Elektromobilität Autoindustrie baut ein E-Ladenetz auf

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Das Jointventure von vier Konzernen, das den Ausbau eines europaweiten Ladenetzes für Elektroautos vorantreiben will, ist jetzt startklar. Die VW-Tochter Porsche spielt eine Hauptrolle.

Bei Porsche in Berlin steht bereits eine Station mit je 350 kW Leistung an zwei Ladepunkten. Foto: Porsche
Bei Porsche in Berlin steht bereits eine Station mit je 350 kW Leistung an zwei Ladepunkten. Foto: Porsche

Stuttgart - Die deutsche Autoindustrie will noch in diesem Jahr mit dem Aufbau eines europaweiten Ladenetzes für Elektroautos beginnen. Knapp ein Jahr nach der Ankündigung entsprechender Pläne ist die European High Power Charging GmbH & Co. KG mit Sitz in München nach Recherchen der Stuttgarter Zeitung mittlerweile ins Handelsregister eingetragen und startklar. An dem Gemeinschaftsunternehmen sind BMW, Daimler, Porsche und Ford Europa zu je einem Viertel beteiligt; Porsche hält den Anteil stellvertretend für den gesamten VW-Konzern. „Wir planen noch dieses Jahr mit dem Aufbau erster Stationen zu beginnen“, sagte eine BMW-Sprecherin. Mängel in der Lade-Infrastruktur gelten als möglicher Grund dafür, dass die E-Mobilität bisher noch nicht den Durchbruch geschafft hat.

Die letzte Genehmigung ist aus Montenegro eingetroffen

Die Autobauer planen ein ultraschnelles Ladenetz mit einer Ladeleistung der Stationen von bis zu 350 kW; damit können die Batterien von E-Mobilen in 15 Minuten zu 80 Prozent aufgeladen werden. In einem ersten Schritt will das Jointventure etwa 400 Stationen an Autobahnen entlang der Hauptverkehrsachsen in Europa bauen; bis 2020 sollen die Kunden Zugang zu Tausenden von Hochleistungsladepunkten haben. Nach Unterzeichnung der Absichtserklärung im November 2016 mussten die vier Autokonzerne in ganz Europa kartellrechtliche Freigaben einholen; als letztes Land hat Montenegro sein „Okay“ gegeben. Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung wird das Gemeinschaftsunternehmen mit etwa 50 Beschäftigten arbeiten. Anlaufstelle ist die Dependance von Porsche Consulting in München in unmittelbarer Nachbarschaft einer IT-Tochter von BMW.

Entgegen Spekulationen wird kein BMW-Mann Geschäftsführer

In Marcus Groll, der sich seit März dieses Jahres bei Porsche um das Thema Schnellladen kümmert, stellen die Stuttgarter einen der beiden Geschäftsführer des Jointventures. Ihm zur Seite steht Michael Butler von Ford. Dies ist insoweit überraschend, als in der Branche darüber spekuliert wurde, dass Groll zusammen mit einem BMW-Mann ein Führungsduo bilden soll. Ob ein Zusammenhang mit der Verstimmung zwischen Daimler und BMW besteht, die im Sommer offenbar wurde, ist nicht bekannt. Grund dafür waren Erklärungen über Absprachen in der deutschen Autoindustrie, die Daimler gegenüber der EU-Kommission abgegeben haben soll.

Um die Ladeinfrastruktur geht es unter anderem auch beim 4. Fachkongress „Stadt der Zukunft – Zukunft der Stadt“ der Stuttgarter Zeitung am 11. und 12. Oktober in der Rotunde der L-Bank im Rahmen des Themenblocks Innovative Mobilitätskonzepte. Weitere Schwerpunkte sind Städtebau und Stadtentwicklung sowie die Ressourcen einer Kommune.

Sehen Sie im Video: Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbands eMobilität, der im Interview unter anderem erklärt, warum Elektroautos in Zukunft so wichtig sein werden:

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