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(T)Raumschiff Surprise

Drei Tunten im Weltall

Rupert Koppold, veröffentlicht am 22.07.2004
Filmbeschreibung
Als wär’s der Auftakt zu einem Action-Thriller, genauer: als wär’s der Auftakt zu einer martialischen Jerry-Bruckheimer-Produktion. Wüste von Nevada, geheime US-Militärbasis. Rasante Fahrten, dynamische Schnitte, wummernder Sound. Ein General mit seiner Entourage im raschen Vorwärtsgang, unterwegs zu einem Hangar. Etwas Unerklärliches ist vorgefallen, wird ihm unterwegs eilig erklärt. In dem Raum, der nun geöffnet werde, befinde sich ein fremdes Lebewesen. Und die Tür geht auf, der General schaut konsterniert, und ein in lila Uniform steckender Michael "Bully" Herbig als Mr. Spuck schaut zurück, zieht eine Schnute und fragt tuntig pikiert: "Was schaust so blöööd?"

Dreihundert Jahre später hat sich an Mr. Spucks tuntigem Tonfall nichts geändert. Bloß stimmen nun auch noch Käpt’n Kork (Christian Tramitz in Orange) und Schrotty (Rick Kavanian in Grün) mit ein. Das Trio trainiert auf dem Raumschiff Surprise gerade für die Miss-Waikiki-Wahl, es trippelt auf Laufbändchen rum, trällert im Aloha-Stil (Songs: Stephan Raab) und tratscht in oberbayerischem Dialekt über niedere Themen. "Du hast dich doch bloß hochgebumst", sagt der eifersüchtige Mr. Spuck zu Käpt’n Kork, mit dem ihn mehr als nur ein Dienstverhältnis zu verbinden scheint. Er sagt außerdem, nun aber eher zu uns: "Ich freu mich schon aufs Fiebermessen!" Und schnell und heimlich steckt er sich ein Thermometer mit Vibrationsanzeige rein.

Aber nun müssen Mr. Spuck, Käpt’n Kork und Schrotty die Erde retten, die angegriffen wird von einem "Kampfkeksgeschwader" unter dem Kommando des sächselnden Lord Jens Maul (Rick Kavanian in Schwarz), der unter seinem Helm wie Hitler aussieht, allerdings kein Schnurrbärtchen trägt, sondern dieses nur mitspielt. Im hohen Rat sagt Königin Metapha (Anja Kling) inzwischen tapfer, man dürfe jetzt "den Sand nicht in den Kopf stecken", und schon braust auch das zur Rettung auserkorene Tuntentrio heran, allerdings nicht in der Surprise, sondern im gelben Weltraumtaxi des männlich markanten Rock (Til Schweiger), das ein Zitat aus Luc Bessons Science-Fiction-Abenteuer "Das fünfte Element" ist und auf dem Weg zur Erde noch schnell ein Zitat aus einer der neueren "Star-Wars"-Episoden durchrast.

Und nicht nur diese wilde Verfolgungsjagd über Felszacken hinweg und durch Schluchten hindurch sieht mit ihren aufwendigen computergenerierten Bildern und Special Effects fast so aus, als wäre sie direkt aus den Vorbildern übernommen worden. Das Feld - beziehungsweise das Weltall - ist in diesem Film also optisch bestens bereitet für eine Parodie - aber es wird dann seltsamerweise wenig beackert. Während Mel Brooks 1987 in seiner "Star-Wars"-Parodie "Spaceballs" schon mit dem nicht enden wollenden Einschweben eines gigantischen Raumschiffs ein visueller Gag gelang, der sich stetig steigerte, pappt Michael "Bully" Herbig seiner Surprise bei deren vergleichsweise superkurzem ersten Auftritt mit dem Schild "Long Vehicle" nur eine kleine und nicht mal besonders komische Pointe an.

So müssten also Mr. Spuck, Käpt’n Kork und Schrotty die Enterprise-Parodie herbeireden und -agieren. Aber merkwürdigerweise passiert auch das nicht: Bully Herbig zeigt sich weder als Autor noch als Regisseur, noch als Mr. Spuck an den Charakteren der alten Raumschiffsaga interessiert. Es werden hier also nicht die Marotten von Mr. Spock, Captain Kirk und Scotty in parodistischer Überzeichnung vorgeführt, sondern nur ein sozusagen frei schwebendes Schwuchteln in eher zufällig gewählten Enterprise-Kostümen. "Die Mädels", so nennt Rock das trashig-tuntige Duo Mr. Spuck und Käpt’n Kork (Schrotty geht zwischendurch mal verloren), mit dem er und Königin Metapha bald per Plüschsofa auf Zeitreise gehen.

Könnte das nicht auch ganz lustig werden? Einfach mal ohne parodistische Absichten herumtunten, mit Gesprächen über Käsesahnetorten oder, so wörtlich, mit "Nasenbohren und Eierschaukeln"? Nein, es wird leider nicht besonders lustig, und das liegt unter anderem daran, dass hier mindestens eine Tunte zu viel herumgiggelt. In Herbigs Vorgängerfilm "Der Schuh des Manitu" - übrigens viel näher dran an den Karl-May-Adaptionen als "(T)Raumschiff Surprise" an "Raumschiff Enterprise" - wurden die sexuellen Orientierungen der Helden zwar auch Thema. Aber Christian Tramitz beispielsweise spielte seine Old-Shatterhand-Figur zumindest an der Oberfläche eher "straight", also heterosexuell. Als Käpt’n Kork aber ist Tramitz nicht mehr Kontrast zu "Bully" Herbig, sondern nur noch dessen Verdoppelung. Für ein Komikerpaar aber hat das fatale Folgen: Es ist halt nicht mehr komisch.

Das heißt: es ist für ein Publikum in einem bestimmten Alter vielleicht doch ein bisschen komisch. Die Altersfreigabe lautet dann auch: ab sechs! Michael "Bully" Herbig inszeniert hier nämlich, mehr noch als im "Schuh des Manitu", einen Rücksturz in die Infantilität. Seine ebenso b- wie analen Scherzchen und Kalauer sind dabei, auch unter der Gürtellinie, von jener fröhlichen Harmlosigkeit, die bei den Kleinen durchaus zu kindlichem und bei den Größeren zu kindischem Gegacker führen kann. Lord Jens Maul kommentiert seine Entlassung aus diesem Film etwa so: "Sog ich zom Obschied laise Schaiße." Und als Käpt’n Kork ein Techtelmechtel zwischen Mr. Spuck und Rock vermutet, behauptet er in Bezug auf Letzteren: "Der hat bestimmt sooo einen Kleinen!"

Rock hat als erotischen Bezugspunkt allerdings Königin Metapha im Auge, die bei einer Zeitreise ins Mittelalter König William dem Letzten (Sky Dumont) die lange Nase abschleckt und dann zusieht, wie ein vorher von diesem König zum "Ritter von Hinten" geschlagener Rock in rosafarbener Rüstung in ein Turnier gezwungen wird. Immer wieder also - auch in einer nur an-, aber nicht ausgespielten Wildwestepisode - der tuntige Ton, der auf Dauer ziemlich eintönig wird. So muss man am Ende dieses Films, in dem unerschrocken abgenutzte Werbesprüche wie "Der Mars macht mobil" ihrer Letztverwertung zugeführt werden, eine andere alte Werbebehauptung auskramen und zumindest deren zweiten Teil in Frage stellen: Spuck und Co. macht Kinder froh - und Erwachsene ebenso?
 
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