Dschungelcamp 2016 Die edlen Wilden des Dschungels

Von Markus Brauer 

Zum zehnten Mal geht’s ab in den Dschungel. Wieder mit dabei: Brigitte Nielsen, ehemalige „Red Sonja“, die als erster Dschungel-„Star“ überhaupt ins Camp zurückkehrt. Ob ihre Rekord-Gage von damals noch übertroffen wird?

So sehen wahre Sieger aus: Brigitte Nielsen Foto: dpa
So sehen wahre Sieger aus: Brigitte NielsenFoto: dpa

Stuttgart - „Red Sonja“ war das Kinodebüt von Brigitte Nielsen. 1985 spielte die Dänin an der Seite von Arnold „Conan“ Schwarzenegger in dem US-Barbarenfilm eine Amazonen-Kriegerin, die gegen die finstere Königin Gedren zu Felde zieht.

Brigitte Nielsen: Der erste „Star“, der zurückkehrt

20 Jahre und zahlreiche Kino-, TV-Serien- und Doku-Soap-Auftritte später zieht die 52-Jährige zum zweiten Mal in das RTL-Dschungelcamp ein – als erster „Star“ überhaupt. Nach ihrem ersten Triumph in Staffel sechs – für den sie die Rekordgage von 150.000 Euro bekam – kämpft die 1,85 Meter Frau (die ihren Ex Sylvester „Rambo“ Stallone um acht Zentimeter überragt) wieder um die Krone des Dschungels.

Das Rumgelümmel und Gemotze im australischen Urwald ist der Quotenrenner im deutschen Fernsehen. Alles unter sieben Millionen Dauerseher wäre für die Jubiläumsstaffel „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ (die Zehnte seit 2004) eine herbe Enttäuschung. Nielsens ersten Mampf von Maden, Kakerlaken und Kroko-Hoden verfolgten 2012 im Durchschnitt von 6,57 Millionen Zuschauer.

Dass dieses TV-Format ein Dauerbrenner werden würde, hätte vor zehn Jahren niemand gedacht. Das „Dschungelcamp“ hat alle Trash-Verächter, die es tot-schreiben oder -schweigen wollten, Lügen gestraft. Hohe Einschaltquoten sind immer noch die beste Antwort auf Kritikaster.

Das Camp ist Kult. Daran besteht überhaupt kein Zweifel. Die schlichte Dauer und die Masse, zehn Staffeln und Abermillionen Zuschauer machen es dazu. Aber mit Kultur, der Abbildung und Pflege des Schönen und Reinen und der verstehenden Auseinandersetzung mit der endlichen vom Menschen gemachten Welt, hat dieses Freiluft-Theater nicht das Geringste zu tun. Oder etwa doch?

Kultur-Camp: Bildung, Kulinarik, Gemeinschaft

Das „Dschungelcamp“ ist eine Schule des Lebens und der Weisheit. Denn gerade im Banalen, Trivialen und Primitiven steckt oft mehr Tiefsinn als man gemeinhin denkt.

Das beginnt mit der Reise ans andere Ende der Welt. Die beste Bildung finden gescheite Menschen nur auf Reisen, wusste schon der große Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832). Raus aus dem Trott, rein ins Abenteuer. Zwei Wochen kulinarischer Extreme warten auf die zwölf Kandidaten.

Und eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten. „So gern der Mensch alles aus sich heraus hervorzubringen wähnet; so sehr hängt er doch in der Entwicklung seiner Fähigkeiten von anderen ab“, sagt der Dichter und Kulturphilosoph Johann Gottfried Herder (1744-1803).

Im Dschungel, fernab jeglicher Zivilisation zeigt sich, was in einem steckt: Nämlich ein edler Wilde, der frei geboren ist und überall im Alltag in Ketten liegt. Der französische Philosoph und Pädagoge Jean-Jacques Rosseau (1712-1778) hat Recht: Der Mensch ist von Natur aus gut. Im Dschungel kehrt er zu seinen Wurzeln zurück, verwildert von neuem und fällt in jenen Urwaldzustand zurück, in dem einst seine Ururahnen lebten.

Frauen-Power im Camp

Den Kandidaten schadet die Abstinenz von Schminke, Suff und Luxus und das karge Mahl aus Reis und Bohnen wenig. Sie lernen das einfache Leben wieder zu schätzen und wachsen über sich hinaus, was vor allem für Dschungel-Frauen gilt. Fünf von ihnen haben bisher die Krone errungen (Désirée Nick, Ingrid van Bergen, Brigitte Nielsen, Melanie Müller und Maren Gilzer). Nur vier Mal war ein Mann an der Reihe (Costa Cordalis, Ross Antony, Peer Kusmagk und Joey Heindle).

Womit bewiesen ist, was schon der römische Philosoph Seneca (1-65 n. Chr.) erkannt hatte: „Frauen haben die gleiche Kraft, die gleiche Fähigkeit zum sittlich Guten, wenn sie nur wollen; Schmerz und Anstrengung ertragen sie genauso gut, wenn sie es nur gewohnt sind.“

Umstrittener Mampf von Maden

Bei allem unbestreitbaren emanzipatorischen und kulturellen Fortschritt, den das „Dschungelcamp“ gebracht hat, darf man einen Kritikpunkt aber nicht vergessen: den Tierschutz.

Eine bekannte Tierrechtsorganisation hat die Kandidaten einen Tag vor ihrem Einzug zum Boykott von Ekeltests mit Tieren aufgerufen. Auch Tiere wie Kakerlaken und Maden dürften nicht weiter zur Belustigung der Zuschauer gequält werden. Der Sender RTL sollte bei den sogenannten „Dschungelprüfungen“ auf Aktionen mit Tieren zu verzichten. Solche Sendungen stumpften Zuschauer im Umhang mit Tieren ab.

Bei den Mutproben seien in den vergangenen Staffeln Tiere „erheblichem Stress ausgesetzt und teilweise getötet, zerquetscht oder verletzt“ worden, heißt es in dem Aufruf der Tierrechtler. Kakerlaken und Maden würden „gezielt als Ekelfaktor vorgeführt“, als „lebendige Kulisse“ missbraucht, in Todesangst versetzt und schließlich lebendig verspeist.

Ein Rat von Albert Schweitzer

Wer dieses Unbehagen am Verzehr von Krabbeltieren für übertrieben hält, dem sei mit Albert Schweitzer (1875-1965), dem Tierfreund und Pazifisten gesagt: „Dem Menschen, der zur Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben gelangt ist, ist jedes Leben als solches heilig. Er hat Scheu davor, ein Insekt zu töten, eine Blume abzureißen. Den Wurm, der auf der Straße verschmachtet, errettet er, indem er ihn ins Gras legt.“

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