Zeitung in der Schule: Gymnasium Rutesheim Baseball in der Karibik

Von Fridolin Fink 

Vier junge Spitzensportler verbringen drei Monate in der Karibik, um den amerikanischen Sport Baseball auszuüben. Sie leben in dieser Zeit recht autonom, das gefällt ihnen zwar – bedeutet aber auch viel Verantwortung.

Diese Stars  hat der Baseball-Nachwuchs ganz bestimmt zum Vorbild: Anfang November haben die Chicago Cubs die Cleveland Indians besiegt und die Baseball-World-Series gewonnen. Foto: DPA
Diese Stars hat der Baseball-Nachwuchs ganz bestimmt zum Vorbild: Anfang November haben die Chicago Cubs die Cleveland Indians besiegt und die Baseball-World-Series gewonnen. Foto: DPA

Rutesheim - Der 15 Jahre alte Spitzensportler Jonas v.B. verbringt mit drei anderen deutschen Baseballspielern drei Monate in der Dominikanischen Republik, in einer Stadt mit circa 22 000 Einwohnern. Boca Chica ist 30 Kilometer von der Hauptstadt Santo Domingo entfernt. Das Land ist dafür bekannt, dass die Kinder sehr früh mit dem Baseballspielen anfangen und von klein an jeden Tag trainieren, da es die einzige Möglichkeit ist, der Armut zu entfliehen. Daher ist das Niveau entsprechend hoch für die vier Deutschen Spitzensportler. Die vier Jungs trainieren zusammen mit zehn dominikanischen Baseballspielern in der Baseballakademie „Baron“ Cedano. Zwei Mal die Woche trainieren sie in dieser Akademie, vier Mal in der Woche gehen sie abends in das „Gym“ (Fitnessstudio) und drei bis vier Mal in der Woche trainieren sie auf dem Platz. Trainiert wird zwischen Palmen und Bananenstauden. Jonas erzählt, dass überall Hühner und Gänse frei herum laufen. Versorgt werden die vier von einem dominikanischen Mann mit Namen Pedro „Tatao“ Castillo. Er hat ihnen die Wohnung renoviert sodass sie wenigstens einigermaßen den deutschen Wohnungen gleicht. Jonas und die drei anderen Jungs werden von Tataos Frau bekocht. Die Dominikanische Republik ist ein sehr armes Land. Jonas erzählte, dass man das Wasser aus dem Wasserhahn nicht trinken sollte, da es sehr verschmutzt sei. Auf den Spielfeldern würde im Outfield (hinterer Bereich eines Baseballfeldes) Müll liegen und an einem Tag fanden sie sogar eine tote Katze mitten auf dem Feld. Für die vier Jungs, die alle ein Jahr zuvor schon dort mit der Nationalmannschaft angereist sind, waren natürlich zuerst geschockt, unter welchen Bedingungen die Menschen dort leben müssen, und verstehen jetzt auch warum die Dominikaner sich so anstrengen. Die Einheimischen stehen sehr unter Druck, da professioneller Baseball oft der einzige Weg aus der Armut sei. Auf der Website der Deutschen Baseball Akademie werden regelmäßig Berichte aus dem Alltag gepostet, geschrieben von den vier Jungs.

Spanischlernen als Pflichtübung

Drei Monate Schulausfall müssen natürlich ersetzt werden. Die vier Jungs haben täglich Spanischunterricht. Da keiner der Menschen dort deutsch kann, müssen sie sich auf Spanisch unterhalten. „Am Anfang war das sehr kompliziert und man musste mit Zeichensprache kommunizieren, aber nach einer kurzen Zeit und einem täglichen Spanischunterricht war alles gut“, erzählt Jonas. Der Spanischunterricht ist allerdings auch nicht so leicht für die Teenager. Anstatt Deutsch-Spanisch wird der Deutsche Teil durch Englisch ersetzt. Damit werden gleich zwei Unterrichtsfächer gedeckt. „Wir Deutschen können echt froh sein, dass wir zur Schule gehen dürfen. Die meisten Dominikaner können gar nicht zur Schule gehen“, erzählt einer der anderen Sportler in einem Interview.

„Der Vorteil dieses dreimonatigen Monatsaufenthaltes im Winter ist, dass Boca Chica einfach ein Baseball Hotspot ist“, steht auf der Internetseite der Deutschen Baseball Akademie. Der Trainer der deutschen Nationalmannschaft und Leiter der Deutschen Baseball Akademie besuchte die vier kurz nachdem sie angekommen waren, um sich nach ihrem Wohlergehen zu erkundigen. „Ich habe mich davon überzeugt, dass die Jungs angemessen, sicher und bequem wohnen, gut essen und jeden Tag von einem jungen Lehrer Spanisch Unterricht erhalten“, schreibt er stolz auf seiner Internetseite. Dort wurden auch Bilder der vier Jungs und ihrem spannenden Abenteuer veröffentlicht.

Jonas in der Karibik

Die Kinder lernen dort, sich um sich selbst zu sorgen. Sie tragen eine große Selbstverantwortung. Zwar ist dort ein Aufpasser, doch er ersetzt die Eltern kaum. Nach einem Interview mit unserem Spitzensportler Jonas wird klar, dass er und die drei anderen durch diese Erfahrung sehr erwachsen geworden sind:

Wie bist du zu dieser Idee gekommen, einen dreimonatigen Aufenthalt in der Dominikanischen Republik, einem so entfernten Land zu machen?
Mein Nationalmannschaftstrainer hat mich drauf angesprochen, nachdem wir davor schon in der Karibik waren.
Vermisst du manchmal deine Familie und Freunde aus Deutschland?
Ja, ein bisschen, aber es ist toll hier zu sein, dass ich gerne noch etwas länger bleiben würde. Es gibt jedoch ein paar Momente, in denen ich einfach keine Lust mehr habe und nur noch nach Hause will.
Würdest du die ganze Reise später nochmal machen wollen?
Ja, auf jeden Fall. Ich kann es auch nur jedem weiter empfehlen. Jeder, der eine Chance hat so etwas zu machen, sollte sie auf jeden Fall ergreifen.
Was ist das erste was du machst, wenn du nach Hause kommst?
Ich habe schon mit meiner Mutter ausgemacht, dass ich mit meiner ganzen Familie in ein typisches schwäbisches Restaurant gehe und wieder etwas Deutsches zum Essen bekomme.
Was hast du alles bisher gelernt?
Auf jeden Fall habe ich viel rund um das Baseball gelernt. Durch die Heimatsprache habe ich dort sehr viel Spanisch geredet. Außerdem habe ich selber gelernt, mehr auf sich selber auf zu passen, und mich um mich selber zu kümmern.
Wie sind deine Mitspieler mit dir ausgekommen und wie bist du mit ihnen ausgekommen?
Die Dominikaner sind alle sehr nett und sehr freundlich. Am Anfang sind ihre Sitten ungewöhnlich aber man gewöhnt sich dran.
Was meinst du mit ungewöhnlich?
Ins Training sind wir zum Beispiel zu viert auf einem Motorrad gefahren. In Deutschland würde keiner auf die Idee kommen, überhaupt ohne Helm zu fahren. Irgendwann war dann auch der Tank leer aber unser Fahrer blieb ruhig und füllte aus einem anderen Motorrad Benzin mit Hilfe einer Flasche ab.
Wie war es bei der Ankunft für dich?
Als wir in der Wohnung angekommen sind, und man gesehen hatte wie sehr sie her runter gekommen war, und man zum Beispiel das Wasser nicht aus dem Wasserhahn trinken konnte, war es ein komisches Gefühl, wenn man daran dachte, dass man nun drei Monate dort verbringen würde.