Elektromobilität in Stuttgart Busspuren bleiben für E-Fahrzeuge tabu

Von Jörg Nauke 

Freie Fahrt für Elektrofahrzeuge auf der Busspur? Der Technische Ausschuss des Gemeinderats hat diesen Vorschlag der CDU abgelehnt. Die Freien Wähler wollten Autos auf Stadtbahntrassen fahren lassen.

E-Fahrzeuge dürfen auch weiterhin nicht auf den Busspuren fahren. Foto: dpa
E-Fahrzeuge dürfen auch weiterhin nicht auf den Busspuren fahren.Foto: dpa

Stuttgart - Als einen „an sich guten Vorschlag mit erheblichen Nebenwirkungen“ ist im Technischen Ausschuss des Gemeinderats der Vorschlag der CDU bezeichnet worden, künftig Elektrofahrzeugen auf Busspuren freie Fahrt zu ermöglichen. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Roswitha Blind sagte, auch sie wolle die E-Mobilität fördern. Sie sehe aber Probleme in der Umsetzung. Da es bisher so gut wie keine Elektrofahrzeuge gebe, gelte die Regelung nur für ganz wenige Verkehrsteilnehmer. Setze sich die Technologie durch, wären die Busspuren schnell überfüllt.

Der CDU-Chef Alexander Kotz vertritt wie FDP und Freie Wähler die Ansicht, die Elektromobilität müsse von der Stadt noch stärker unterstützt werden. Aufs kostenlose Parken müsse „noch etwas draufgesattelt werden“. Er wisse allerdings auch, dass die Straßenverkehrsordnung dies verhindere. Ordnungsbürgermeister Martin Schairer (CDU) bestätigte dies, sagte aber auch, die Bundesregierung plane, dies zu ändern. In Dresden finde ein Verkehrsversuch statt. Für Stuttgart ist er skeptisch. Es gebe ja auch nur 44 Spuren, die meisten seien auch sehr kurz. Nur eine messe 620 Meter. „Das wird nicht der große Sprung“, ist er sich sicher. Seine Mitarbeiter sehen eine Gefährdungslage, weil auf Kreuzungen die Busse Vorfahrt haben. Und es stellt sich die Frage der Kontrolle. Kurzum: die Beamten glauben, der Aufwand für einige wenige Autos wäre unverhältnismäßig groß.

Grüne: Gleise stärker begrünen

Auch die Grünen sind dagegen. Sie hegten Sympathien in erster Linie für den öffentlichen Personennahverkehr, der drohe, von E-Fahrzeugen ausgebremst zu werden, so Stadtrat Jochen Stopper. Seiner Partei schwebt eher vor, auf normalen Fahrspuren den batteriebetriebenen Fahrzeugen hie und da Vorrang einzuräumen. Auch Gangolf Stocker (SÖS/Linke) war für den Vorschlag nicht zu erwärmen. Er sieht die E-Mobilität skeptisch. Die Technik sei nicht ausgereift. Und: „Wir lassen uns doch nicht die Busspuren verstopfen.“

Unterstützung erfuhr Kotz, der den Gegenargumenten einiges abgewinnen konnte, von FDP-Stadtrat Günter Stübel, der den „erfrischenden Antrag“ lobte, die Genehmigung aber auf Carsharing-Produkte reduzieren würde. Und Joachim Fahrion (Freie Wähler) sagte, diese gute Idee dürfe sich nicht auf Busspuren beschränken, auch die Stadtbahntrassen müssten befahrbar sein. Dem Hinderungsgrund, dass sich die Gleise im Schotterbett befinden, würde er mit einer durchgehenden Asphaltierung oder mit Kopfsteinpflaster begegnen. Man wies den Stadtrat aber darauf hin, dass die Stärke der Stadtbahn gerade ihr separater Gleiskörper ist, der sie vor Kontakt mit dem Individualverkehr weitgehend bewahrt. Die Grünen haben mittlerweile das Gegenteil beantragt: Sie fordern, die Gleise stärker zu begrünen.

4 Kommentare Kommentar schreiben

CarSharing bevorzugen: Es würde sicher mehr Sinn machen nur CarSharing-Fahrzeuge zu bevorzugen - egal mit welchem Antrieb. Denn CarSharing ist überspitzt eigtl. nichts anderes als ÖPNV für Selbstfahrer. Allerdings ist das zumindest in Stuttgart bei den wenigen Teilstrecken nicht das probate Mittel um CarSharing zu fördern. Hier braucht es mehr feste Stellplätze fürs CarSharing in Stuttgart.

Unnötiger Vorschlag: Zeeb: "Man wies den Stadtrat aber darauf hin, dass die Stärke der Stadtbahn gerade ihr separater Gleiskörper ist, der sie vor Kontakt mit dem Individualverkehr weitgehend bewahrt." Vielleicht hatte er etwas schlechtes im Essen? Wenn so etwas ein Stadtrat von sich gibt, dann weiß ich auch wie die CrossBoarderLeasing zustande gekommen sind! Da möcht einer tatsächlich die U-Bahn ausbremsen für so eine paar fragwürdige Elektrofahrzeuge. Macht es einen Unterschied, ob ich mit einem "normalen" oder mit einem Elektrofahrzeug im Stau stehe ??? Hauptsache die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen wird künstlich erzeugt. Und natürlich subentioniert!

Busspuren für E-Fahrzeuge: Liebe Herr Nauke, sind Sie sicher, dass Sie in der Sitzung des Technischen Ausschusses des Gemeinderats waren und nicht versehentlich im Kommödiantenstandel gelandet sind?

zweirad: Dann lieber die Spuren für Zweiradfahrer frei geben

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