Krimikolumne

Yann Sola: „Gefährliche Ernte“ Bärbeißiger Schnüffler mit weichem Herzen

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Yann Solas bärbeißiger Detektiv wider Willen Perez muss wieder ermitteln: In „Gefährliche Ernte“ liegt eine Leiche im Weinberg seines Großvaters und Perez’ Welt droht, aus den Fugen zu geraten.

Die französischen Küsten sind nicht nur herrliche Urlaubsregionen, sondern taugen auch bestens als Kulissen für spannende Krimis. Foto: Archiv
Die französischen Küsten sind nicht nur herrliche Urlaubsregionen, sondern taugen auch bestens als Kulissen für spannende Krimis.Foto: Archiv

Côte Vermeille - Es sind Sommerferien und die Côte Vermeille, Frankreichs südwestlichster Zipfel, wird von Urlaubern aus dem Norden überschwemmt. Allein das genügt bereits, dem Delikatessenschmuggler und Lebemann Perez die Laune nachhaltig zu verderben. Doch überdies hat seine innig geliebte Tochter beschlossen, einen Trottel zu heiraten. Als dann auch noch im Weinberg von Perez’ Vater ein Toter gefunden wird, reißt Perez der Geduldsfaden – sein größtes Geheimnis, die Herkunft des sagenumwobenen und sündhaft teuren Weins „Creus“, droht enthüllt zu werden. Perez nimmt die Sache in die Hand.

Seine Ermittlungen führen ihn alsbald in den Drogensumpfs Südfrankreichs und in die stickigen Auffanglager für Flüchtlinge. Vor dem Hintergrund der europäischen Flüchtlingskrise entfaltet sich eine Geschichte, die von der großen Politik bis zur persönlichen Familientragödie reicht, in der auch Perez manche innere Überzeugung auf den Prüfstand stellen muss.

Zunächst einmal reiht sich Yann Solas zweiter Südfrankreich-Krimi um Perez ein in die Reihe der vielen regional verankerten Krimis, die ihren Weg vor allem in die Koffer und Reisetaschen leselustiger Urlauber finden. Was „Gefährliche Ernte“ von der Massenproduktion angenehm unterscheidet, ist der Schnüffler: Perez ist nicht mehr der Jüngste, hatte auch schon mehr Haare, dafür aber einen runden Bauch, den er mit seinen Delikatessen, die er zwischen Spanien und Frankreich schmuggelt, hübsch pflegt. Perez säuft, frisst und grantelt, dass es eine Freude ist.

Aktiv wird Perez eigentlich nur, wenn seinen zwielichtigen Geschäften nachhaltiges Umgemach droht. Dann beweist er aber, dass er das Herz auf dem rechten Fleck hat. Den Rest besorgt das ordentliche Quäntchen Misstrauen gegenüber jeglicher staatlichen Obrigkeit, zumal, wenn sie aus dem hohen Norden kommt. Da findet Perez dann Lösungen, die zwar nicht immer lupenrein gesetzeskonform sind, dafür aber dem gesunden Menschenverstand folgen.

Yann Sola: „Gefährliche Ernte“: Ein Südfrankreich-Krimi. Kiepenheuer & Witsch Köln 2017. Broschiert, 352 Seiten, 9,99 Euro. Auch als E-Book, 9,99 Euro.