Coach, als das Spiel schließlich vorüber war: „Den Punkt nehmen wir gerne mit.“

Gerissen ist mit dem 1:1 (0:1) im Auswärtsspiel am Sonntagabend beim FC Schalke 04 zwar die große Siegesserie – der Aufwärtstrend des VfB aber hält auch weiter an. Seit inzwischen acht Spielen sind die Stuttgarter in der Bundesliga unbesiegt und waren auch beim Europapokalteilnehmer aus Gelsenkirchen nach einer klaren Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte am Ende die bessere Mannschaft. „Nach der Pause haben wir gezeigt, wie wir zu den Siegen gekommen sind“, sagte Kramny.

Der VfB startete schwungvoll

Schalke 04 – das war in der Hinrunde der Gegner, gegen den der VfB nach vier Niederlagen auf absurde Weise ein fünftes Mal unterlag, mit 0:1 trotz bester Chancen. Diesmal lagen fünf Siege hinter den Stuttgartern – entsprechend groß war das Selbstvertrauen. So griffig wie in den vergangenen Wochen allerdings war Kramnys Team in der ersten Spielhälfte nicht.

Der VfB spielte nicht wirklich schlecht – schwungvoll starteten die Gäste und kamen schon nach fünf Minuten zu einer guten Chance: Nach einem Zuspiel von Timo Werner scheiterte Christian Gentner am gut reagierenden Ralf Fährmann. Der Schalker Schlussmann war auch zur Stelle, als Werner flach von der Strafraumgrenze abzog (20.).

Gut spielte der VfB vor der Pause aber auch nicht. Anders als in den Vorwochen fehlte es den Stuttgartern im Spiel nach vorne an der Entschlossenheit und Präzision. Äußerst blass blieb an seinem 26. Geburtstag der Spielmacher Daniel Didavi, der nach seiner Gelb-Rot-Sperre für Alexandru Maxim in die Mannschaft zurückgekehrt war. Seine auffälligste Szene in der ersten Halbzeit war seine fünfte gelbe Karte, der am Samstag gegen Hannover 96 eine weitere Zwangspause folgt.

Die Führung durch Schalke war verdient

Zu den Problemen im Spielaufbau gesellte sich eine VfB-Defensive, die ebenfalls nicht frei von Unkonzentriertheiten war. So auch vor dem 0:1: aus 15 Metern durfte die Schalker Winterverpflichtung Younes Belhanda den Ball ins Tor köpfen (14.), nachdem zuvor der VfB-Torwart Przemyslav Tyton in höchster Not gegen Alessandro Schöpp, den zweite Neuzugang der Königsblauen, gerettet hatte. „Wir haben in der ersten Hälfte zu viele Fehler gemacht“, sagte Jürgen Kramny.

Verdient war somit die Schalker Führung zur Pause – doch danach verschoben sich die Kräfteverhältnisse grundlegend. Der VfB erhöhte mit Beginn der zweiten Hälfte die Schlagzahl, während den Gestgebern deutlich anzumerken war, dass sich noch am Donnerstag in der Europa League in der Ukraine (0:0 gegen Donezk) im Einsatz gewesen waren.

VfB wollte mehr als ein Unentschieden

Nun spielte der VfB wieder so wie in den vergangenen Wochen: druckvoll, aggressiv, risikofreudig. Auch Kramny zeigte Mut, indem er in Maxim, Artem Kravets und Martin Harnik frühzeitig drei frische Offensivspieler einwechselte – und damit signalisierte, das Spiel unbedingt wenden zu wollen. Es dauerte nicht lange, bis sich die Maßnahmen auszahlen sollten. Maxim, kurz zuvor mit einem Scherenschlag nur knapp gescheitert, brachte in der 74. Minute von rechts einen Eckball vors Tor – Harnik staubte am zweiten Pfosten ab. Für den lange verletzten Österreicher war es das erste Tor seit vier Monaten. „Ich kämpfe mich immer näher an die Startelf heran – da tut so ein Tor gut“, sagte Harnik.

Es spricht für das neue Selbstverständnis des VfB, dass die Mannschaft sich mit dem 1:1 nicht zufriedengab und mit aller Macht auf den Siegtreffer drängte. Er wäre möglich und am Ende auch verdient gewesen – doch traf Kravets am Fünfmeterraum den Ball nicht richtig (88.). Der Manager Robin Dutt ärgerte sich nur kurz: „Auch wenn noch mehr möglich gewesen wäre, können wir gut mit dem Punkt leben.“

 

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7 KommentareKommentar schreiben

Ich sehe das anders.: Nicht so negativ, sondern daß der VfB weiterhin ungeschlagen ist.

Ruhig geblieben !!: Die Jungs und der Coach sind nach dem Rückstand ruhig geblieben und haben keine Spur von Hektik gezeigt. Und wie man die zweite Halbzeit gestaltet hat, war wirklich klasse. In der Tat war sogar noch mehr drin. Ach so und ja: Kramny hätte allen Grund gehabt, in der 80.Minute nach dem Foul an Kostic den "Roger Schmidt" zu geben; aber da ist er eben ein ganz anderer, pragmatischer Typ. Danke, liebe Truppe, auch für die Geste an Daniel Ginzcek. 1893 hey !!

Natürlich ist eine Serie gerissen - die Siegesserie mit zuletzt 5 Erfolgen nacheinander. Mit dem Spiel des VfB konnte man zufrieden sein. Was leider zu wünschen übrig lässt, ist die Qualität der Spielberichterstattung hier in der StZ. Ich hätte erwartet, dass der Super-Kopfball von Christian Gentner, der dem Treffer zum 1:1 vorausging, erwähnt wird. Von Gentner und nicht von Maxim kam die Torvorlage. Auch zur Gelben Karte für Didavi hätte ich mir eine Aussage gewünscht, denn im TV konnte man in der Szene, die zur Verwarnung führte, nicht einmal ein Foul von Didavi erkennen. Eine Erwähnung wert gewesen wäre auch die Szene in der 80. Minute, als Kostic im Strafraum gelegt wird. Sein Gegner wollte zwar den Ball spielen, traf diesen aber nur so hauchdünn, dass der Ball keine Richtungsänderung mitbekam, d.h. Kostic wäre am Ball geblieben, wenn er nicht gefällt worden wäre. Bei dieser Sachlage hätte der Schiedsrichter auf Elfmeter entscheiden können und vielleicht sogar müssen. Im umgekehrten Fall hätte die Schalker Presse am Schiedsrichter sicher kein gutes Haar gelassen. Fehlt es den Stuttgarter Fußballjournalisten an Regelkenntnis, oder ist es ihnen einfach nur wurscht, wenn ihr Verein benachteiligt wird?

Volle: Zustimmung, Herr Siber. Natürlich war es Gentner vor dem 1:1. Und in der Tat gab es schon öfters Szenen, in denen der VfB benachteiligt wurde, die in der heimischen Presse völlig untergingen. Es ist zwar für das vergangene Spiel nicht mehr besonders hilfreich, hinterher über den Schiedsrichter zu meckern, aber schaden tut es sicher nicht, wenigstens mal auf zweifelhafte und für den weiteren Spielverlauf sicher nicht unwichtige Entscheidungen hinzuweisen. Für mich sah das auch nach elfmeterreifem Foul an Kostic aus. Beim Haar-in-der-Suppe-suchen ist die heimische Presse komischerweise weitaus kreativer.

Ich denke auch, dass sachliche, aber wenn nötig scharfe Kritik an Schiedsrichterentscheidungen etwas zu künftigen verbesserten Schiedsrichterleistungen beitragen könnte. Trainer und Spieler müssen sich ja mit Kritik am Schiedsrichter zurückhalten, aber die Presse braucht das nicht. Und was die Fußballschreiber der Stuttgarter Zeitung angeht, so habe ich den Eindruck, sie interessieren sich deutlich mehr für Vorgänge hinter den Kulissen und in der Vereinspolitik als für das, was auf dem Spielfeld passiert.

Welche Serie ist gerissen?: Ok, der VfB hat nicht gewonnen, aber er hat in diesem Jahr in der Liga unter Kramny auch nicht verloren. Es wäre doch vermessen zu postulieren, dass der VfB nur noch gewinnen kann. Das schaffen selbst die Bayern nicht. Freuen wir uns über das Unentschieden und vergessen wir einfach die Überschrift. Was behaupten manche Journalisten: Nur schlechte Nachrichten verkaufen sich gut. In diesem Fall scheint das mal wieder widerlegt zu sein. Man hätte gewinnen können. Stimmt. Aber hätte hätte Fahrradkette! Ich freue mich jedenfalls über den Punkt, so wie sich mein Berliner Freund über den Punkt der Hertha ärgert. In diesem Jahr noch nie gewonnen und nur einmal verloren. So kann man auch frustriert sein.

Richtig!: Der Punktgewinn ist sehr gut! Während man bei den bisherigen Spielen manchmal den Eindruck hatte, das war Glück, Euphorie, halt "nur" ein Lauf - der Punkt auf Schalke war kam aus einem normalen Alltagsspiel. Die Serie starker Spiele hält. D.h. aber auch, der VfB kann derzeit gut mit Europa-Aspiranten mithalten ... da darf man sich freuen und träumen ...

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