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Zwischenfall bei Montagsdemo

Thomas Braun, veröffentlicht am 17.11.2009
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Die Demonstration der Projektgegner ist nicht angemeldet gewesen. Foto: Rudel

Stuttgart - Seit einigen Wochen versammeln sie sich jeden Montagabend um 18 Uhr vor dem Nordausgang des Hauptbahnhofs - ein kleines, aber zahlreicher werdendes Häuflein von Stuttgart-21-Gegnern. Im Internet haben sie zur spontanen "Montagsdemonstration" aufgerufen: Anfangs kamen nur vier, eine Woche später waren es 40 Bürger, die an der Mahnwache gegen das ihrer Ansicht nach überflüssige und teure Milliardenvorhaben teilnahmen. Gestern kamen bei nasskaltem Wetter circa 150 bis 200 Leute, um ihrem Protest gegen das Bahnprojekt zu zeigen.


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Der Montag als Demonstrationstag hat in Deutschland Tradition: Die erste fand am 4. September 1989 in Leipzig statt und markierte den Anfang vom Ende der DDR. Zehntausende wendeten sich öffentlich gegen das SED-Regime, forderten Reisefreiheit und ließen sich auch von den Sicherheitskräften nicht abschrecken, die teilweise gewaltsam gegen die Systemgegner vorgingen. Die Hartz-IV-Gegner griffen 2004 die Tradition der Montagsdemos wieder auf, um gegen Sozialabbau und die Kürzungspolitik der rot-grünen Bundesregierung zu protestieren. Auch damals gingen punktuell Hunderttausende auf die Straße.

Jetzt also geht's eben montags gegen Stuttgart 21: Mit Lampions, Transparenten und einer gehörigen Portion Frust gegen die Obrigkeit im Bauch stehen die Menschen am Nordausgang des Bahnhofs - wie seit vier Wochen schon. Doch diesmal hat offenbar der Hausherr, die Deutsche Bahn, etwas dagegen. Polizei rückt an. "Wer ist hier der Versammlungsleiter?", fragt der Einsatzleiter und steuert schnurstracks auf den SÖS-Stadtrat Gangolf Stocker zu. Der Beamte fordert dazu auf, die nicht angemeldete Demonstration auf den Kurt-Georg-Kiesinger-Platz vor die LBBW-Zentrale zu verlegen, doch die Demonstranten stellen sich taub. "Von einem Milliardengrab zum nächsten", frotzelt einer.

Zehn Minuten vor Ende der halbstündigen Veranstaltung greift die Polizei durch: Eine ältere Dame wird von zwei Polizisten abgeführt, weil sie sich weigert, ihre Personalien feststellen zu lassen. Gellende Hilfeschreie der Umstehenden sollen die Dramatik des Augenblicks dokumentieren. Unterdessen beschweren sich Taxifahrer, dass die Kundschaft durch die Demonstranten abgeschreckt werde. Um 18.30 Uhr ziehen Stocker, sein Fraktionskollege Hannes Rockenbauch, der SPD-Exbundestagsabgeordnete Peter Conradi und die anderen von dannen. Die Hoffnung auf einen öffentlichen Massenprotest gegen Stuttgart 21 hat sich nicht erfüllt, doch nächsten Montag werden sie wohl wieder kommen - und die Polizei aller Voraussicht nach auch.


Kommentare (81)
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RML,
08.12.2009
@neigschmeggtr
Zu ihrer Info:
Solche Projekte müssen gesetzlich europaweit ausgeschrieben werden.
Da werden es deutsche bzw regionale Firmen schwer haben.

Man kann davon ausgehen, dass S21 der Region wenig bringt, jedoch viel kostet ( siehe Kostenexplosion)..
Ob dass den nachkommenden Generationen gegenüber gerecht ist darf bezweifelt werden....
Zumindest der Raubbau am Hauptbahnhof ist für das Kulturerbe eine Schande!!!!
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