Die Firma Photofabrics bedruckt Teppiche, Textilien und Vinyl im XXL-Format. Die Auftraggeber sind illuster: Mercedes, Volkswagen, AMG, Dior oder Louis Vuitton zählen zur Kundschaft.

Bei den Allerwenigsten dürfte es sofort klingeln, wenn sie den Namen Photofabrics hören. Viele werden aber bei irgendeiner Gelegenheit schon einmal auf ein Produkt der Ludwigsburger Firma gestoßen, womöglich sogar darüber spaziert sein. Vielleicht bei einem Konzert oder im Theater, unter Umständen auch in einem Laden oder im Kino. Das Unternehmen bedruckt nämlich Textilien, Vinylböden, Teppiche und anderes mehr, meist im Großformat, besetzt damit eine Nische und hat sich in der Branche längst einen Namen gemacht. „Außer uns kann keiner in ganz Europa 25 Meter geradeaus am Stück drucken. Wir holen das letzte Quäntchen aus den Maschinen heraus“, sagt Inhaber Peter Sapper.

 

Requisiten für populäre TV-Serie

Unter anderem diesem Alleinstellungsmerkmal verdankt sein Unternehmen Aufträge schillernder Kunden. Die Teppiche unter dem Verkaufstresen von Flagship-Stores und Filialen von Christian Dior oder Louis Vuitton stammen zum Beispiel von Photofabrics. In der populären TV-Serie „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“ werden demnächst Requisiten made in Ludwigsburg verwendet. „Gerade zwei Teppiche dahin verkauft“, ruft Mitarbeiter Rafael Garcia an diesem Montagnachmittag seinem Chef zu. Kurz darauf vermeldet der Mann aus Sappers Team gleich noch den nächsten Coup. Mit der Constantin Film wurde ein Deal eingetütet. Für eine neue Produktion wird Photofabrics Textildrucke beisteuern, die gewissermaßen eine Hauptrolle in dem Streifen spielen. Mehr dürfe momentan leider nicht verraten werden, sagt Garcia.

Eine Ausstellung als Erweckungsmoment

Garcia spielt keine ganz unwesentliche Rolle in der Firmengeschichte, war er doch ein Maschinenlieferant, mit dem Peter Sapper einst eine geschäftliche Liaison eingegangen ist. Außerdem tüftelten die beiden an einer Technik, die dem Unternehmen einen entscheidenden Schub geben sollte.

So etwas wie der Erweckungsmoment war für Sapper eine Foto-Ausstellung zu der früheren Stuttgarter Primaballerina Birgit Keil. „Sie wollte damals nicht diese hässlichen PVC-Banner, fragte, ob es nicht schöne Stoffbanner zum Aufhängen gäbe“, erinnert sich Sapper, der Keils Wunsch tatsächlich wahrmachte. Er entwickelte damals mit Garcia Sublimations-Farbstoffe, also Tinte, die sich in Stoffe eindampfen lässt. Zudem experimentierte das Duo mit Maschinen aus der Textilindustrie. „Das war der Durchbruch: der Sublimationsdruck auf Stoff, ein Verfahren mit einer besonders hohen Auflösung“, erklärt Sapper. „Da sieht man jedes Haar messerscharf, geradezu fotorealistisch – wo dann auch der Firmenname her kam“, fügt er hinzu. Kein Wunder also, dass der erste größere Abnehmer die Kosmetikfirma Wella war, die Beauty-Stoffbanner geordert hatte.

Boden für die Filmpremiere bereitet

Eine Innovation sei auch gewesen, mit einer Auflösung von 400 dpi einen Teppich bedrucken zu können. „Man kann damit Landkarten auf Teppiche drucken“, sagt Sapper. Photofabrics kann überdies einen Untergrund kreieren, der täuschend echt ein Gewässer imitiert. Und in den Wellen posiert dann ein Megastar wie Emma Watson. So geschehen vor einigen Jahren auf dem Leicester Square in London, wo der Blockbuster „Noah“ präsentiert wurde, in dem die Aktrice mit von der Partie ist. Nicht minder eindrucksvoll die Kulisse, die Photofabrics für die Weltpremiere des Films „Girl on the Train“ kreierte. Hauptdarstellerin Emily Blunt schritt ebenfalls in der englischen Metropole stilecht scheinbar über ein Bahngleis. Aber eben nur scheinbar. Den XXL-Untergrund hatte Sappers Mannschaft aus einer Maschine gezaubert und in die britische Hauptstadt geschickt.

Spiel mit dem Licht

Eine weitere Spezialität des Unternehmens sind Neon-Drucke. Für Lichteffekte können diese zum Beispiel bei Theateraufführungen, Ausstellungen oder Konzerten verwendet werden. Wer Ende November beim Gastspiel der angesagten Mittelalter-Rockband Saltatio Mortis in der Ludwigsburger MHP-Arena dabei war, hat einen Eindruck davon bekommen, welches Hell-dunkel-Feuerwerk sich mit Neon-Stoffen abbrennen lässt. Mit den Mega-Drucken lassen sich jedoch nicht nur Musikfans beglücken, sondern auch Kinder. Für das Stadtmuseum in Heilbronn hat Photofabrics einen großflächigen Belag in Planung, der eine Strecke abbildet, über die Mädchen und Jungs mit Bobbycars flitzen können.

Auftrag für einen Vergnügungspark

Zurzeit tüftelt Peter Sapper, wie er selbst sagt, an einer Weltneuheit. „Auf Messen kamen Leute mit dem Wunsch auf mich zu, die für einen Vergnügungspark einen Outdoor-Teppich gebraucht haben“, erklärt der 67-Jährige. Da es so etwas nirgends gebe, sucht und tüftelt er seit vier Jahren an einer Art Outdoor-Kunstrasen. Im April soll die Produktneuheit auf einer Fachmesse präsentiert werden.

Spezialist für Drucke

Gründer
 Peter Sapper stammt aus einer Unternehmerfamilie. Sein gleichnamiger Vater war Erfinder der modernen Mokassins und Gründer der Schuhmanufaktur Sioux in Walheim. Peter Sapper Junior ging aber seinen eigenen Weg, studierte in Kaiserslautern Textil-Ingenieurwesen. 2001 gründete er Photofabrics.

Drucke
Das Unternehmen des 67-Jährigen bedruckt Textilien und Bodenbeläge für Unternehmen wie Mercedes, Volkswagen, AMG, Dior oder Louis Vuitton, beliefert aber auch Innenausstatter und Bühnenbildner, die zum Beispiel für Opernhäuser tätig sind. Der Firmensitz von Photofabrics befindet sich im Gewerbegebiet in der Teinacher Straße in Ludwigsburg, Peter Sapper ist aber auch an einer Produktionsanlage in Oudenaarde in Belgien, nahe der französischen Grenze, beteiligt.