Weitere Kreise
 
 

Welzheim Durchgangsstation zur Hölle

Frank Rodenhausen, 27.01.2013 19:00 Uhr

Welzheim - Genau 68 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers in Auschwitz am 27. Januar 1945 ist erstmals auch in Welzheim mit einer eigenen Veranstaltung der Opfer des Nationalsozialismus’ gedacht worden. Die Stadt, die sich gerne ihrer römischen Geschichte rühmt, hat auch eine dunkle Vergangenheit: Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) hatte von 1935 in einem ehemaligen Amtsgefängnis ein Durchgangslager eingerichtet. 15 000 Menschen aus der Region wurden via Welzheim in die Konzentrationslager geschickt, mindestens 63 Opfer wurden vor Ort gequält und ermordet.

Diese „Durchgangsstation zur Hölle“, wie sie Bürgermeister Thomas Bernlöhr am Sonntag bezeichnete, ist jetzt nicht nur in einer Ausstellung von Mitgliedern des Historischen Vereins dokumentiert worden („siehe „Spurensuche zum KZ Welzheim“), die Stadt hat am Sonntag auch erstmals zu einer offiziellen Gedenkveranstaltung eingeladen. In seiner Ansprache erinnerte der Regierungspräsident Johannes Schmalzl unter anderem an den Vaihinger Schneidermeister Eugen Banz, der nach seiner Kritik an den Nationalsozialisten 1936 festgenommen und nach Welzheim gebracht worden war. Fünf Monate lang wurde der als „stattlich“ beschriebene Banz dort misshandelt. Sechs Jahre später starb er als gebrochener Mann an den Folgen der Haft. Für Banz ist in Vaihingen, am Amtssitz des Regierungspräsidenten, ein Stolperstein verlegt worden. In Welzheim weist ein solches Mahnmal auf die Ermordung des Landwirts Friedrich Baumgärtner hin, der als „asoziales Element“ verhaftet und ins Konzentrationslager Flossenbürg gebracht worden war, wo man ihn am 21. Dezember 1940 umbrachte.

Es habe nicht nur die großen Konzentrationslager gegeben, sagte Schmalzl mit Verweis auf das KZ Welzheim. Das Durchgangslager sei die „zentrale Drehscheibe der polizeilichen Verfolgung in der Region Stuttgart“ gewesen, eine „Folterkammer und Exekutionsstätte. Für viele Menschen war Welzheim die Hölle auf Erden und Durchgangsstation in den Tod.“ Wer sich jeden Tag nur mit einem Menschen beschäftige, der dort Leid erfahren habe, wäre 40 Jahre lang beschäftigt, rechnete Schmalzl vor. Die Stadt handele verantwortungsvoll, so Schmalzl, weil sie nicht der Versuchung verfalle, dieses Kapitel einfach auszublenden. Die Dokumentation, die in der Ausstellung zu sehen ist, sei „mutig, richtig und wichtig“. Aus vielen Mosaiksteinen ein Gesamtbild zu erstellen und an die Vergangenheit zu erinnern, sei man nicht nur den Opfern schuldig. Jeder Gefahr einer Wiederholung müsse entgegen gewirkt werden. „Das Gewissen der Jungen zu schärfen, ist unser wichtigster gemeinsamer Auftrag für die Zukunft.“