Atomkraftwerke im Land Über Pannen spricht man nicht

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Die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner gerät wegen vertuschter Fehler im Reaktor Philippsburg unter Druck.

 Foto: dpa
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Stuttgart - Manchmal rächen sich Sünden der Vergangenheit zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Eigentlich geriert sich Tanja Gönner (CDU) in diesen Tagen als eine Politikerin, die die Lehren der Atomkatastrophe in Japan verstanden hat. Im Großen wie im Kleinen reagiert die baden-württembergische Umweltministerin auf die Ereignisse in Fuku-shima: das Kernkraftwerk Neckarwestheim 1 wird wohl abgefahren, eine Expertenkommission soll alle Meiler im Südwesten untersuchen, das Ministerium richtet ein Telefon für besorgte Bürger ein.

Doch just in den Tagen hektischen Krisenmanagements sieht sich Gönner mit einem Verdacht konfrontiert, der so gar nicht zu ihrer Selbstinszenierung passt. Es geht um die Frage, ob die oberste Atomaufseherin im Land zusammen mit dem Energiekonzern EnBW Vorfälle in einem Kernkraftwerk verheimlicht hat, von denen die Öffentlichkeit längst hätte erfahren müssen. Ans Licht kamen sie erst durch einen unbekannten Insider, der die Opposition in Berlin alarmierte. Inzwischen beschäftigen die Pannen die Atomaufsicht in Bund und Land, Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) fordert von seiner Stuttgarter Parteifreundin umfassende Aufklärung. Zumindest in einem Punkt räumt diese bereits mögliche Versäumnisse ein.

Erneute unrühmliche Schlagzeilen

Betroffen ist, wieder einmal, der Reaktor Philippsburg II, zwanzig Kilometer nördlich von Karlsruhe. Der machte vor zehn Jahren unrühmliche Schlagzeilen, als er nach einer Jahresrevision "im Blindflug" wieder angefahren wurde. Das Notkühlsystem stand nicht ordnungsgemäß zur Verfügung, in drei von vier Flutbehältern fehlte die vorgeschriebene Konzentration von Borsäure. Den damaligen Umweltminister Ulrich Müller (CDU) kostete die Affäre beinahe das Amt, sein Staatssekretär Stefan Mappus - vorrangig für Verkehr zuständig - blieb weitgehend unbehelligt.

Aus den Ereignissen von damals, behauptet jetzt ein sachkundiger Insider, habe man nichts gelernt. In Philippsburg herrschten weiterhin "ein Mangel an Fachkunde und fehlendes Sicherheitsdenken", schrieb er in einem Brief, der Mitte Februar unter anderem die Karlsruher Grünen-Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl erreichte. Dreimal sei es in den vergangenen anderthalb Jahren zu ähnlichen Verstößen wie 2001 gekommen, doch nichts davon sei nach draußen gedrungen: Die Meldepflicht hätten Gönner und die EnBW umgangen, "um die geplante Laufzeitverlängerung der Atomanlagen in Deutschland nicht zu gefährden".

Wie gut sich der Verfasser in Philippsburg auskennt, zeigt seine Schilderung der drei Vorfälle. Alle ereigneten sich laut dem Bundesumweltministerium " während Instandsetzungsarbeiten". Bei der jüngsten Panne im Juni 2010, berichtet der Anonymus, seien wegen eines verkanteten Stöpsels 270000 Liter Reaktorwasser aus dem Brennelementebecken in den sogenannten Reaktorsumpf geflossen. Erst nach einer Stunde habe das Leck gestopft werden können. "Bei einem weiteren Füllstandsabfall um sechs Zentimeter wäre die komplette Kühlung nicht mehr verfügbar gewesen."

Drei Tage außer Betrieb

Gemeldet worden, beklagt der Insider, sei dieser Vorfall so wenig wie einer aus dem Januar 2010. Damals habe eine Abschaltung von Armaturen die Notfallkühlung für drei Tage außer Betrieb gesetzt, ohne dass die Bedienmannschaft davon wusste. Für ebenso eindeutig meldepflichtig hält er einen Vorgang aus dem Mai 2009, als eine wichtige Armatur am Sicherheitsbehälter stundenlang nicht geschlossen werden konnte. Bei einem Störfall wäre dadurch Radioaktivität ausgetreten. Tatsächlich blieb die Panne geheim. "Wahrscheinlich muss erst eine Kernschmelze in Baden-Württemberg eintreten, um diese Machenschaften zu beenden", verblieb der Autor - vier Wochen vor Fukushima.

Die Grüne Kotting-Uhl war hochgradig alarmiert, wie hier weiter "vertuscht" werde, und leitete das Schreiben umgehend an das Bundesumweltministerium. Auch dort nimmt man die Schilderungen äußerst ernst: "Unmittelbar nach Erhalt" habe man beim Stuttgarter Umweltressort einen Bericht angefordert, sagt ein Sprecher Röttgens. Sobald dieser vorliege, werde man eine eigene Bewertung vornehmen. Die Frage der Meldepflicht steht für den Bund zunächst nicht im Vordergrund, vorrangig sei es, eine "Wiederholung derartiger Fehler" zu vermeiden. Doch zumindest bei dem Vorfall vom Mai 2009 sei "eine Meldepflicht nicht ausgeschlossen", ließ Röttgen mitteilen.

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99 KommentareKommentar schreiben

Mappus und Gönner: So ein Parvenü hat`s auch nicht leicht, gell Herr Mappus und Frau Gönner. Aber keine Sorge, bei Atom-Siemens hat ja Herr Mappus noch einen Arbeitsvertrag. Niemand kann sagen, dass er sich nicht um Siemens bemüht hätte. Siemens ist ja Weltmarktführer beim Kauf von Politikern. Allen die SEC und das amerikanische Justizministerium kamen zu dem Schluss, dass mit ' 4283 Zahlungen, zusammen rund 1,4 Milliarden Dollar, Amtsträger rund um die ganze Welt bestochen wurden' ( www.welt.de 13.12.08 ).

Mappus und Co: Nur soviel, Mappus und Gönner sind der Inbegriff der politischen Apokalypse im Ländle. Es ist nur noch eine Frage der Zeit wie lange der Wähler dem Atompapst und seinen Untertanen Kredit gewährt. Leider kommt man zu der Erkenntnis, dass nach den Ereignissen in Japan, keine ausreichende Bonität für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit schwarzen Wendehälsen mehr vorliegt. Vielleicht können ja Mappus und Gönner nach der Wahl im Iran oder Nordkorea eine neue Heimat finden, denn da werden Experten für Atomfragen dringend benötigt.

Gönner und Co: Was muss eigentlich noch passieren damit auch der letzte endlich kapiert: Diese CDU-Bande lügt uns Tag für Tag ins Gesicht!!! Das Herr Mappus Milliarden am Parlament vorbei in den Sand setzt ist ein Skandal- aber dass es offensichtlich bei Störfällen in AKWs zu Vertuschungsversuchen kam ist einfach unglaublich, was denken die eigentlich wer sie sind??? Da passt es hervorragend ins Bild, dass die Studie des Fraunhofer Instituts drei Monate lang 'unbeachtet' in Gönners Ministerium herumgelegen ist,was steht drin? Totaler Atomausstieg in BaWü innerhalb von 10 Jahren möglich!!! Aber halt nur wenn man es will... Und da liegt das Problem, Mappus und Co wollen es nicht!!! Was sie jetzt vor der Wahl noch erzählen und täglich um 180 Grad ihre Meinung ändern, ändert nichts daran, sie sind nicht uns dem Volk verpflichtet (wie es eigentlich sein muss!), sondern ihren Spezeln und Trauzeugen in den Konzernen und Großbanken und nach der Wahl machen sie wieder was die von ihnen wollen,damit auch der nächste Wahlkampf finanziert wird...es ist eine Schande für dieses Land,ich schäme mich fremd! Leute lasst euch nicht länger für dumm verkaufen (verkaufen ist in diesem Zusammenhang leider wörtlich zu nehmen...) wählt diese möchtegern-Regierung ab!!! Schlimmer kanns nicht werden, es ist an der Zeit das BaWü in die Zukunft geht, und die sieht hoffentlich nicht schwarz aus! Ich bin entsetzt und es fällt mir schwer mich in gewohnter Weise auszudrücken...

Lügen und Verharmlosen: Es ist unglaublich, wie das Volk von Mappus, Gönner und Co. belogen wurde und belogen wird. Die haben uns doch immer eingehämmert, dass unsere Kernkraftwerke absolut sicher und unverzichtbar sind. Jetzt muss man plötzlich alle überprüfen und kann sieben einfach abschalten. Jeder, der Grundkenntnisse in Physik hat, weiß, dass diese Technik niemals zu 100% beherrschbar sein wird, von der 'Endlagerproblematik' ganz zu schweigen. Falls Frau Gönner tatsächlich vertuscht hat, muss sie mit allen Möglichkeiten zur Rechenschaft gezogen werden. Auf jeden Fall muss sie dringend samt Ihrem Mininsterpräsidenten von der Regierungsbank weggefegt werden, denn dort haben Vertuscher und Handlanger der Atomlobby nichts zu suchen. Ich hoffe, dass die Bürger am 27.3. ein klares Zeichen setzen, denn es reicht wirklich, und ich muss mich sehr beherrschen, dass mir die Wortwahl nicht entgleitet.

Frau Gönners Selbstinszenierung: Selbstinszenierung, ja, das trifft den Nagel auf den Kopf. Diese Frau tut immer das Gegenteil von dem, was sie sagt. Aber am schlimmsten ist ihr hämisches Grinsen, nach dem Motto 'Schaut her, ich lüg euch an, und ihr könnt nix dagegen machen'. Aber nicht mehr lang.

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