Dialektübersetzer burble.de Wie das Internet Schwäbisch lernte

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Wenn das Schwäbische ins Internet einzieht, wird mit wenigen Klicks aus stuttgarter-zeitung.de schduaddgarder-zeidung.de. Eine Anwendung namens burble macht es möglich.

Der Dialekt kommt ins Internet – mit einer Anwendung namens „burble“ lassen sich Webseiten ins Schwäbische, Fränkische, Sächsische und Berlinerische übersetzen Foto: dpa 7 Bilder
Der Dialekt kommt ins Internet – mit einer Anwendung namens „burble“ lassen sich Webseiten ins Schwäbische, Fränkische, Sächsische und Berlinerische übersetzenFoto: dpa

Stuttgart - „Der Winder ischd in Schduaddgard oigezoge mid Schnee und eisige Temberadure im Gebägg“, heißt es auf der Internetseite der Stuttgarter Zeitung. Wo vorhin das Stadtkind stand, findet sich jetzt ein „Schdaddkind“ und die einzelnen Ressorts heißen unter anderem „Polidik“, „Kuldur“ und „Wirdschafd“. Das komplette Internetangebot erscheint mit nur wenigen Klicks auf Schwäbisch.

Möglich macht das eine unscheinbare Onlineanwendung namens burble.de. Dort muss man die Adresse der zu übersetzenden Seite eingeben, die Eingabe bestätigen und schon wird aus Hochdeutsch Schwäbisch, Fränkisch, Sächsisch oder Berlinerisch. Ein kleines Fenster weist darauf hin, dass die gezeigte Homepage von burble verändert worden ist.

Die Anwendung funktioniert dabei als sogenannter Proxy-Server. Was das heißt, erklärt Stefan Zimmer, einer der Betreiber der Seite: „Burble lädt zunächst die gewünschte Website und untersucht dann den HTML-Code der Seite, um möglichst viele Dinge so anzupassen, dass auch die übersetzte Variante korrekt angezeigt wird. Danach prüft Burble, wo sich auf der geladenen Seite reine Textblöcke befinden und ersetzt gewisse Buchstaben-Schnipsel durch andere.“ Das bedeutet, dass etwa das Wort „nicht“ in der schwäbischen Variante überall durch „nedd“ ersetzt wird und die Wörter „nach“ oder „noch“ durch „no“. Ist das erledigt, legt Burble einen Hinweis auf die Übersetzung in den HTML-Code und gibt die manipulierte Website im Browser des Nutzers aus.

Ein Spaß-Projekt

Stefan Zimmer und seine drei Mitstreiter betreiben burble nach eigenen Angaben als „Gag-Projekt ohne Anspruch auf Seriosität“. Deshalb sei die Übersetzung vermutlich auch nicht sonderlich präzise, sagt der 47-jährige Programmierer, weil die Männer hinter dem Projekt keinen „der Dialekte wirklich sprechen“.

Die Idee, den Dialekt ins Netz zu holen, hatten Zimmer zufolge ein paar Studenten der Universität Heidelberg bereits im Jahre 1998 – „zu einer Zeit, wo das Internet, wie wir es heute kennen, eigentlich nur Nerds bekannt war.“ Damals sei das Projekt auf einem Server der Universität betrieben worden, doch dann habe es 2004 Unstimmigkeiten mit dem Rektorat gegeben und die Studenten stellten den Betrieb ein.

Zimmer selbst war nie Student in Heidelberg. Wie sein Team 2005 auf das schwäbische Internet gestoßen ist, weiß er nicht mehr genau. „Am wahrscheinlichsten ist, dass auch wir damals über Berichterstattungen der Presse auf das Projekt aufmerksam wurden“, meint er. Anfangs haben sie die Vorgängerversion, die in der Programmiersprache Python geschrieben war, übernommen und das Projekt später in der Sprache PHP neu programmiert.

Schwankende Resonanz

Die älteren Versionen von burble haben immer wieder Unternehmen und deren Anwälte auf den Plan gerufen, die die Betreiber aufforderten, die Übersetzung ihrer Webseiten in den Dialekt zu unterbinden. „Es gab aber zum Glück nie einen finanziellen Schaden durch Abmahnungen“, berichtet Zimmer. Seit der Nutzer die Eingaben auf burble mit einem Buchstabencode bestätigen muss (einer so genannten Captcha-Eingabe), gebe es kaum noch Schwierigkeiten.

Die Resonanz auf das Angebot schwankt: „Meist hat die Seite keine 100 Besucher pro Tag“, sagt Zimmer. Einzig wenn über burble berichtet wird „gehen die Besucherzahlen für drei bis vier Tage durch die Decke.“ Das scheint die Betreiber nicht zu stören. Zwar habe man sich überlegt, einige Werbeanzeigen einzublenden, um zumindest die Serverkosten zu refinanzieren, „aber selbst dafür müsste man schon eine Selbstständigkeit anmelden, worauf niemand von uns wirklich Lust hat. Also wird Burble einfach weiter am Netz hängen und hoffentlich auch irgendwann weitere Dialekte im Repertoire haben“, erklärt der 47-Jährige.

Für das burble-Team steht der Spaß am Projekt im Vordergrund. Denn auf die Frage, warum die Welt schwäbisches Internet braucht, antwortet Zimmer mit einem eindeutigen „gar nicht“ und fügt hinzu: „Genauso wenig, wie die Welt die meisten anderen Webseiten braucht, allen voran die eines bekannten Boulevard-Schmierblatts mit vier Buchstaben.“ Letztlich sei es die Vielfalt des Internets, die die Nutzer fasziniert und begeistert – „und da darf so ein absolut sinnfreier ‚Übersetzungsdienst’ wie Burble auf keinen Fall fehlen“, sagt der Programmierer.