Landtagswahl 2016 Wer Grün-Schwarz will - und wer nicht

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Unsere detaillierte Auswertung des Landtagswahlergebnisses zeigt, dass eine grün-schwarze Landesregierung dem Wählerwillen je nach Region sehr unterschiedlich entspricht. Und: Die meisten Protestwähler leben in einer Gemeinde in der Region Stuttgart.

Wir haben das Ergebnis der Landtagswahl detailliert ausgewertet. Foto: Screenshot
Wir haben das Ergebnis der Landtagswahl detailliert ausgewertet. Foto: Screenshot

Stuttgart - Das amtliche Endergebnis der Landtagswahl 2016 in Baden-Württemberg hat nicht nur bestätigt, was alle wussten - dass die Grünen die Wahl gewonnen haben. Es lässt nun auch detaillierte Analysen des Wählerwillens zu, der gerade in den Koalitionsverhandlungen von Grünen und CDU in die Form eines Koalitionsvertrags gegossen werden soll.

Wir haben das vom Statistischen Landesamt zur Verfügung gestellte amtliche Endergebnis auf Gemeindeebene ausgewertet und die Ergebnisse visualisiert - etwa den Stimmenanteil, den Grüne und CDU in den 1001 baden-württembergischen Gemeinden zusammen geholt haben:


In neun von zehn Gemeinden kommen Grüne und CDU zusammen auf mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen. Die Karte zeigt aber auch, dass die Zustimmung zu Grün-Schwarz sehr ungleich übers Land verteilt ist. Auf der Ostalb, in Oberschwaben sowie in Teilen des Schwarzwalds kommen Grüne und CDU auf Werte von deutlich mehr als 60, teilweise sogar mehr als 70 Prozent der Stimmen.

In Hohenlohe und Württembergisch Franken, in Nordbaden und entlang des Rheins sowie auf der Schwäbischen Alb ist es deutlich weniger; hier liegen die Stimmanteile der beiden Parteien in etlichen Gemeinden um die 50 Prozent oder darunter. Daraus kann man nicht direkt schließen, dass diese Teile des Landes mit einer grün-schwarzen Landesregierung unzufrieden wären - dennoch sind diese Teile des Landes erkennbar weniger grün-schwarz als die anderen.

Die Region Stuttgart liegt  zwischen diesen beiden Polen. Im Remstal und in Sindelfingen haben Grüne und CDU gerade so die Mehrheit, in den Kreisen Ludwigsburg und Esslingen kommen sie auf gut 60 Prozent.

Zufrieden mit Grün-Rot?

Wir haben ebenfalls ausgerechnet, wie viele Stimmen Grüne und SPD zusammen in den einzelnen Gemeinden erhalten haben. Die Mehrheit der Stimmen haben die beiden Parteien in nur fünf Prozent der baden-württembergischen Gemeinden geholt - den besten Wert in Tübingen:

 

Auch in Freiburg, Konstanz, Heidelberg, Esslingen, Ulm und Sigmaringen haben die Wähler so gestimmt, dass Grün-Rot hätte weiterregieren können - wenn eine dieser Städte für das ganze Land entscheiden dürfte. Ansonsten zeigt sich die Schwäche dieser Koalition nicht nur, aber gerade auch in den größeren Städten.

In der Region Stuttgart haben Grüne und SPD durchweg zwischen 40 und 50 Prozent der Stimmen gesammelt. In weiten Teilen des Landes - etwa im Nordosten, auf der Westalb und im Schwarzwald sowie in Oberschwaben kommen sie nur auf Werte um die 30 Prozent. Das Landestief haben Grüne und SPD in Wörnersberg (Kreis Freudenstadt, 167 Wahlberechtigte) eingefahren: Dort kamen sie zusammen auf 10,4 Prozent - so viel wie die FDP in dem Ort geholt hat.