Weihnachtsansprachen in Stuttgart Bischöfe fordern mehr Einsatz für den Frieden

Von rec 

Der evangelische Landesbischof Frank Otfried July war in seiner Weihnachtspredigt in der Stuttgarter Stiftskirche für mehr Solidarität unter den Menschen. Der katholische Weihbischof Johannes Kreidler sagte, die Menschen seien mehr als Staubkörner im Universum.

Der Landesbischof Frank Otfried July Vertrauen und Glauben. Foto: Heinz Heiss
Der Landesbischof Frank Otfried July Vertrauen und Glauben.Foto: Heinz Heiss

Stuttgart - Bei den Gottesdiensten am ersten Weihnachtsfeiertag in der katholischen Kirche St. Eberhard und in der evangelischen Stiftskirche haben der Weihbischof der Diözese Rottenburg, Johannes Kreidler, und der evangelische Landesbischof Frank Otfried July die Christen dazu aufgerufen, mehr Solidarität gegenüber jenen Menschen zu zeigen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Außerdem forderten sie die Menschen auf, sich für den Frieden in der Welt einzusetzen.

Dies bedeute freilich nicht, als „mündiger Bürger und Christ“ Konflikten aus dem Weg zu gehen, sagte Landesbischof July; auch müsse man nicht immer einer Meinung sein; das gelinge schon in der eigenen Familie nicht. Man sollte deshalb nicht auf alles eine Antwort wissen und kein Besserwisser sein, so Frank Otfried July. Es gehe um Kompromisse, aber auch um Vertrauen und Glauben. „Unser Gottesglaube hat ein konkretes Gesicht vor Augen: Jesus Christus, das Kind in der Krippe, der Mann am Kreuz“, so der württembergische Landesbischof in seiner Predigt in der Stiftskirche. Jesus Christus lasse die Menschen nicht allein. „Er erlöst, damit wir aus der Nebelkammer ohne Orientierung in den Freiraum der Hoffnung gehen können“, sagte July.

Erinnerung an traurige Ereignisse des Jahres

Der Weihbischof Johannes Kreidler erinnerte in seinem Rückblick auf das Jahr 2012 an kriegerische Auseinandersetzungen, an Terrorakte und an den erst wenige Tage vor Weihnachten geschehenen Amoklauf im US-amerikanischen Newtown. Er fragte dabei in Erinnerung an den Film „Der dritte Mann“ aus dem Jahr 1949, ob die Menschen – ähnlich wie für den Protagonisten des Films, der aus dem Wiener Riesenrad auf die Erde blickt – nur ein kleiner Punkt in der Masse der Menschen seien, bei denen es auf den einen oder anderen nicht ankomme.

Poläre Gegensätze bestimmten die Wirklichkeit

Für Kreidler steht aber außer Frage, dass die Menschen angesichts „des Herabsteigens Gottes in unser Leben“ durch die Geburt Jesu Christi nicht nur „Staubkörner im Universum“ sind. „Im Anfang war das Wort“, zitierte Kreidler aus dem Johannes-Evangelium und betonte, dass Worte in positivem oder negativem Sinn Beziehungen schaffen und dass die Worte Johannes’ daher auch interpretiert werden könnten als: „Im Anfang war Beziehung.“

Da diese Beziehungen nicht immer nur von eitel Sonnenschein geprägt seien, sei man als Mensch möglicherweise auch geneigt, den Satz als „Im Anfang war der Konflikt“ zu deuten, da polare Gegensätze die Wirklichkeit bestimmten. Doch so wie das Licht und die Liebe Gottes über die Finsternis strahle, gebe es auch Hoffnung auf Frieden und eine bessere Welt – wenn die Menschen daran mitwirkten.

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5 KommentareKommentar schreiben

heisst nach wie vor 'Herrschaft'.: Dabei bedeutet 'Hierarchie' die Herrschaft der Heiligen. Gibt es hier halt keine bis nur Wenige. Gut: Hildegard von Bingen, den Franz von Assisi und vielleicht noch ein paar (Paar) Unbekannte. Aber die Neuzeitlichen? In meinen Augen nichts wie hohle Sprüch. Keinerlei Realisation der 'Botschaft'. Keine und Keiner. Grad von denen, die 'oben sitzen'.

Recht haben sie...: mit ihrem Kommentar, Südbürger! Wer für den Frieden ist, sollte mal auch gegen den unsinnigen Einsatz in Afghanistan sein; die Militärseelsorger abschaffen...Gibt es denn 'gerechtes' Töten? Wenn ein ferngelenktes Flugzeug Bomben abwirft und dabei auch Zivilisten tötet, dann ist das natürlich leider eben nicht zu verhindern. Die Mutter, die ein Kind verliert, wird nicht mal erwähnt... Stirbt der Herr Soldat (der das ja freiwillig geworden ist!), dann man ein Brimborium drum rum...Was für eine Heuchelei! Der Herr Landesbischof sollte mal ein Wort verlieren zu den offensichtlichen Lügen der Politik (CHRIST-Demokrat Kappus, Stuttgart 21 Abholzerei,Naturzerstörung (!), EURO...)usw. sagen! Da wünschte ich mir 'kritische Begleitung', wie man ja heute sagt... Vielleicht merkt auch Herr July, dass der Bürger auch bei der Kirche 'mit den Füßen' abstimmt.....

dass er selber einen Beitrag zum Frieden leistete.: Also, ehrlich gesagt, ich glaube und sehe dies nicht. Eher wird hier 'geteilt' und versucht 'zu herrschen'. Die Entgegennahme von ca. 4 Mrd. EUR an nicht selber eingetriebenen Steuern hat halt ihren Preis. Den Preis des Geldes, halt. Meist spürt man dies gar nicht so richtig, wirklich. Bis es am Ende zu spät ist. Wahres Leben? Stichwort: Fail.

Falsch gesprochen: „Im Anfang war das Wort“, zitierte Kreidler aus dem Johannes-Evangelium Wer nur ein, zwei Sätze weiter in Johannes ließt merkt, dass es sich nicht um ein akkustisches 'Wort' sondern um Michael , also Jesus geht.

Friedensgesäusel: Wie jedes Jahr wird der aufgeklärte Bürger von 'geweihten Bischöfen' mit beliebigen Friedensbotschaften in den Schlaf gesäuselt. Es ist ein solch erstarrtes Ritual, das schon deswegen von niemandem mehr ernst genommen werden kann. Die Christen bewerten die Menschen ja in ihrer selbstgefälligen Moral nach deren 'guten' oder 'bösen' Taten. Sollten wir also nicht auch die Bischöfe nach denselben Kriterien beurteilen? Solange solche 'Herrschaften' von Frieden und sozialer Fairness sprechen, sollte man mal genauer auf die Arbeitsverhältnisse in kirchlichen Einrichtungen schauen. Da geht es nämlich alles andere als fair zu! Da wird auf Grund von 'Sparmaßnahmen' gekündigt, in alter kapitalistischer Manier bestimmte Arbeitsbereiche 'outgesourct', Dumpinglöhne gezahlt und demokratische Grundpinzipien der betrieblichen Mitsprache mit Füßen getreten. Aber die Bischöfe verkünden uns Sündern die 'frohe Botschaft', die da lautet: 'beschwert euch nicht und danket Gott'. Solange diese Art religiöser Heuchelei herrscht, bin ich froh, daß der Mensch nur ein 'Staubkorn im Weltall' darstellt.

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