VfB-Torwart Mitch Langerak Sonnyboy mit Arbeitermentalität

Von , Belek 

Der Torwart Mitch Langerak ist ein lockerer Typ, doch wenn es um Fußball geht, versteht der Australier keinen Spaß. Beim VfB Stuttgart will er nach langer Verletzungspause in der Rückrunde endlich eingreifen.

Mitch Langerak will beim VfB in der Rückrunde wieder eingreifen. Foto: Baumann 7 Bilder
Mitch Langerak will beim VfB in der Rückrunde wieder eingreifen.Foto: Baumann

Belek – Riahannon Langerak kennt diese Verwandlung. Sie hat sie schon einige Male miterlebt, wenn sie ihren Mann Mitch zum Training fuhr. Wie plötzlich sein Lachen verschwindet. Wie sich die Gesichtszüge verhärten. Wie sich sein Blick verengt und er schon vor dem Betreten des Trainingsgeländes in einen Mentaltunnel einbiegt. „Wenn es um Fußball geht, werde ich wie auf Knopfdruck ein anderer“, sagt Mitch Langerak. Ehrgeizig und emotional wird der Torhüter des VfB Stuttgart dann.

Es ist die Metamorphose eines Sonnyboys. Denn wer Langerak außerhalb des Platzes begegnet, trifft auf einen stets fröhlichen und unbeschwerten jungen Mann. Typ australischer Surfer. Langerak geht auch mal Wellenreiten und sieht das Leben gerne von der Sonnenseite. Das Leben hat den 27-Jährigen aber ebenso gelehrt, dass er hart arbeiten muss, um seine Ziele zu erreichen. Surfen ist deshalb während des letzten Heimaturlaubs nicht drin gewesen. Nur ein paar Bilder mit einem Brett unterm Arm hat er in den sozialen Netzwerken veröffentlicht, ansonsten war ihm die Sache zu wacklig – wegen seines lädierten Knies.

Bessere Fitnesswerte als im Sommer

Monatelang hatte Langerak zuvor seinem Beruf ja nicht voll nachgehen können. Als potenzielle Nummer eins hatten sie ihn im Sommer für drei Millionen Euro von Borussia Dortmund nach Stuttgart geholt, was auch seine Rückennummer belegt. Doch dann zog sich der Torhüter im Trainingslager im Zillertal gleich eine schwere Muskelverletzung zu. Die Zeit bis zum Comeback schien überschaubar. Dennoch wollte er den Prozess beschleunigen, also machte er viel in der Reha. Zu viel. Es bildete sich eine Zyste im rechten Knie, das sich entzündete. Nur eine Operation half.

„Meinem Körper geht es jetzt sehr gut, meine Fitnesswerte sind aktuell besser als im Sommer“, sagt Langerak. Er ist froh, dass er wieder voll belastbar ist – und so quasi seine Flitterwochen an der türkischen Riviera im Kreise der Mannschaftskollegen verbringt anstatt mit seiner Frau Riahannon. Am Silvesterabend haben sie geheiratet. Am Strand. Sie klassisch in Weiß, er im schwarzen Anzug mit Fliege.

Robbie Kruse als Freund und Leidensgenosse

Zur Hochzeitsgesellschaft gehörte auch Robbie Kruse. „Wir kennen uns schon, seit wir elf Jahre alt sind“, sagt Langerak. Gemeinsam haben sie das nationale Fördersystem durchlaufen, haben sich auch während Langeraks Jahren in Dortmund ständig getroffen, als Kruse noch für Fortuna Düsseldorf und Bayer Leverkusen spielte.

Jetzt sind die beiden Freunde beim VfB vereint – und jeder kämpft für sich um den Anschluss. „Ich denke aber noch nicht an das erste Rückrundenspiel in Köln“, sagt Langerak. Er will erst wieder in Form kommen, bevor er Przemyslaw Tyton angreift. Dabei hilft ihm jeder Ball aufs Tor, um die alte Sicherheit zurückzugewinnen. Sein Selbstvertrauen hat durch die lange Verletzungspause allerdings nicht sonderlich gelitten. „Ich habe mich während des Aufbautrainings häufig an meine Leistungen aus der vergangenen Saison erinnert“, sagt der Schlussmann. Das gab ihm Kraft, weil er zeitweise den damaligen BVB-Stammkeeper Roman Weidenfeller verdrängte.

Doch auch die Worte seines Vaters kamen Langerak oft in den Sinn. Er solle fleißig sein und etwas aus sich machen, damit es ihm besser erginge. Bergarbeiter ist Mark Langerak, seit mehr als 25 Jahren fährt er unter Tage ein – und tut es trotz der Sportkarriere seines Sohnes weiter. In Tieri/Queensland leben die Eltern (Mutter Debbie ist Sozialarbeiterin), einem 2000-Seelen-Nest, „das selbst in Australien keiner kennt“, wie Langerak erzählt.

Von dort wollte er weg, von dort ging es zunächst nach Melbourne und 2010 nach Dortmund. Mit großen Augen sah er die Bundesligawelt und wollte sich gleich einfinden. Mit einer Stunde Deutsch pro Tag. Dem Lehrer sagte Langerak jedoch schnell wieder ab, weil Grammatik nicht sein Ding ist. „Ich wollte nicht wissen, ob es der, die oder das Tisch heißt, sondern Tisch und fertig“, erzählt Langerak in sehr gutem Deutsch. Als Autodidakt lernte er mit einem Computerprogramm und seinem Ehrgeiz einfach besser. Aber auch das kennt Riahannon Langerak von ihrem Mitch, der ihr im Mexiko-Urlaub den Heiratsantrag machte – mit Kniefall.