Welzheim Training für den Caracallafeldzug

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Im August will die Welzheimer Römergruppe Numerus Brittonum die große Schlacht gegen die Germanen von vor 1800 Jahren nachspielen – mit möglichst authentischer Ausrüstung aber moderner Feldpostkommunikation.

Gaius Ioius Arrin macht sich bereit für den Abmarsch. Foto: Frank Eppler
Gaius Ioius Arrin macht sich bereit für den Abmarsch. Foto: Frank Eppler

Welzheim - Flavius Julius Pervincus ist zufrieden. „20 plus x“ Legionäre hat der Conquisitor für die Schlacht gegen die Germanen im Sommer bereits sicher angeworben. Rund 140 Kilometer werden sie zwischen Aalen und Osterburken zurücklegen müssen – zu Fuß oder bestenfalls auf dem Ross, ohne Trekkingschuhe oder anderen neumodischen Wanderkomfort. Die Numerus Brittonum wird die Aufgaben einer „explorativen Vorhut“ übernehmen. Teile der Truppe haben sich am Wochenende schon einmal vom Welzheimer Ostkastell an den Limes nach Aalen verlagert.

„Für einige ist es höchste Eisenbahn, jetzt ins Konditionstraining einzusteigen“, sagt Flavius Julius Pervincus, der mit bürgerlichem Namen eigentlich Andreas Schaaf heißt und als Gymnasiallehrer Geschichte und katholische Religion unterrichtet. Bis zu dem großen neuntägigen Event ist es nicht mehr lange hin. Vom 17. August an wollen die Welzheimer Hobbyrömer das 1800-Jahr-Jubiläum des Germanienfeldzugs des einstigen Kaisers Caracalla (siehe „Ein landesgeschichtlich bedeutsames Ereignis“ ) nicht bloß mit einer antiken Modenschau würdigen, sondern die Militäroperation möglichst authentisch nachvollziehen – sprich: sich in Kettenhemd und Sandalen auf den langen Weg machen.

Zehn bis 20 Kilometer wollen die historisch interessierten Männer und Frauen, die sich im richtigen Leben als Ingenieure, Ärzte, Lehrer oder Polizisten verdingen, pro Tag marschieren. Der Start ist am Aalener Limesmuseum, wo schon jetzt die Sonderausstellung „Caracalla – Kaiser, Tyrann, Feldherr“ zu sehen ist. In den Kommunen entlang der Strecke nach Osterburken sind im August weitere Begleitveranstaltungen geplant, die der Bevölkerung das Römerleben in der Zeit um das dritte Jahrhundert nach Christus veranschaulichen sollen. Die Welzheimer Truppe will jedem, der es sich zutraut, die Möglichkeit bieten, an dem Ereignis teilzuhaben. Jeder darf einzelne Etappen mitmarschieren. Via elektronischer Feldpost (Internetblog) wird zudem zeitnah aus den Lagern berichtet. Dank eines von den Legionären mitgeführten GPS-Senders kann man sich über aktuelle Position der Numerus Brittonum auch bequem von zu Hause aus am Computer auf dem Laufenden halten.

Ansonsten aber soll alles so sein wie vor 1800 Jahren. Schon bei der Verlagerung in den Ostalbkreis, die am Wochenende weitgehend ohne Beachtung der Öffentlichkeit vorgenommen wurde, war Authentizität oberste Pflicht. Und so beschränkte sich beispielsweise Gaius Ioius Arrin, der über die befreundete Populares Vindelicenses aus Augsburg zu der Welzheimer Truppe dazugestoßen war, nicht nur auf eine standesgemäße Infanterieausrüstung mit Panzerunterkleid, genagelten Lederschuhen, Helm und Langschwert. Der Informatik-Kaufmann, der mit richtigem Namen Tobias Vogel heißt, hatte sein Retikulum, ein Transportnetz am Ende seiner Furca genannten Tragestange römergemäß mit Dörrfleisch, Zwieback und Ersatzunterwäsche bestückt.

Die auf zwei Tage gestreckte Wanderung, die zunächst nach Lorch führte, sei als „Optimierungsmarsch“ zu verstehen, sagt denn auch Flavius Julius Pervincus. „Hier können wir noch einmal testen, wo der Helm am besten positioniert wird oder ob die Schuhe auch wirklich halten.“ Seit einem Jahr tüfteln Andreas Schaaf und sein Bruder Marcus, der Lateinlehrer, nun schon an dem Großereignis, und sie wollen offenkundig nichts dem Zufall überlassen. Die Probe für den Ernstfall haben übrigens alle trotz widriger Wetterbedingungen gut überstanden. Die Internetfeldpost meldet in ihrer ersten Bilanz: „Verlorene Nägel: 1. Getötete Barbaren: 438. Verluste: 0“.