Stadtkind Stuttgart

Was trägt Stuttgart? Keine Lust auf Klamotten von der Stange

Von Tanja Simoncev 

"Exzessiv und experimentell", so beschreibt Studentin Lina Doll ihren Kleidungsstil. Warum sie ab sofort keine Stangenware mehr tragen will und was Klamotten mit Souveniers gemeinsam haben, verrät sie in unserem Stylecheck.

Klein, aber oho: Studentin Lina Doll trägt ihren Stil ohne Scheu zur Schau. Foto: Tanja Simoncev 14 Bilder
Klein, aber oho: Studentin Lina Doll trägt ihren Stil ohne Scheu zur Schau. Foto: Tanja Simoncev

Stuttgart - Klein, zierlich und blond, zarte 20 Jahre alt - das ist Lina Doll. Sie wirkt zerbrechlich wie ein Püppchen, ist aber mindestens genauso tough wie eine ganz Große. Uni-Stress, Interview-Anfragen und Tanzstunden bringt sie locker unter einen Hut - von Müdigkeit oder gar schlechter Laune keine Spur. "Jetzt bin ich frei", sagt die gebürtige Münchnerin, die in Bad Cannstatt wohnt, ausgelassen - die Woche hatte sie ihre letzte Abgabe.

Kleidung als Souvenir

Lina studiert im zweiten Semester Innenarchitektur an der Hochschule für Technik - deshalb kam sie vor rund einem Jahr nach Stuttgart. Doch in den Ferien werden von ihr am liebsten die fernen Ziele angesteuert. Die 20-Jährige will diesen Sommer durch Asien reisen, Kambodscha und Vietnam erkunden. "Reisen bedeutet für mich immer Inspiration pur, zum einen was die Architektur in anderen Städten angeht, aber auch wie andere Menschen leben, in Bezug auf Gestaltung und wie sie sich kleiden." Klamotten kauft Lina fast ausschließlich im Ausland "und dann bringe ich mir immer ein paar Teile von meinen Reisen mit - so wie andere Leute Souvenirs."

Die leidenschaftliche Hobby-Tänzerin war schon immer eigen, hat immer gemacht und getragen, was sie wollte. "Mich hat es noch nie gekümmert, was andere Leute von mir denken", sagt sie selbstbewusst. In der Pubertät hat sie sich "voll ausprobiert", durchlebte eine verrückte Punk- und Emo-Zeit. Da seien auch die wildesten Ausschweifungen an Frisuren dabei gewesen. "Meine blonden Locken waren rot, lila und weiß-blond."

Gern auch mal "over the top"

Das freie Ausprobieren habe sie aber genau zu dem Menschen gemacht, der sie heute ist. "Deshalb habe ich auch dieses Grundverständnis für Mode. Ich finde es wichtig, dass man sich gut anzieht, man darf es aber nicht für andere Leute tun. Ich mache das für mich, ich sehe immer so aus, wie ich Lust habe, auch mal over the top. Es ist gut und wichtig, dass man sich so zeigt, wie man ist und sich fühlt. Und mein Stil ist eben exzessiv und experimentell." 

Und sie gibt offen zu: Diese Experimente können auch mal in die Hose gehen beziehungsweise in die Bluse. "In einem Second-Hand-Shop in Asien habe ich mir mal eine rosafarbene Bluse gekauft, ganz lang, mit pinken Punkten. Es ist schon schwierig sie anzuziehen, aber ich probiere es weiterhin", sagt Lina lachend. Ihr Stil würde sich auch alle Jahre ändern. "Wenn zum Beispiel ein neuer Lebensabschnitt beginnt, dann zeigt sich das bei mir zuerst an den Klamotten und fängt immer mit Schuhen an." Denn Schuhe sind ihr schlimmster Tick. 

Support your Locals

"Das wichtigste ist aber", betont Lina, "Mode macht mir Spaß." Das habe auch ganz viel mit einem selbst zu tun. "Man kann sein Innerstes nach außen transportieren. Dafür muss man natürlich wissen, wer man ist und was man transportieren will." Und es geht um den Support von Freunden. So wie die Labels Hurricane und Anomos. "Ich trage Teile aus Stuttgart, von Freunden aus Stuttgart. Das finde ich am coolsten, da will ich mich auch weiter hinentwickeln, Independent-Designer zu unterstützen. Support your Locals, weg von der Massenware."