Bildung in Hedelfingen Die Schule steht am Wendepunkt

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Wie geht es mit der Steinenbergschule weiter? Im Bezirksbeirat wurde über die Einrichtung eines Gymnasiums oder eine Gemeinschaftsschule diskutiert.

Wird hier eine Gemeinschaftsschule oder ein Gymnasium entstehen? Foto: Zweygarth
Wird hier eine Gemeinschaftsschule oder ein Gymnasium entstehen? Foto: Zweygarth

Hedelfingen - Die Schülerzahlen der Werkrealschulen sind seit Jahren rückläufig. Der Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung hat diese Entwicklung noch einmal drastisch beschleunigt. „Die Eltern möchten für ihre Kinder eine andere Schulart“, sagte Beate Westhauser vom Schulverwaltungsamt in der Sitzung des Hedelfinger Bezirksbeirats am Dienstagabend.

Das lokale Gremium hatte Eltern, Lehrer sowie Fachleute vom Schulamt und vom Schulverwaltungsamt zu einem Runden Tisch zum Thema Schulentwicklung eingeladen. Denn auch die Werkrealschule Steinenbergschule im Bezirk ist von dem Negativtrend betroffen. Ernüchternd waren die Zahlen, die das Schulverwaltungsamt für den Werkrealschulstandort Hedelfingen in der Sitzung präsentierte. Meldeten sich in den Jahren 2004 bis 2007 noch rund 40 Fünftklässler an der Schule an, sind es heute gerade noch 15.

Die Entwicklung trifft die Schule jedoch nicht unvorbereitet

Insgesamt ist die Zahl der Fünftklässler an den drei Werkrealschulstandorten in den oberen Neckarvororten in den Jahren 2000 bis 2012 um 68,9 Prozent zurückgegangen. Die Linden-Realschule in Untertürkheim hat unterdessen 19,8 Prozent hinzugewonnen und das ebenfalls in Untertürkheim angesiedelte Wirtemberg-Gymnasium sogar 38,8 Prozent. „Wir werden dem Gemeinderat vorschlagen, eine Reihe von Werkrealschulstandorten zu schließen“, sagte Roland Steiner, der stellvertretende Leiter des Schulverwaltungsamtes, in der Sitzung des Bezirksbeirats.

Diese Entwicklung trifft die Steinenbergschule jedoch nicht unvorbereitet. Bereits vor einigen Jahren wurde von der Schule und vom Bezirksbeirat darauf hingewirkt, dass die Einrichtung eines Gymnasiums am Werkrealschulstandort von der Stadtverwaltung geprüft wird.

Inzwischen wurde dieser Prüfauftrag noch um einen weiteren ergänzt. Im April dieses Jahres hat sich der Bezirksbeirat dafür ausgesprochen, dass auch die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule am Standort Hedelfingen untersucht werden soll.

Die Schülerschaft werde folglich deutlich heterogener

Steiner erklärte, nun sei es wichtig, sich für einen Weg zu entscheiden. „Das Gebäude der Steinenbergschule ist sanierungsbedürftig“, sagte der stellvertretende Amtschef. Es habe jedoch keinen Sinn, mit den Bauarbeiten zu beginnen, bevor man nicht wisse, in welche Richtung es mit der Schule weitergehe. Die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule hätte laut Steiner den Vorteil, dass auch der Bedarf an Realschulplätzen damit abgedeckt sei. Noch deutlicher sprach sich Detlef Storm für die neue Schulart aus. „Ich befürworte eine Gemeinschaftsschule“, sagte der Leiter der Steinenbergschule. Die Schließung der Werkrealschulen bedeute, dass deren Schüler künftig an den Realschulen und Gymnasium unterkommen müssten. Die Schülerschaft werde folglich deutlich heterogener. Die Gemeinschaftsschule ist seiner Ansicht nach die einzige Schulform, die auf diese Entwicklung eine pädagogische Antwort bietet. Dem stimmte auch die Vorsitzende des Elternbeirats an der Steinenbergschule zu: „Ich finde die Gemeinschaftsschule ganz toll. Da kann sich das Kind entwickeln und wird entsprechend gefördert.“

Doch es gab auch andere Meinungen. „Wir brauchen ein Gymnasium“, sagte der CDU-Bezirksbeirat Mario Graunke. Viele Schüler würden am Wirtemberg-Gymnasium nicht mehr unterkommen und müssten auf weiter entfernte Stadtbezirke ausweichen. Bei der Gemeinschaftsschule bestehe jedoch die Gefahr, dass sie ohne gymnasiale Oberstufe eingerichtet werde.

Schließlich einigte man sich darauf, vorerst keine endgültige Entscheidung für die eine oder die andere Schulform zu treffen. Beide Varianten sollen weiter geprüft werden. Im Frühjahr 2013 will das Schulverwaltungsamt erneut im Bezirksbeirat berichten. Bis dahin weiß man laut Steiner auch, wie es mit der Werkrealschule am Standort tatsächlich weitergeht.

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