Blitzer an der Autobahn Raser zahlen sieben Millionen Euro

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Die Zahl der mit Aufnahmen aus den stationären Blitzern an der Autobahn 8 geahndeten Tempoverstöße ist 2015 ein Drittel niedriger als im Vorjahr ausgefallen. Dadurch wurden vier Millionen Euro weniger an Bußgeld eingenommen.

Die vier stationären Blitzer an der Autobahn 8 machten im Jahr 2015 mehr als 780 000 Aufnahmen. Nicht alle konnten verwendet werden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Die vier stationären Blitzer an der Autobahn 8 machten im Jahr 2015 mehr als 780 000 Aufnahmen. Nicht alle konnten verwendet werden.Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Es hat sich herumgesprochen: Zwischen dem Flughafen und Leonberg nehmen immer mehr Autofahrer den Fuß vom Gas. Dort stehen seit Sommer 2013 drei stationäre Blitzer, ein vierter kam im Mai 2015 dazu. Im Jahr 2015 wurden etwa ein Drittel weniger Tempoverstöße in diesem Bereich geahndet als im Jahr 2014, obwohl in acht Monaten mit vier statt drei Geräten wie im Vorjahr überwacht wurde. 561 176 Raser hatten 2014 eine Verwarnung oder einen Bußgeldbescheid erhalten, wenn sie an einer der Anlagen aufgenommen wurden. 2015 waren es 375 078.

„Man kann schon von einer gewissen Gewöhnung sprechen“, sagt Wilfried Schramm, der Leiter der zentralen Bußgeldstelle des Landes beim Regierungspräsidium Karlsruhe. Der Nebeneffekt – die gesunkenen Einnahmen – nehme man gern in Kauf, schließlich habe man die Anlagen aufgestellt, um einen der stauanfälligen und unfallträchtigsten Abschnitte der A 8 sicherer zu machen. Mehr als 7,1 Millionen Euro nahm das Land ein, 2014 waren es rund elf Millionen Euro.

Hauptunfallursachen: zu schnell und zu wenig Abstand

Der Trend, dass sich die Zahl der schweren Unfälle verringert, wenn die Geschwindigkeit überwacht wird, hatte sich Mitte 2015 bestätigt: Die Zahl war um 30 Prozent gesunken, als die Polizei im vergangenen Mai auf Anfrage der Stuttgarter Zeitung eine erste Auswertung der Zahlen veröffentlichte. Im Jahr 2015 ist die Zahl der Unfälle in diesem Bereich laut dem Innenministerium wieder gestiegen, von 501 (2014) auf 612, das sind 22 Prozent mehr. Eine Auswertung der Unfallursachen gibt es nicht. „Wir können aber sagen, dass auf der Autobahn die Unfallursachen zu geringer Abstand und zu hohe Geschwindigkeit gleichauf liegen“, sagt ein Sprecher des Innenministeriums. Beide Verstöße verursachten je zwischen 43 und 45 Prozent der Unfälle. Die meisten Verletzten gebe es bei Karambolagen, die wegen zu hoher Geschwindigkeit passierten.

Warum eine Anlage am Straßenrand steht, beschäftigt den Autofahrer, der erwischt wird, zunächst nicht so sehr wie die Auswirkungen auf den eigenen Geldbeutel. Dabei klingelt es nicht jedes Mal, wenn es blitzt, in der Staatskasse: Nur etwa die Hälfte der Fotos können verwertet werden. Laut der Behörde in Karlsruhe sei diese Quote normal, denn es gibt zahlreiche Faktoren, welche die Diskrepanz zwischen „Treffer“ und eingeleiteten Verfahren erklären. Die Quote lag im Jahr 2015 bei 48 Prozent, als nur knapp die Hälfte der Auslöser bescherte den Fahrern Post vom Amt.

Nicht jedes Foto zieht ein Verfahren nach sich

Bei ungeduldigen Fahrern liege es zum Beispiel nahe, dass sie nicht nur zu schnell fahren, sondern unterwegs auch langsamere beziehungsweise das Limit einhaltende Fahrer überholen. Wenn nun ein Fahrer just in dem Moment überholt, wenn er zu schnell an einem Blitzer vorbeifährt, dann schießen die Überwachungsanlagen von ihm zwei Fotos, so er mit dem Wagen je zur Hälfte auf einer Spur fährt. „Es lösen dann die Anlagen für beide Spuren aus, auf denen er in dem Moment fährt“, so Schramm.

Die Hitliste der gelöschten Treffer – die also nicht geahndet werden konnten – führen mit 35,5 Prozent die Fahrzeuge mit ausländischen Kennzeichen an. Ausgenommen sind Raser aus Österreich, der Schweiz, Frankreich, Belgien und Luxemburg. Das Problem sei, dass die Schreiben ins Ausland in der Landessprache verfasst sein müssen. Da tue man sich bei manchen Sprachen leicht, aber beispielsweise bei Rumänisch komme das Team von der Bußgeldstelle an seine Grenzen. Auf Platz zwei der nicht verwertbaren Fotos liegen diejenigen, bei denen der Fahrer nicht erkennbar ist, weil er einen Gegenstand vorm Gesicht habe. Die jahrelang unter jungen, wilden Autofahrern als Geheimtipp gehandelte CD am Rückspiegel sei nicht das Problem – sie sollte nach Ansicht der Raser den Blitz reflektieren und so die Aufnahme verfremden. Auch Kaffeebecher habe kaum jemand vor der Nase. Eher handele es sich um Navigationsgeräte, die in einem für die Kamera ungünstigen Winkel an der Scheibe hängen. In 49,5 Prozent der Fälle waren Fahrzeuge aufgrund ihres Gewichts falsch eingeordnet: Das Gerät, das mit einer Schleife im Boden operiert, löst in diesem Fall bei Wohnmobilen oder Omnibussen aus, wenn diese schneller als 80 Stundenkilometer fahren, was Lastwagen untersagt ist – dabei gilt für diese Fahrzeuge das gleiche Limit wie für Autos. Das Foto zeigt den Irrtum der Anlage und wird gelöscht.

So viele Fahrer zahlen Verwarnungen und Bußgelder

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13 Kommentare Kommentar schreiben

Schreiben in der Landessprache: Es ist so lächerlich heut zu Tage zu sagen man könne Mahnbescheide nach Rumänien nicht senden wegen der Sprache, es gibt bestimmt auch bei der Stadt Stuttgart sonst Dokumente in rumänischer Sprache aber ein Mahnbescheid bekommt man nicht hin. Sollte man vielleicht mal recherchieren wie viele Rumänien stämmige bei der Stadt Stuttgart arbeiten, ich könnte wetten etliche und Übersetzer gibt es auch (sonst mache ich es). Das ist für mich keine Entschuldigung.Man sollte in jedem EU Stadt die Strafe schicken können.Übrigens die Rumänen lachen sich ins Fäustchen.

Unverständlich: Ich kann Ihnen nur beipflichten. Gerade bei fest installierten Anlagen sollte man mit Textbausteinen, die man einmal übersetzen lässt, hinkommen. Noch lächerlicher wird es, wenn man berücksichtigt, dass Rumänien EU Mitglied ist. Hier sind Land oder Bund gefordert schnellstmöglich den Bußgeldstellen die notwendige Software an die Hand zu geben, damit so etwas wenigstens bei EU Bürgern verfolgt wird.

Gestiegen. : Aha, die Zahl der Unfälle ist also wieder gestiegen, steht da. Trotz Blitzer. Also doch nicht so toll, das Ganze. Und Unfallursachen werden auch nicht ausgewertet. Wahrscheinlich alles Auffahrunfälle, weil die Leute vor dem Blitzer in die Eisen steigen ;)

Rasen ist relativ zu beurteilen: ein Kleinwagen ist bei 120 km/h gut aufgehoben. - - - Bei der Mittelklasse sind es cirka 150 km/h bis 200 km/h bei einem noch sichern Fahrverhalten. - - - Bei der Oberklasse mit ihren leistungsstarken Motoren macht es erst von 200 km/h - AUFWÄRTS richtig Laune. - - - Die Sportwagen nicht zu vergessen, - bei denen geht's auch über 250 km/h noch spürbar voran. - - - - ALSO, - " von RASEN zu sprechen " , ist überzogen, - RICHTIGER wäre, im dichten Verkehr rücksichtsvoll zu fahren. - - - Ich fahre an den genannten Stellen öfter vorbei, - schnell fahren geht da gar nicht wegen der Verkehrslage, - DAHER sollten die Blitzer an die bestehenden Verkehsdichte-Messanlagen angebunden und gesteuert werden.

Was erzählen Sie hier für einen Quatsch!: Auch für Oberklasse- und Sportwagen gelten die Gesetze der Physik. Die Energie, die nötig zum Bremsen ist, z.B. wegen eines Hindernisses oder eines langsameren Fahrzeugs, steigt linear mit der Masse des Fahrzeugs und dem Quadrat der Geschwindigkeit (kinetische Energie). Es ist zwar richtig, dass man für höhere Geschwindigkeiten stabilerere Fahrzeuge benötigt, um sie sicher steuern zu können, allerdings müsste die Autobahn leer sein, ohne die Gefahr, dass andere Fahrzeuge in ihre Spur wechseln, um auch hohe Geschwindigkeiten sicher fahren zu können. Da dies auf den Autobahnen in und um Stuttgart nie der Fall ist, auch nicht nachts, sind die von Ihnen genannten Geschwindigkeiten vor allem auch eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer (wenn der Raser verletzt wird oder stirbt trifft es wenigstens den richtigen) und daher inakzeptabel.

Bitte lesen Sie den unteren Teil: meine Ausführungen sind aus beruflicher Natur heraus gesetzt. - - - EGAL welche hier wirken sollen, - ob Feststellungen jetzt von der Seite der Gesetzgebung oder aus der Automobil -Industrie heraus. - - - Dies auf meinen Text von oben: ==> RICHTIGER wäre, im dichten Verkehr rücksichtsvoll zu fahren. - - - Ich fahre an den genannten Stellen öfter vorbei, - schnell fahren geht da gar nicht wegen der Verkehrslage, - DAHER sollten die Blitzer an die bestehenden Verkehsdichte-Messanlagen angebunden und gesteuert werden.

Hallo Her Steinert,: ich habe auch den unteren Teil Ihrer Ausführungen gelesen. Jedoch widersprechen Sie sich im unteren Teil gegenüber dem oberen Teil zum Teil selbst. Abgesehen davon: Man muss _immer_ rücksichtsvoll fahren, nicht nur im dichten Verkehr! Sie müssen z.B. immer damit rechnen, dass ein Fahrzeug weiter vorne die Spur wechselt, und wenn Sie mit 200 km/h angeschossen kommen, hat der Fahrer im Kleinwagen evtl. nicht richtig eingeschätzt, dass Ihr Fahrzeug _so_ schnell da sein wird, und Sie vielleicht deutlich abbremsen müssen. Wenn der Verkehr dicht ist und Sie nicht schnell fahren können, geht es eben nicht schneller. Das ist doch kein Grund, warum die "Blitzer" bei einer anderen Geschwindigkeit als der dort zulässigen Höchstgeschwindigkeit ansprechen sollen. Außerdem ist Ihre letzte Forderung meines Wissens erfüllt: In dem Bereich z.B. am Flughafen gibt es eine verkehrsabhängig gesteuerte Höchstgeschwindigkeitsanzeige, und die dort angezeigte Höchstgeschwindigkeit wird an den Geschwindigkeitsüberwachungsanlagen überwacht. Wenn auf den Anzeigen also nur 80 km/h steht, werden Sie vermutlich (ich habe es nicht ausprobiert) bei über 80 km/h geblitzt (plus Toleranz), und nicht erst bei über 120 km/h wie sonst wenn 120 km/h in den Anzeigetafeln steht.

und seit: die Blitzer vor dem Messeparkhaus positioniert sind haben wir fast jeden Morgen Stau von Wendlingen nach Degerloch. Vorher konnte man zumindest bis AK Degerloch 'fahren'. Das Gleiche ist nun kurz vor Leonberg zu beobachten. Egal ob die erlaubte Geschwindigkeit überschritten wird oder nicht - erst mal bremsen. Die Anlagen machen wirklich Sinn. Die Statistiken im Bericht 'bestätigen' das.....

Muhahaha!: "schließlich habe man die Anlagen aufgestellt, um einen der stauanfälligen und unfallträchtigsten Abschnitte der A 8 sicherer zu machen" === Und morgen kommt der Osterhase! Tagsüber, wenn die Blitzer rechtzeitig zu sehen sind, ist es an den Stellen immer dasselbe: Die Honks steigen in die Eisen - teilweise bis auf 80 statt der erlaubten 120 km/h herunter. Da stockt es ständig, was besonders in Richtung Süden gefährlich ist, weil direkt nach dem Blitzer die Ausfahrt Echterdingen/Degerloch folgt, viele also auf die rechte Spur wechseln wollen und dann kaum durch die bremsenden Autos durchkommen. Außerdem hat ja auch die StZ berichtet, daß die Geschwindigkeitsbegrenzung ursprünglich nur nachts wegen Lärmschutz gelten sollte, dann aber aus Daffke ganztags angeordnet wurde. Die ganze teure Verkehrsbeeinflussungsanlage war rausgeschmissenes Geld, die für die Mißwirtschaft Verantwortlichen wurden selbstverständlich nicht belangt. Die Autofahrer zahlen's ja...

mhm: " Die Honks steigen in die Eisen - teilweise bis auf 80 statt der erlaubten 120 km/h herunter." Liegt dann aber wohl eher an den "Honks". Da fragt man sich wirklich, ob diese überhaupt dafür geeignet sind ein KfZ zu führen.

gut gekontert: es scheint wohl wichtiger zu sein "zu rasen", als sicher anzukommen....

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