Baden-Württembergische Delegation in Asien Türen öffnen in Singapur und Vietnam

Von Imelda Flaig 

Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut bricht am Sonntag mit einer 48-köpfigen Delegation nach Asien auf und will Kontakte in Singapur und Vietnam intensivieren.

Landeswirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut will mit der Asien-Reise die Kontakte zwischen Baden-Württemberg und Singapur und Vietnam intensivieren. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Landeswirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut will mit der Asien-Reise die Kontakte zwischen Baden-Württemberg und Singapur und Vietnam intensivieren. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Stationen der Delegation aus Politik und Wirtschaft mit Schwerpunkt Maschinenbau, Produktionstechnologien, Automatisierung und Informationstechnologien sind die beiden Asean-Staaten Singapur und Vietnam mit den Millionenmetropolen Ho-Chi-Minh-Stadt (früher Saigon) und Hanoi. Die Asean-Region hat in den letzten Jahren nicht nur eine zunehmende wirtschaftliche Bedeutung für Unternehmen aus Baden-Württemberg bekommen, sondern auch verstärkt strategische Bedeutung, weil es sich um „wachstumsstarke Schwellenländer mit einem enormen Marktpotenzial handelt“, heißt es im Wirtschaftsministerium. Hinzu kommen mehrere Feihandelsabkommen, die das „Tor zu bedeutenden Märkten im asiatisch-pazifischen Raum öffnen“.

Der Sensor- und Automationsspezialist Balluff aus Neuhausen auf den Fildern ist bereits mit einer Tochtergesellschaft in Singapur vertreten und sieht den Stadtstaat „als Brückenkopf in Märkte wie Malaysia, die Philippinen und Indonesien“, wie Balluff-Geschäftsführer Michael Unger sagt. „Von Singapur aus sind Sie in einer Stunde mit der Fähre auf indonesischen Inseln, wo sehr viele Fabriken angesiedelt sind“, schwärmt Unger, der auch stellvertretender Vorsitzender des VDMA Baden-Württembergs ist. Von der Reise verspricht er sich Kontakte und Gesprächspartner, die Tipps geben können, was man noch besser machen kann. In Vietnam kann sich Unger sogar mittelfristig- bis langfristig ein weiteres Standbein neben China für die Montage von Balluff-Produkten vorstellen. Noch ist das Zukunftsmusik, doch Fragen gibt es zuhauf: Wie ist das Investitionsklima dort, kann man 100-prozentige Tochtergesellschaften gründen, nennt Unger Beispiele.

Singapur ist wichtiger Handelspartner für Baden-Württemberg

Unter den Asean-Staaten ist Singapur der wichtigste Handelspartner für Deutschland und Baden-Württemberg. Im vergangenen Jahr exportierte Baden-Württemberg Waren im Wert von 1,1 Milliarden Euro nach Singapur, das waren 3,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor – allen voran Maschinen (40 Prozent), Kraftwagen und Kraftwagenteile (19 Prozent) sowie DV-Geräte, elektronische und optische Erzeugnisse (zwölf Prozent). Tendenz steigend. Auch im ersten Halbjahr 2016 legten die Exporte weiter zu und erreichten einen Wert von 0,6 Milliarden Euro. Für den Südwesten ist Singapur auch ein wichtiges Importland – vor allem für chemische Erzeugnisse (Anteil am Gesamtimport: 80 Prozent). 2015 haben die baden-württembergischen Einfuhren um 40 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro zugelegt.

Viele sind wie Balluff schon vor Ort, Konzerne wie Bosch oder Daimler, auch Mittelständler wie der Maschinenbauer Trumpf, der Pneumatikspezialist Festo oder die Sensorenhersteller Sick. Mittlerweile sind rund 1500 deutsche Firmen in dem asiatischen Stadtstaat präsent. „Es gibt vieles, da kann man hierzulande nur staunen“, schwärmen viele Unternehmer von der Schnelligkeit und Effektivität der Verwaltung. Baden-Württemberg unterhält enge Beziehungen und bereits seit 20 Jahren ein German Centre, also ein deutsches Haus, in Singapur, um Unternehmen den Eintritt in den südostasiatischen Markt zu erleichtern.

Vietnam gilt als Investitions- und Wachstumsmarkt

Auch Vietnam gilt als Investitions- und Wachstumsmarkt. Weltweit weist das kommunistische Land die zweithöchsten jährlichen Wachstumsraten seit 1990 auf, direkt hinter China. Deutschland hat 2015 seine Position als größter EU-Handelspartner Vietnams gehalten. Umgekehrt könnte sich Vietnam infolge seiner Freihandelspolitik für europäische Unternehmen zu einem internationalen Knotenpunkt für den Welthandel entwickeln, heißt es im Wirtschaftsministerium. An dem Handelsvolumen mit Vietnam von 7,93 Milliarden Euro – die Importe aus Vietnam stiegen um zehn Prozent auf 5,1 Milliarden Euro, die deutschen Exporte nach Vietnam um 22 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro – partizipierte Baden-Württemberg mit 968 Millionen Euro. Innerhalb der Asean-Staaten nimmt Vietnam als Handelspartner auf Exportseite nur den sechsten Platz ein, auf Importseite allerdings den vierten Platz. Während die Exporte um fast 30 Prozent auf 344 Millionen Euro gestiegen sind, lagen die Importewerte aus Vietnam nach Baden-Württemberg mit 624 Millionen Euro (plus 20,8 Prozent) fast doppelt so hoch. Eingeführt wurden vor allem Leder und Lederwaren, insbesondere Schuhe und Bekleidung, geliefert wurden vor allem Maschinen, Kraftwagen und Kfz-Teile.

Made in Germany hat in Vietnam einen guten Ruf. Doch die Voraussetzung für den Erfolg sei die Präsenz vor Ort, heißt es im Wirtschaftsministerium. Mittlerweile sind etwa 500 deutsche Firmen dort vertreten – darunter auch der Hemdenproduzent Olymp aus Bietigheim-Bissingen oder der Nadelhersteller Groz-Beckert mit Stammsitz Albstadt. Gute Exportchancen hätten vor allem Maschinenbauer, weil dieser Sektor in Vietnam noch unterentwickelt ist. Auch hätten sich die Ansprüche gewandelt. Ausschlaggebend für die Wahl eines Produkts sei nicht mehr nur der Preis, sondern auch die Qualität.

1 Kommentar Kommentar schreiben

Türen schlißen und zurückleiben: Es gäbe mit Sicherheit auch bei uns wichtige Türen zu öffnen. Aber wenn es im eigenen Land nicht mehr funktioniert, dann fliegt man mit 48 Leuten nach Asien und versucht es dort. Ach wie gut.........

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