Wettbewerbsbericht Bahn-Konkurrenten erobern mehr Marktanteile

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Gut zwanzig Jahre nach der Bahnreform sind die Anbieter im Schienenverkehr laut einer Studie gestiegen, die Angebote seien vielfältiger und besser geworden. Allerdings beherrsche die Deutsche Bahn weiterhin häufig die Szene.

Der Wettbewerb hat nach Einschätzung der Experten das System Schiene vorangebracht. Foto: dpa
Der Wettbewerb hat nach Einschätzung der Experten das System Schiene vorangebracht. Foto: dpa

Berlin - Während die bundeseigene Deutsche Bahn (DB) als ehemaliger Monopolist immer größere Ertragsprobleme bekommt, erobern ihre Konkurrenten zusehends lukrative Teile des Marktes. Das zeigt der neue Wettbewerbsbericht des Verbands Mofair und des Netzwerks Europäische Eisenbahnen (NEE), der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Die beauftragten Institute KCW und Prognos ziehen gut zwanzig Jahre nach der Bahnreform ein überwiegend positives Fazit. Die Zahl der Anbieter sei gestiegen, die Angebote seien vielfältiger und besser geworden. Allerdings beherrsche das Staatsunternehmen DB weiterhin häufig die Szene. Deshalb müssten die Bundesregierung und die Europäische Union „noch intensiver“ für faire Wettbewerbsbedingungen sorgen, fordern NEE-Chef Ludolf Kerkeling und Mofair-Vorstand Christian Paschen. Nicht mehr der Schutz der Staatsunternehmen dürfe in Ländern wie Deutschland und Frankreich im Vordergrund stehen.

Besonders im Regionalverkehr hat die Bahn verloren

Der Wettbewerb hat nach Einschätzung der Experten das System Schiene vorangebracht. So sei der Güterverkehr allein seit 2002 um 40 Prozent gewachsen und im Personennahverkehr seit 1994 um 38 Prozent. Das Wachstum werde vor allem von den DB-Konkurrenten getragen, deren Marktanteil inzwischen auf ein Drittel im Güterverkehr und knapp 30 Prozent im Nahverkehr geklettert sei. Nur der Fernverkehr auf der Schiene stagniere. Hier beherrsche die DB noch den Markt mit ihren ICE- und IC-Zügen fast komplett, und es gebe nur noch drei andere Anbieter.

Besonders im Regionalverkehr, den die Länder ausschreiben, bestellen und mit Bundesmitteln bezahlen, hat die Bahn in den letzten Jahren reihenweise lukrative Strecken ganz oder teilweise verloren. Allein in diesem Jahr wuchs der Marktanteil der Konkurrenten von 27,1 auf 29,3 Prozent. Fast drei Viertel des Verkehrsvolumens ist inzwischen im Wettbewerb neu vergeben worden, zeitweise zog die DB bei zwei Dritteln der Ausschreibungen den Kürzeren. Nur im sehr profitablen Sektor der städtischen S-Bahnen dominiert noch der Platzhirsch. Doch auch hier bröckelt die Vormachtstellung. In Nürnberg hat sich der britische Konzern National Express auf ganzer Linie gegen die DB durchgesetzt. Der Staatskonzern hat die Entscheidung aber vor Gericht erfolgreich angefochten und die Vergabe bleibt vorerst in der Schwebe.

Sehr erfolgreich sind DB-Konkurrenten im Güterverkehr

Im Fernverkehr, den die Anbieter ohne Zuschüsse betreiben müssen, sind dagegen bisher die meisten Versuche gescheitert, der DB Paroli zu bieten. Von zehn Anbietern, die seit der Jahrtausendwende antraten, sind mit dem Berlin Night Express, dem Harz-Berlin-Express und dem Hamburg-Köln-Express nur noch drei übrig. Zuletzt gab Veolia die Verbindung Leipzig– Berlin–Rostock auf.

Inzwischen sind aber neue Versuche angekündigt. Das Berliner Unternehmen Locomore, das vor drei Jahren bereits den Hamburg-Köln-Express initiiert hat, will von September 2016 an einen täglichen Fernzug zwischen Stuttgart und Berlin starten. Das Projekt soll auch durch eine Crowdfunding-Kampagne im Internet finanziert werden. Weitere Strecken seien geplant. Große Pläne hat auch das Heilbronner Unternehmen „der Schnellzug.de GmbH“, das am 18. März 2016 zwei neue Linien von Stuttgart nach Hamburg sowie nach Aachen starten will und im Internet „zeitgemäße Service-Angebote“ verspricht.

Sehr erfolgreich sind DB-Konkurrenten im Güterverkehr. Seit 2002 wurde die Transportleistung verzehnfacht, der dritte Frachtzug wird inzwischen von einer Wettbewerbsbahn gefahren. Die DB-Gütersparte fährt dagegen in den roten Zahlen und steckt tief in der Krise. Bahn-Chef Rüdiger Grube will deshalb zahlreiche Jobs und Teile des Angebots streichen.