Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit Im Namen der Narrenfreiheit erlaubt?

Von red/dpa 

Nach der "Ilmtaler Asylabwehr" kursieren in den sozialen Netzwerken inzwischen Bilder von weiteren Karnevalswagen, die mit fremdenfeindlichen Aufschriften für Empörung sorgen. Die Reaktionen sind gespalten.

Anspielungen auf die Flüchtlingsdebatte bei Faschingsumzügen sorgen im Netz für Ärger. Foto: Screenshot/Twitter
Anspielungen auf die Flüchtlingsdebatte bei Faschingsumzügen sorgen im Netz für Ärger.Foto: Screenshot/Twitter

Stuttgart - Die kleine Gemeinde unweit von Ingolstadt taugt normalerweise nicht für Schlagzeilen. Reichertshausen mit seinen 5000 Einwohnern hat zwei Schulen, ein Arzt versorgt die Kranken, im einzigen Supermarkt decken sich die Bewohner mit dem Nötigsten ein. Der ICE von München nach Nürnberg rauscht durch. Es halten nur Nahverkehrszüge. Im Ort geht es gemütlich zu. Seit Sonntag ist alles anders.

Eine Panzerattrappe mit der Aufschrift „Ilmtaler Asylabwehr“, die beim Faschingsumzug mitfuhr, hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Gerade eine Woche ist es her, dass die AfD-Vorsitzende Frauke Petry den Einsatz von Waffen gegen Flüchtlinge an den deutschen Grenzen zum Thema machte. Der zum Wehrmachtspanzer gestaltete Wagen samt Spruch kann als Unterstützung der Forderung aus der rechtspopulistischen Partei gesehen werden.

Der Wagen in Oberbayern ist kein Einzelfall. Auch im thüringischen Wasungen gibt es Ärger um einen Motivwagen mit ausländerfeindlichem Zungenschlag. Dargestellt wurde eine riesige Lokomotive, auf der die Worte „Balkan-Express“ und „Die Plage kommt“ zu lesen waren. In beiden Fällen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Sie muss herausfinden, ob Volksverhetzung vorliegt. In den sozialen Netzwerken hagelt es Kritik. „Ich schäme mich für Euch“ ist noch einer der harmloseren Kommentare, der sich an die Veranstalter in Oberbayern richtet. Der „Oberilmtaler Carneval-Verein“ (OCV) ist eine honorige Gesellschaft. Zum „Hofstaat“ gehört auch Konrad Moll, der für die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) im Gemeinderat von Reichertshausen sitzt. Jahr für Jahr organisiert der 52-Jährige den Faschingszug, auf den alle im Ort mächtig stolz sind.

Auf einem anderen Karnevalswagen in Wasungen fand sich Spruch: "Wer das Volk verarsche im feinen Zwirn, hat Scheiße im Kopf & im Arsch das Hirn."

Vielen Zuschauern war die Panzerattrappe schon von den beiden vergangenen Jahren bekannt, als sie ebenfalls mitfuhr - 2015 in Anspielung auf die schlechte Ausrüstung der Bundeswehr. „Das sind friedliebende Burschen“, sagt Moll über das Brüderpaar aus der Nachbargemeinde Petershausen, das den Wagen fuhr. Fremdenhass will er den jungen Männern jedenfalls nicht unterstellen. Die seitlich angebrachten Schriftzüge „Ilmtaler Asylabwehr“ und „Asylpaket III“ seien ihm in der Hektik bei der Abnahme der Wagen gar nicht aufgefallen, rechtfertigt sich Moll.

Auch ein anwesender Polizeibeamter habe keine Einwände erhoben. An der Spitze des sechs Kilometer langen „Gaudiwurms“ seien Asylbewerber mitmarschiert. „In der Kindergarde tanzt ein Mädchen mit schwarzer Hautfarbe mit“, sagt Moll. Und dennoch: „Ich muss mich entschuldigen“, sagt er, „mir war die Tragweite nicht bewusst.“ Auch Bürgermeister Reinhard Heinrich (CSU) lässt auf seine Narren nichts kommen. Der OCV trage maßgeblich zur Brauchtumspflege im Ort bei, lobt der Rathauschef den Verein. Und doch spricht er von einem großen Schaden, der durch die Teilnahme der Panzerattrappe entstanden sei.

Weniger kritisch sieht es Rainer Wehse, ehemals Dozent am Institut für Volkskunde und Europäische Ethnologie der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Die Fastnacht sei schon immer gesellschaftskritisch gewesen. „Diese Rügefunktion ist eine ganz wichtige Funktion der Fastnacht“, so Wehse. An Fasching sei daher sehr vieles, auch politisch Unkorrektes, erlaubt.

Wehse wohnt selbst in Reichertshausen und hat den Panzer am Sonntag nur kurz gesehen - die Attrappe sei „grenzwertig“, aber „relativ harmlos“, empfindet er. Sie spiegele wider, was große Teile der Bevölkerung derzeit über die Flüchtlingskrise dächten.

Auf Twitter kursieren unterdessen weitere Fotos von diversen Umzugswagen mit Aufschriften ähnlichen Inhalts.

Der Würschnitzthaler Carnevalclub aus Chemnitz, auf deren Faschingswagen beim Ilmenauer Umzug die Aufschrift „Wir sitzen auf dem Pulverfass und Mutti sagt, wir schaffen dass (sic)“ zu lesen war, wollte sich auf Anfrage der Stuttgarter Zeitung nicht äußern.

Auch vom Faschingsumzug im sächsischen Altenberg bei Dresden fanden sicb Ilder. Auf Nachfrage bei der Polizeidirektion in Dresden konnte ein Sprecher keine detaillierten Angaben zu dem Umzug machen, versicherte aber, dass bisher im Gegensaatz zum Fall in Ilmtal keine Anzeigen vorliegen.

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13 Kommentare Kommentar schreiben

warum: der Karneval in Mainz und Düsseldorf wohl wirklich abgesagt wurde? Angst vor den unbequemen Wahrheiten der Karnevalisten? Die Degeneration schreitet unaufhörlich voran

Der Vollständigkeit halber und gut zu wissen: Auch der grüne OB Palmer hat in einem Interview den Einsatz von Schusswaffen an der EU-Außengrenze ins Gespräch gebracht. Das kann im Tübinger Tagblatt nachgelesen werden. Als es eng wurde, hat er sich selbst "entschuldigt" und Absolution erteilt. Sowohl Palmer als auch Petry können aber hierum nur bitten - entschuldigen müssen schon andere! Zu den Umzügen: Trotz manchen Geschmacklosigkeiten muss grundsätzlich geklärt werden, ob politische Eingriffe in die Fasnet respektive den Karneval statthaft sind. Als Maßstab und Voraussetzung für zwingendes Handeln kann nur unser Strafrecht gelten - sich der politischen Korrektheit beugen geht jedoch nicht. Die Freiheit und die freie Meinungsäußerung sind ein hohes Gut. Vor gut einem Jahr, im Zuge der Charlie-Hebdo-Vorkommnisse, hieß es noch unisono und sinngemäß, der Karikatur sei alles erlaubt. Das gilt bei manchen Politikern und Zeitgenossen offensichtlich nur dann, wenn das Vorgetragene in die gewünschte politische Richtung passt. Würde derselbe Maßstab bei der ZDF heute Show angelegt, müsste es von Anzeigen nur so hageln und Welke säße wohl längst in Haft. Aber: Wenn zwei dasselbe tun ...

Nicht nur Oli Welke säße in Haft, sondern auch die StZ, weil sie die unerträgliche Hetze von Charlie Hebdo auch noch vehement und pressesolidarisch verteidigt hat und jede Kritik daran z. B. durch Löschen von Accounts gewaltsam unterbunden hat.

einfach: die verantwortlichen Redakteure auf die Liste, man wird diese Liste später noch brauchen.

ja, hab ich schon, ist sogar per Email dokumentiert

Das so etwas von dieser Zeitung nicht zensiert wird: Mir wird schlecht. Zumal Sie ja offensichtlich keine Wurzeln haben, die im Norden Europas zu finden sind

ausser: Verbotsgeschrei kommt mal wieder nichts. Das ist sehr bezeichnend

wie heißt es so schön?: Wie man in den Wald hineinschreit......

hier gibts nichts zu zensieren, denn hier geht es um Themen wie Wahrheit, Scheinheiligkeit und "Wenn zwei dasselbe tun". Zu zensieren wäre höchstens Ihr rassistischer Kommentar. Dass Herr Costanza auch in Stuttgart geboren sein könnte, kommt Ihnen wohl nicht in den Sinn. Das wollte ich Ihnen sagen, Herr Sagen, sofern Sie überhaupt so heißen.

da: steh ich drüber und lache wenn einer mit Schuldkomplex das zu mir sagt

Sind: Sie stolz darauf ein Arier zu sein?

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