Arbeitswelt Das Dilemma der Karrierefrau

Von Akiko Lachenmann 

Nicht zu sanft sein, aber auch nicht zu forsch daher kommen: der Weg in Führungspositionen ist für viele Frauen eine Gratwanderung.

 Foto: dpa
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Stuttgart - Sie steht in Schutzkleidung vor einem Amboss und schlägt mit einem Hammer auf glühendes Eisen. Der Schweiß läuft ihr von der Stirn. Dann nimmt das Symbol für ihre Vision Gestalt an: ein Schlüssel – ihr Schlüssel für das Tor nach oben.

Christiane Kroll will dahin, wo die Männer das Sagen haben. Die Frauenführungsakademie in Pliezhausen warb mit außergewöhnlichen Trainingsmethoden. Sie meldete sich zu einem mehrtägigen Seminar an, das sie an ihre Grenzen heranführen sollte, auch körperlich.

Die Seminarteilnehmerin gehört zu den Frauen, die auf der Karriereleiter nicht mehr weiterkommen. Die 41-jährige Senior-Beraterin, kinderlos aus Überzeugung, ist Expertin für Unternehmenskommunikation. Zuerst verlief der Weg steil nach oben. Dann stieß sie auf einmal an die gläserne Decke: Über ihr in Sichtweite die ersehnte Topposition – jedoch keine Stiege hinauf. Jahrelang blickte sie ratlos hinauf in die obere Etage, wo ausschließlich männliche Kollegen verkehrten. Dann suchte sie Hilfe von außen.

Frauen wie Christiane Kroll haben es mit einem altbekannten anthropologischen Phänomen zu tun: Wandel ist für den Menschen vor allem ein Risiko. Immer noch dominieren Männer in Deutschland das Topmanagement. Frauen machen dort nach einer Statistik der Beratungsfirma Booz & Company in den 500 größten deutschen Unternehmen nur 2,4 Prozent aus.

Die Vielfalt macht’s

Dabei haben international renommierte Ökonomen wie der Brite Eric Beinhocker längst klargemacht, dass beide Geschlechter zusammen bessere Ideen hervorbringen als einzeln – und klügere Entscheidungen treffen. Ähnlich wie in der Evolutionsbiologie: je größer die Vielfalt der Arten, aus denen selektiert wird, desto überlebensfähigere Populationen entstehen.

Beratungsfirmen wie McKinsey und Ernst & Young haben dazu jüngst ein Zahlenwerk geliefert. In groß angelegten Studien kommen sie, unabhängig voneinander, zu dem Ergebnis, dass sich Unternehmen mit Frauen im Vorstand wirtschaftlich besser entwickelt haben als Firmen ohne Vorstandsfrauen. Die Frauenquote ist nicht mehr nur ein Mittel der Gleichstellung. Sie ist ein Wirtschaftsfaktor.

Ob in der Erwartung einer gesetzlichen Quote oder aus eigener Überzeugung – die Konzerne haben reagiert: Alle Dax-30-Unternehmen haben sich verpflichtet, den Frauenanteil in ihren Führungspositionen, wenn auch unterschiedlich ambitioniert, zu erhöhen: Volkswagen peilt in acht Jahren elf Prozent an, Adidas in drei Jahren 35 Prozent. Diversity-Abteilungen wurden eröffnet, Genderbeauftragte eingestellt, Leitbilder abgeändert. Maßnahmen zur Frauenförderung sind in den Medien ein ständiges Thema. Alles sieht nach Wandel aus.

Der Arbeitgeber von Christiane Kroll ist kein Dax-Konzern. Die Firma gehört, wie 99 Prozent aller deutschen Unternehmen, zu den kleinen und mittleren Unternehmen, die weniger Aufsehen erregen und noch weniger über Gleichstellung nachdenken. Kroll ist in der Kommunikationsbranche tätig – eine Frauendomäne, in der Männer das Sagen haben. Ihr ehemaliger Chef gab ihr viele gut gemeinte Tipps. „Zeige nie deine Gefühle!“ „Mehr Pokerface!“

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5 KommentareKommentar schreiben

Karrieerfrauen: Kompliment, Stuttgarterin, Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Aus Überzeugung kinderlos, was für eine absurde und traurige Einstellung. In meiner langjährigen Berufserfahrung in mittelständischen Betrieben habe ich viele solche kinderlose Zicken kennengelernt, die von Beruf Ehefrau des Geschäftsführers waren. Kompetenz vorgegaukelt, in Wirklichkeit keine Ahnung von nichts und ohne Sozialkompetenz.

...: Und mit 80 sitzten sie dann alleine unterm Weihnachtsbaum, ohne Ehemann, ohne Kinder geschweige denn Enkelkinder... Ist das der Sinn des Lebens? Geld scheffeln bis zum geht nicht mehr und nie das größte Glück auf Erden erleben? Ich bin mir sicher, dass jede Frau es im Alter bereut.

work-life-balance: Die meisten Frauen sind einfacher schlaueer als Männer: 60 Stunden Woche und so gut wie kein Privatleben mehr, da hilft auch Geld nicht weiter. 'Karriere' und der sogenannte Weg nach oben ist einfach nicht unbedingt erstrebenswert.

99%: 99% aller männlichen Mitbewerber laufen ebenso vor die gläserne Wand! Die bezeiehn es aber nicht darauf, dass sie männlich sind!! Wenn eien Frau nicht weiter kommt ist es dirket weil sie Frau. Ich hege durchaus . Sympatien für den Begriff 'Opferabo'! Da ist was wahres dran egal in welchem Bereich des Lebens. Da in der Vergangenheit viel mehr Männer den Weg ab Berufsstart bedingungnslos gestartet haben, ist die Wahrscheinlichkeit einfach x mal höher. Um heute in der Unternehmensführung zu sitzen hätte man vor mindestnes 20 Jahren damit anfangen müssen darauf hinzuarbeiten. Das haben aber nur verschwindend wenige Frauen versucht - also KANN heute keien 50% Verteilung da sein. Entscheident wird sein, wie das Verhältnis mit den Berufsanfängerinnen aus den letzten 10 Jahren in 20 Jahren sein wird. Die sind inzwischen zu einem hohen Prozentsatz in den untersten Führungspositionen angekommen. Bei vergebenen Führungsaufgaben ist das Verhältns ausgewogen. Aber auch hier. Jetzt eine 50% Verteilung könnte man nur erreichen, wen man für die nächsten 10 Jahre keinen Mann mehr weiterbringt - oder die 50 jährigen Männer in Position einfach entlässt. Gleichberechtigung ist was anderes. Aber 50% kann es auch nie sein. Alle starten gemeinsam das Rennen: Viele Frauen gehen auch in Zukunft aus dem Beruf raus, während ihre männlichen sich unter Aufgabe des Privatlebens weiter hocharbeiten.. Überhaupt ist die Diskussion hahnebüchen, denn im Fokus stehen nur Aufsichtsratposten und Vorstände, die nur 0,000001 % der Bevölkerung betreffen. In 'normalen' Angestelltenverhältnissen bis in die untereren Führungsebenen erreichen Frauen jetzt schon die gleichen Positionen und bringen das gleiche Geld mit nach Hause! Man muss nur Gleichaltrige Vergleichen (nicht immer den ganzen 'Bestand' einer Generation mit 80% Männern, die ihr ganzes Berufsleben Gehaltssteigerungen hatten, die heute niemand mehr bekommt, mitzählen)

Genau so: wie es Leute gibt, die nichts haben außer ihren Mercedes, so gibt es Menschen, die nichts anderes vorweisen können als männlich ( im Biologischen Sinn) zu sein. Armselige ,kleinkarierte Spiesser sind das.

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