Weilimdorf Trotz stetem Ausbau fehlt es an Kita-Plätzen

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Laut Jugendamt wird sich die Betreuungssituation nicht vor dem Jahr 2014 bessern.

In Weilimdorf mangelt es vor allem an Kita-Plätzen für unter Dreijährige. Eklatant ist die Situation in Giebel, wo nur drei Prozent der Kleinkinder einen Platz haben. Foto: Hemminger
In Weilimdorf mangelt es vor allem an Kita-Plätzen für unter Dreijährige. Eklatant ist die Situation in Giebel, wo nur drei Prozent der Kleinkinder einen Platz haben. Foto: Hemminger

Stuttgart-Weilimdorf - Weilimdorf ist der Stadtbezirk, in dem prozentual die meisten Kinder in Stuttgart leben. Der positive Statistikwert macht sich allerdings negativ bei der Betreuungssituation bemerkbar. Der Versorgungsgrad sowohl der Kinder unter drei Jahren als auch der Drei- bis Sechsjährigen liegt in Weilimdorf unter dem Durchschnittswert der Stadt. „Wir haben eine Situation, die nicht zufriedenstellend ist“, betonte Alexander Vecellio vom Jugendamt bei der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats.

Mit dem Ausbau der Kindertagesstätten hat die Stadt vor zwölf Jahren gezielt begonnen, berichtete der Jugendhilfeplaner. „Damals haben wir klein angefangen: Der Versorgungsgrad für unter Dreijährige lag bei acht Prozent. Über die Jahre hinweg ist er kontinuierlich angestiegen.“ Mittlerweile gibt es im stadtweiten Durchschnitt für jedes dritte Kleinkind einen Betreuungsplatz. Auch in Weil­imdorf stieg die Versorgungsrate, allerdings nur bis 2008. Dann stagnierte sie bei circa 24 Prozent. „Das ist zu wenig“, betonte Vecellio. Denn laut Wartelistenabgleich liegt der Bedarf in Weilimdorf bei 53 Prozent (Stand: 2012). Demnach fehlen 288 Betreuungsplätze für unter Dreijährige. Wenn geplante Neubauten oder die Erweiterung von Kitas einberechnet werden, sind immer noch circa hundert Kleinkinder ohne Betreuungsplatz. Berücksichtigt man Neubaugebiete, fehlen sogar rund 170 Plätze. Besonders gravierend ist die Situation in Giebel, wo lediglich drei Prozent der Kleinkinder einen Kita-Platz haben.

„Der große Sprung wird erst 2014 kommen“

Bei den drei- bis sechsjährigen Kindern ist die Situation etwas entspannter, wenngleich auch hier noch nicht alle Kinder versorgt sind: Mit 918 Plätzen lag der Versorgungsgrad im Vorjahr bei 95 Prozent. „Dass 50 Kinder vorgemerkt sind, zeigt, dass es noch zu wenig ist“, sagte Vecellio.

Trotz der dringlichen Lage und vor dem Hintergrund des Rechtsanspruchs, den Eltern von August an für die Betreuung ihrer Kleinkinder haben, wird sich kurzfristig nichts an der Situation ändern. „In diesem Jahr werden wir nicht mehr viele Plätze schaffen. Der große Sprung wird erst 2014 kommen“, sagte Vecellio. Dies sei nicht zufriedenstellend, „aber die Wahrheit“. Nächstes Jahr kommen neue Plätze hinzu, wenn die Fertigbauten an der Solitudestraße und am Sandbuckel in Betrieb genommen werden. Und auch im Jugendhaus in Giebel, das zurzeit neu gebaut wird, ist eine mehrgruppige Kindertagesstätte eingeplant.

Hohe Kinderzahl, fehlende Standorte und Immobilien

Dass die Versorgungsrate in Weilimdorf besonders schlecht ist, hängt nicht nur mit der hohen Kinderzahl zusammen. Ein weiterer Grund sind laut dem Jugendhilfeplaner fehlende Standorte und Immobilien, um Kitas auszubauen oder neuzugründen. Außerdem seien viele Halbtags- in Ganztagsplätze umgewandelt worden. „Dadurch haben wir an Qualität gewonnen, aber Plätze verloren“, erklärte Vecellio. Ferner gebe es kaum Anträge freier Träger, in Weil­imdorf eine Kita zu gründen.

Lösungsansätze sieht Vecellio zum einen darin, Horte in Kindertagesstätten umzuwandeln. Schließlich soll die Nachmittagsbetreuung von Schülern künftig an den Schulen selbst stattfinden. Darüber hinaus müsse versucht werden, bestehende Einrichtungen auszubauen. Und auch mit Wohnbaugesellschaften solle besser kooperiert werden, damit diese bei Neubauprojekten Betreuungsräume einplanen.

Gefragt sind leer stehende Wohnungen

Die Bezirksbeirätin Annekathrin Essig (Bündnis 90/Die Grünen) brachte ihren Unmut über die schlechte Betreuungssituation zum Ausdruck: „Die Versäumnisse aus den vergangenen Jahren fallen uns furchtbar auf die Füße“, sagte sie. Der Sozialdemokrat Eberhard Keller appellierte an die Stadt, zu schauen, wo neue Flächen für Kitas erschlossen werden könnten. Vecellio versicherte: „Fakt ist, wir sondieren mit den Kollegen vom Stadtplanungsamt neue Standorte.“

Die stellvertretende CDU-Bezirksbeirätin Waltraud Illner formulierte ihr Unverständnis darüber, dass für den beschlossenen Kita-Neubau an der Thaerstraße noch immer kein Baurecht besteht. Laut Vecellio wird der Neubau bis 2016 auf sich warten lassen, da das Bebauungsplanverfahren noch läuft. „Ich wünschte, es gäbe die Einrichtung schon. Es sind Sprünge, die wir damit machen“, betonte Vecellio.

Seine Kollegin Andrea Haizmann merkte an, dass das Jugendamt auf Tipps aus der Bevölkerung angewiesen sei; gefragt seien leer stehende Wohnungen, die sich für neue Kitas eignen könnten. Zur Personalsituation erklärte sie, dass der Stadt derzeit 206 Betreuer fehlten. Um die Situation zu verbessern, überprüfe die Verwaltung derzeit, ob ausländische Abschlüsse anerkannt werden können, „aber das kann das Jugendamt nicht alleine beschließen“. Zurzeit laufe eine „Hochphase an Bewerbungen“, allerdings könnten viele Erzieher erst im September eingestellt werden, wenn deren Ausbildung abgeschlossen ist.

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