Youtube-Stewardess im Interview Der besondere Schwaben-Service

Von Kai Rixecker 

Eine Stewardess überraschte ihre Fluggäste mit einer Bordansage auf Schwäbisch - und wurde zum Youtube-Star. Wir haben mit ihr gesprochen.  

Stewardessen der Fluglinie Air Berlin haben ihre Bordgäste mit ungewöhnlichen Durchsagen überrascht. Foto: dpa
Stewardessen der Fluglinie Air Berlin haben ihre Bordgäste mit ungewöhnlichen Durchsagen überrascht.Foto: dpa

Stuttgart - Eine Überraschung haben Fluggäste der Linie Air Berlin erlebt, als sie in Stuttgart gelandet sind. Flugbegleiterin Michaela Bahnmüller verabschiedete sie in schwäbischer Mundart. Ein Fluggast hat dies gefilmt und auf der Videoplattform Youtube ins Internet gestellt. Das Video sorgt mittlerweile für Furore.

Frau Bahnmüller, können Sie eigentlich auch Hochdeutsch?

Ich gebe auf jeden Fall immer mein Bestes.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Borddurchsage auf Schwäbisch zu machen?

Das war eine relativ spontane Aktion. Während wir einen Aufenthalt zwischen zwei Flügen hatten, habe ich mir mit meiner Kollegin Christina Payr gedacht, dass wir auch mal eine Durchsage auf Schwäbisch machen könnten. In Hamburg müssen wir uns schließlich anstrengen, Hochdeutsch zu reden, damit uns die Fluggäste verstehen. Und jetzt wollten wir mal unseren schwäbischen Gästen einen besonderen Service bieten. Schwäbisch ist ja so was wie unsere Muttersprache. Seitdem haben wir die Ansage abwechselnd ein paar Mal gemacht.

Haben Sie persönliche Reaktionen von den Bordgästen bekommen?

Fast jedes Mal. Die Leute sind begeistert, müssen lachen und sagen: „Das sollte viel öfter gemacht werden.“

Gibt es auch negative Rückmeldungen?

Es gibt immer wieder Leute, die sagen, der schwäbische Akzent sei nicht der schönste. Wenn es aber 95 Prozent der Fluggäste gefällt, ist es für uns ein Erfolg.

 

 

Und wie reagieren Arbeitskollegen?

Ausschließlich positiv. Wir sprechen das vorher aber im Team ab, wenn wir eine Borddurchsage auf Schwäbisch machen wollen. Denn die Kollegen aus Hamburg oder Berlin kennen die schwäbische Durchsage ja nicht.

In Amerika tragen die Flugbegleiter ihre Bordansagen teilweise als Rap vor. Wollen Sie Ihr Repertoire künftig noch erweitern?

Bei Air Berlin steht die Sicherheit im Vordergrund. Wenn man sich auf diese Weise präsentiert, nehmen einen die Fluggäste nicht mehr ernst. Die Ansage auf Schwäbisch ist einfach als lustige Aktion nach dem Flug gedacht. Wir machen diese Bordansage auch nur, wenn überwiegend schwäbische Fluggäste an Bord sind und immer auf Hochdeutsch und Englisch zuerst, damit uns alle Fluggäste verstehen.

Sie sind aktuell die Flugbegleiterin von Air Berlin, über die am meisten geredet wird.

Dass es so hohe Wellen schlägt, konnten meine Kollegin und ich uns nicht vorstellen. Das hat uns positiv überrascht.

 

  Artikel teilen
7 KommentareKommentar schreiben

schwäbisch: Ich lebe schon seit 17 Jahren in Australien und unterrichte Deutsch als Fremdsprache. Deutsch ist meine Muttersprache aber schwäbisch kommt vom Herzen. Ich werde es nimmer müde, den Leuten hier von meinem Dialekt zu erzählen, der damit verbundenen Kultur und den Eigenheiten der Schwaben. Mein Sohn, der hier aufwuchs, sieht sich als Schwabe und wir sind stolz auf die Fähigkeit noch einen Dialekt sprechen zu können. Es ist schade, wenn ich Schüler treffe, die aus verschiedenen Gegenden Deutschland's oder Österreich kommen und ihren Dialekt nicht mehr sprechen können. Sollten wir nicht alles tun, um unsere Kultur und Sprache zu erhalten? Es ist ein Bonus einen Dialekt zu sprechen!

Oifach schee: Oifach Schee ond herzerfrischend. So macht`s Schbass em Schwobalendle. Weidr so Mädla. An scheena Sondag eich alle !

Der besondere Schwaben-Service: Super, einfach s u p e r !!!

Seltsam ....: In der Schweiz ist es ganz normal, dass man Dialekt spricht. Da schämt man sich auch nicht, wenn man das im Radio ebenso spricht. Dort hat man halt noch Tradition und Kultur. Wenn man hier aber selbst beim Ländle-Senioren-Radio (4. Programm eines großen hießigen Rundfunksenders) auch schon englische Hits spielt, kanns ja hierzulande mit der Kultur nicht weit her sein. Eigentlich sollte man ja Traditionen pflegen. Bei Aufenthalten in München wundert es mich zunehmend, dass z.B. in der U-Bahn kein Bayrisch geredet wird. Außer der altgediente Triebfahrzeugführer beherrscht den Dialekt noch und ab und zu kann man dann doch noch ein paar Brocken davon bei der Ansage 'aufschnappen'. Ich finde es also ganz normal, wenn man in Stuttgart gelandet ist, dass man dann auch in schwäbisch verabschiedet wird. Auf alle fälle besser als '... senk ju for trewweling wiss tscherman bundesbahhn ...'

Dialekte: ...Es gibt immer wieder Leute, die sagen, der schwäbische Akzent sei nicht der schönste.... Ich hab die Erfahrung gemacht, dass solche Sätze meist von Leuten kommen, die überhaupt keinen Dialekt sprechen. Wer keinen Dialekt spricht, kann wahrscheinlich auch nur schwer nachvollziehen, was andere Menschen mit Dialekt (also einer Nicht-Standard-Sprache) verbinden. Dialekt hat immer auch etwas mit Emotionen und Heimatgefühl zu tun. So gesehen, finde ich es ziemlich dumm, wenn sich jemand ein Urteil über die 'Schönheit' von Dialekten erlaubt. Für mich als Schwabe klingt schwäbisch wie Musik. Genauso gut kann ich aber auch nachvollziehen, was ein Bayer beim Reden von Bayrisch, oder ein Sachse beim Reden von Sächsisch empfindet. Dialekt ist schön, ganz gleich welcher es ist.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.