Garnisonsschützenhaus am Dornhaldenfriedhof Der Verein wartet auf ein Zeichen der Politik

Von Tilman Baur 

Die Nutzungskonzepte fürs Garnisonsschützenhaus nehmen konkretere Formen an. Seit zwei Jahren versuchen ehrenamtlich engagierte Stuttgarter, das denkmalgeschützte Objekt wiederzubeleben.

Das Garnisonsschützenhaus  ist  immer noch verwaist. Foto: Leif Piechowski
Das Garnisonsschützenhaus ist immer noch verwaist. Foto: Leif Piechowski

S-Süd/ Degerloch - Ginge es nach dem Verein Garnisonsschützenhaus, dann könnte die Nutzung des geschichtsträchtigen Gebäudes auf der Dornhalde noch in diesem Sommer beginnen. Beim Informationsabend über den aktuellen Entwicklungsstand ihres Projekts am Montagabend im Alten Feuerwehrhaus in Heslach wurde klar, dass es den Beteiligten an Ideen und Engagement nicht mangelt.

Doch bislang fehlt ein klares Bekenntnis der Politik zum Vorhaben. So konnten die gut 30 Besucher der Veranstaltung sehen, was der im Oktober gegründete Verein plant. Sein Zweck besteht darin, die historischen Gebäude denkmalgerecht zu erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Darüber hinaus will er Kunst und Kultur, insbesondere Trauerkultur und Wissen über die Stadtgeschichte fördern.

Der Geräteschuppen könnte noch in diesem Jahr geöffnet werden

Mit der Umgestaltung des Geräteschuppens könne man noch in diesem Jahr beginnen, sagte der Vereinsvorsitzende Reinhard Schmidhäuser. „Er ist in einem guten Zustand“, ergänzte die Architektin Tina Kammer, die zusammen mit der Kommunikationsdesignerin Maike Sander ein Konzept entworfen hat. Anschließend an das Vereinsmotto „Raum für Stille“ sollen sich Ausstellungen, Kurse, Vorträge und Veranstaltungen mit den Themen Abschieds- und Trauerkultur, Stadtviertel und -geschichte sowie Ökologie und Naturschutz beschäftigen. Der Schuppen könne auch als Anziehungspunkt dienen für Leute, die am Haus vorbeischlendern, sagte Kammer. Denkbar sei zum Beispiel, Schulklassen einzuladen und im November ein Allerseelenfest zu veranstalten, schlug wiederum Meike Sander vor. Der Ort solle erlebbar werden, das sei die Hauptsache. Der Praxistest sei jetzt endlich gefragt.

Ohne großen Aufwand soll der Schuppen im Spätsommer für vier Wochen öffnen, um den Ort „zu spüren“ und zu sehen, wie das Angebot bei interessierten Besuchern wirklich ankomme.

Eine ganz neue Nutzungsidee für das Wachhaus brachte Krishna Saraswati mit. Saraswati ist Designer für innovative Bildungsräume und will im Auftrag der Degerlocher Waldorfkinderkrippe Avalon am Garnisonsschützenhaus eine Wald-Kita einrichten. Aus Kinderperspektive biete das Gelände nämlich beste Voraussetzungen, vor allem viel Wald und große Gartenflächen. Das Wachhaus könne als Schutzraum dienen, als Teeküche und Garderobe.

Der Zuspruch des Gemeinderats steht noch aus

Einen Widerspruch zwischen Kita und dem Anspruch an eine stille Umgebung am Friedhof mochte Saraswati nicht sehen. Kinder bräuchten auch Stille, sagte er, das gelte vor allem für Stadtkinder. Sein Konzept sieht es vor, die Natur erlebbar zu machen, die Kinder selbst gestalten zu lassen – all das sei rund ums Garnisonsschützenhaus gut möglich. Selbst die Finanzierung sei kein großes Problem: so habe die Stadt für den kommenden Doppelhaushalt bereits Gelder für die geplante Erweiterung der Krippe zurückgestellt. „Wir brauchen jetzt aber ein klares Signal der Stadt“, forderte Saraswati.

Schließlich zeigte der Architekt und Mitglied des Vereinsvorstands Thomas Schneider-Graf, wie der angrenzende Dornhaldenfriedhof als „Park der Stille“ genutzt werden kann. Dort würden weite Bereiche nicht genutzt, der Friedhof sei nicht ausgelastet. So könne ein Park der Besinnung, des Verweilens und der Inspiration entstehen. Gleichzeitig könne er als Ausgangspunkt für Wandergruppen dienen. Im Herbst soll ein studentischer Ideenwettbewerb stattfinden, der Impulse für die konkrete Ausgestaltung bringen soll.

„Der Grundsatzbeschluss, alles gemeinnützig zu nutzen, muss stehen“, forderte Reinhard Schmidhäuser zum Abschluss einmal mehr. Ins gleiche Horn stieß Grünen-Stadträtin Christine Lehmann, die die Pläne des Vereins unterstützt. Sie appellierte an die Bürger, bei der Politik fürs Projekt zu werben. Nur so könne man schließlich eine Mehrheit im Gemeinderat finden.

Sonderthemen