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Daimler will sparen

Sindelfingen droht Verlust der C-Klasse

Harry Pretzlaff, veröffentlicht am 23.09.2009
Foto: dpa

Sindelfingen - Bei Daimler droht ein heißer Herbst. Mitten in der härtesten Branchenkrise der Nachkriegszeit wird eine Entscheidung vorbereitet, die zu einem Stellenabbau in Sindelfingen und Bremen führen könnte. Das Management erwägt, die Fertigung der C-Klasse in Sindelfingen einzustellen und diese volumenstärkste Baureihe der Nobelmarke zusätzlich im US-Werk Tuscaloosa vom Band laufen zu lassen. Bremen würde damit zum einzigen deutschen Standort, an dem die C-Klasse produziert wird. Damit könnten die schlimmsten Befürchtungen des Betriebsrats Wirklichkeit werden. Die Arbeitnehmervertreter haben bereits vor dramatischen Folgen für die Beschäftigung gewarnt und einer Verlagerung eine klare Absage erteilt. Sie treibt die Sorge um, dass die deutschen Standorte ohnehin nicht ausgelastet werden können.


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Mit der Produktion der C-Klasse in Amerika will das Unternehmen Kostenvorteile nutzen und unabhängiger von Schwankungen des Dollarkurses werden. Nach internen Berechnungen betragen die Lohnkosten je Stunde in Amerika umgerechnet etwa 30 Euro, in Sindelfingen dagegen rund 54 Euro. Weil auch Frachtkosten und anderes gespart werden können, werden die Einsparungen je Auto bei einer US-Produktion auf 1200 bis 1500 Euro geschätzt. Ob eine Verlagerung beschlossen wird, hängt unter anderem davon ab, wie das Management die weitere Entwicklung des Dollarkurses einschätzt. Wenn der Dollar wieder deutlich stärker würde, wäre eine Verlagerung weniger attraktiv. Daimler hält es bei einem Dollarkurs von 1,50 Euro bis 1,60 für schwierig, mit den aus Deutschland exportierten Wagen der C-Klasse auf dem US-Markt Geld zu verdienen.

Noch sind die Vorbereitungen zur Standortwahl bei Daimler nicht abgeschlossen, nach StZ-Informationen dürfte die Entscheidung nach derzeitigem Stand knapp ausfallen, wenn allein die Kosten betrachtet werden. Offen ist jedoch derzeit, wie das Management die strategische längerfristige Bedeutung einer verstärkten Produktion in den Vereinigten Staaten einschätzt. Das Unternehmen rechnet damit, dass der US-Markt nach einigen Krisenjahren wieder stärker wachsen wird als der westeuropäische Markt. Ein Ausbau der Produktion auf dem US-Markt könnte dem Verkauf dort zusätzliche Impulse geben.

Um den Stellenabbau in Sindelfingen zu dämpfen, wird erwogen, die Fertigung des Edelroadsters Mercedes-Benz SL von Bremen nach Sindelfingen zu verlagern. Bremen ist heute bereits der wichtigste Standort für die C-Klasse. Dort laufen täglich rund 1000 Wagen dieser Baureihe vom Band. In Sindelfingen ist es etwa ein Drittel weniger. Nach dieser Umverteilung der Fertigung müssten nach den Berechnungen des Unternehmens jeweils 1200 Stellen an beiden Standorten gestrichen werden. Das Unternehmen glaubt, dies ohne Kündigungen bewältigen zu können.


Kommentare (1)
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Joe,
23.09.2009
Der US-Markt
ist nicht nur für einige Jahre tot. Anscheinend denkt man in Untertürkheim, daß die USA in das alte Verschuldungs-Muster zurückfallen werden.
Sie werden es definitiv nicht und die mittlerweile 35 Millionen Nahrungsmittelkartenempfänger werden so schnell keine C-Klasse kaufen.
Es ist erstaunlich, wie die Öffentlichkeit belogen wird - den Automobilmanagern nehme ich diese Marktblindheit einfach nicht mehr ab.
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