Weihnachtsansprachen in Stuttgart Bischöfe fordern mehr Einsatz für den Frieden

rec, 26.12.2012 15:39 Uhr

Stuttgart - Bei den Gottesdiensten am ersten Weihnachtsfeiertag in der katholischen Kirche St. Eberhard und in der evangelischen Stiftskirche haben der Weihbischof der Diözese Rottenburg, Johannes Kreidler, und der evangelische Landesbischof Frank Otfried July die Christen dazu aufgerufen, mehr Solidarität gegenüber jenen Menschen zu zeigen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Außerdem forderten sie die Menschen auf, sich für den Frieden in der Welt einzusetzen.

Dies bedeute freilich nicht, als „mündiger Bürger und Christ“ Konflikten aus dem Weg zu gehen, sagte Landesbischof July; auch müsse man nicht immer einer Meinung sein; das gelinge schon in der eigenen Familie nicht. Man sollte deshalb nicht auf alles eine Antwort wissen und kein Besserwisser sein, so Frank Otfried July. Es gehe um Kompromisse, aber auch um Vertrauen und Glauben. „Unser Gottesglaube hat ein konkretes Gesicht vor Augen: Jesus Christus, das Kind in der Krippe, der Mann am Kreuz“, so der württembergische Landesbischof in seiner Predigt in der Stiftskirche. Jesus Christus lasse die Menschen nicht allein. „Er erlöst, damit wir aus der Nebelkammer ohne Orientierung in den Freiraum der Hoffnung gehen können“, sagte July.

Erinnerung an traurige Ereignisse des Jahres

Der Weihbischof Johannes Kreidler erinnerte in seinem Rückblick auf das Jahr 2012 an kriegerische Auseinandersetzungen, an Terrorakte und an den erst wenige Tage vor Weihnachten geschehenen Amoklauf im US-amerikanischen Newtown. Er fragte dabei in Erinnerung an den Film „Der dritte Mann“ aus dem Jahr 1949, ob die Menschen – ähnlich wie für den Protagonisten des Films, der aus dem Wiener Riesenrad auf die Erde blickt – nur ein kleiner Punkt in der Masse der Menschen seien, bei denen es auf den einen oder anderen nicht ankomme.

Poläre Gegensätze bestimmten die Wirklichkeit

Für Kreidler steht aber außer Frage, dass die Menschen angesichts „des Herabsteigens Gottes in unser Leben“ durch die Geburt Jesu Christi nicht nur „Staubkörner im Universum“ sind. „Im Anfang war das Wort“, zitierte Kreidler aus dem Johannes-Evangelium und betonte, dass Worte in positivem oder negativem Sinn Beziehungen schaffen und dass die Worte Johannes’ daher auch interpretiert werden könnten als: „Im Anfang war Beziehung.“

Da diese Beziehungen nicht immer nur von eitel Sonnenschein geprägt seien, sei man als Mensch möglicherweise auch geneigt, den Satz als „Im Anfang war der Konflikt“ zu deuten, da polare Gegensätze die Wirklichkeit bestimmten. Doch so wie das Licht und die Liebe Gottes über die Finsternis strahle, gebe es auch Hoffnung auf Frieden und eine bessere Welt – wenn die Menschen daran mitwirkten.