Erneuerbare Energien Investor für EnBW-Windpark

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Die australische Bank Macquarie erwirbt von der EnBW für 720 Millionen Euro knapp die Hälfte des Offshore-Windfelds Baltic 2, das gerade vor der Küste der Ostseeinsel Rügen entsteht.

Derzeit werden die 80 Windräder des Feldes Baltic 2 in der Ostsee errichtet. Foto: EnBW
Derzeit werden die 80 Windräder des Feldes Baltic 2 in der Ostsee errichtet.Foto: EnBW

Stuttgart - Der Karlsruher Energieversorger EnBW kommt ein weiteres Stück mit seinem Plan voran, Investoren an seinen Windenergieprojekten zu beteiligen. Am Mittwoch teilte der Konzern mit, er habe 49,89 Prozent der Anteile am Offshore Windpark EnBW Baltic 2 an den australischen Finanzinvestor Macquarie Capital verkauft. Die Anteile gehen allerdings erst nach kartellrechtlicher Genehmigung und der vollständigen Inbetriebnahme des Offshore-Windparks, voraussichtlich im kommenden Sommer, an Macquarie. EnBW wird den Betrieb des Parkes führen und auch die Wartung übernehmen, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens.

EnBW-Chef Frank Mastiaux hatte dem Konzern 2013 als Ziel verordnet, den Anteil Erneuerbarer Energien von zwölf auf 40 Prozent zu erhöhen. Alleine 3.5 Milliarden Euro – und damit rund die Hälfte der für den Konzernumbau veranschlagten Summe – soll in die Windenergie fließen. Dabei spielt neben Deutschland auch die Türkei eine wichtige Rolle, wo die EnBW im vergangenen Jahr den Startschuss für mehrere Windparks an Land gegeben hat.

Die EnBW setzt bei der Windenergie auf Partnerschaften

Finanziell setzt der Konzern bei der Windenergie nicht zuletzt auf Partnerschaften. Bereits 2010 hat die EnBW den ersten kommerziellen Offshore-Windpark Baltic 1 in Betrieb genommen: An ihm halten 19 Stadtwerke vornehmlich aus Baden-Württemberg, darunter Esslingen, Fellbach und Sindelfingen zusammen 49,9 Prozent. Onshore, also bei Windkraftanlagen an Land, kooperiert die EnBW ebenfalls mit regionalen Energieunternehmen.

Daneben haben die Karlsruher zudem kürzlich ein Modell zur Bürgerbeteiligung aufgesetzt, bei dem der Konzern insgesamt zwei Millionen Euro von privaten Investoren in Form von Krediten eingesammelt hat. Nachdem die EnBW dieses Modell beim Start als „Akzeptanztest“ bezeichnet hatte und die angestrebte Summe bereits nach einer Woche erreicht war, sind wohl weitere Projekte dieser Art zu erwarten. In der Türkei schließlich operiert EnBW über ein Joint Venture mit dem dortigen Energiekonzern Borusan.

Für Macquarie setzt unter anderem auf Energieprojekte

Der Windpark Baltic 2 wird derzeit rund 32 Kilometer nördlich der Ostseeinsel Rügen gebaut. Nach Angaben des Konzerns sind 34 Anlagen bereits installiert. Voraussichtlich in den nächsten Wochen sollen sie Strom ins Netz einspeisen, sofern das Wetter mitspiele. Die komplette Inbetriebnahme ist für das Frühjahr 2015 vorgesehen. Die 80 Windkraftanlagen werden der EnBW zufolge eine Gesamtleistung von 288 Megawatt umfassen – das entspricht einem kleineren konventionellen Kraftwerk. Der Windpark könne jährlich 1200 Gigawattstunden Strom für rechnerisch rund 340 000 Haushalte erzeugen, heißt es in der Mitteilung der EnBW.

Macquarie Capital ist eine Tochter der australischen Macquarie-Gruppe, die eigene und Kundengelder nicht zuletzt in Energiebeteiligungen investiert. Baltic 2 ist dabei nach Angaben von Macquarie derzeit das größte Investment im Bereich erneuerbare Energien. Als weitere Investitionen in diesem Segment nennen die Australier ein Fotovoltaikprojekt in Großbritannien sowie ein Müllkraftwerk in der irischen Hauptstadt Dublin. Die Macquarie-Gruppe ist unter anderem auch an dem Energiedienstleister Techem, dem Gasnetzbetreiber Open Grid sowie an Thyssen-Gas beteiligt und hat im Herbst vergangenen Jahres angekündigt, für 2,5 Milliarden Euro die spanischen und portugiesischen Aktivitäten von Eon zu übernehmen.

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