Wendlingen 640 Quadratmeter Kunst erfreuen die Bahnreisenden

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Der Baumarkt Brändle hat seine Lagerhallenwand von dem bekannten Stuttgarter Künstler Marc C. Woehr gestalten lassen. Das Werk am Wendlinger Bahnhof ist 80 Meter lang und acht Meter hoch.

Die bunte Fassade  wertet das Wendlinger Stadtbild am Bahnhof auf. Foto: Horst Rudel
Die bunte Fassade wertet das Wendlinger Stadtbild am Bahnhof auf. Foto: Horst Rudel

Wendlingen - Das Warten auf den Zug ist im Bahnhof Wendlingen kurzweiliger geworden. Denn die Fahrgäste blicken neuerdings nicht mehr auf eine triste Riffelblechwand, sondern auf ein Kunstwerk, das allein schon wegen seiner Ausmaße außergewöhnlich ist. Auf rund 80 Metern Länge und acht Metern Höhe schmückt das Werk des Stuttgarter Künstlers Marc C. Woehr die Rückseite der Lagerhalle der Wendlinger Firma Brändle, eines Baustoff-Fachhändlers mit Baumarkt.

Es war eine glückliche Fügung, dass Markus Brändle, der das Unternehmen zusammen mit seinem Vater Horst führt, Marc C. Woehr vor einigen Jahren auf einer Vernissage kennen lernte. Zum einen war der Baumarkt-Chef von dessen Kunst angetan, zum anderen kam ihm die dem Wendlinger Bahnhof zugewandte Fassade seiner Lagerhalle in den Sinn. „Die war sehr hässlich“, räumt er diesen für seine Firma wenig repräsentablen Anblick ein. Und so kam es, dass Markus Brändle den international bekannten Künstler mit einem XXL-Werk beauftragte.

Ein 640 Quadratmeter großer Blickfang

Woehr ist unter anderem jährlich auf der Art Basel in Miami zu Gast, einer renommierten Kunstmesse für zeitgenössische Kunst. „Bei seinen großflächigen Objekten werden die architektonischen Formen vor die Wand gehängt und schweben quasi frei im Raum. An die Stelle des Bildträgers tritt die Wand, so dass die von Woehr konstruierten Architekturen direkt in den realen Raum eingebunden werden“, beschreibt die Kuratorin Kerstin Skrobanek Woehrs Arbeiten.Auch in Bezug auf die Farbgebung emanzipiere sich Woehr von der Malerei, indem er den Elementen ihre ursprüngliche Farbigkeit belasse.

Der Künstler selbst will mit seinem 640 Quadratmeter großen Blickfang einen „Beitrag zur städtebaulichen Entwicklung leisten, um einen Wohlfühleffekt bei den menschlichen Lebens- und Wohnbedürfnissen zu erzielen“. Aber auch sein künstlerisches Schaffen habe der Auftrag bereichert. Zwar habe er schon einige große Flächen bemalt, aber zu gestaltende Wände in dieser Größe gebe es in Deutschland „ganz selten, und hier im Ländle eigentlich gar nicht“, sagt Marc C. Woehr. „Ich wollte das mal gemacht haben.“

Aus Sicht des Wendlinger Bürgermeisters Steffen Weigel ist die Kunst am Bau rundum gelungen. Der Rathauschef war bei der Einweihung der Fassadenkunst „begeistert“, empfinde er sie doch als „Aufwertung des Stadtbilds“. Und der Firmenchef Markus Brändle freut sich gleichzeitig über den Werbeeffekt für sein Geschäft.

Lackfarben aus der Sprühdose

Allerdings seien einige Vorarbeiten nötig gewesen, ehe der Künstler habe Hand anlegen können. Ein spezielles Trägersystem musste an der Fassade angebracht werden, auf das dann die rund sechs Meter langen und nur zehn Zentimeter starken Aluminiumpaneelen aufgesteckt wurden. Das hatte sich Markus Brändle einfacher vorgestellt: „Ich dachte man schraubt da irgendwas dran und dann ist gut.“ Doch der Aufwand habe sich gelohnt, denn nun störten keine Fugen den Blick aufs Werk – es präsentiere sich als homogene Fläche.

Die zuvor grundierten Aluminiumelemente wurden zunächst auf das Trägersystem montiert und dann vor Ort von Marc C. Woehr mit Lackfarben aus der Sprühdose bemalt. Dieses Werk sei nicht nur sein bisher größtes, erklärt der Künstler. Es befinde sich zudem an einem „klasse Platz“. Jeden Tag schauten mehrere hundert Menschen auf die bunte Fläche unmittelbar hinterm Gleis. Der Standort sei geradezu ideal, nicht vergleichbar mit einem wenig öffentlichkeitswirksamen Platz „in irgendeinem Industriegebiet“, sagt Woehr.